Geschichte einer Liebe

Bild von Anouk Ferez
von Anouk Ferez
Mitglied

Als unser Glas noch voll war
maßen wir die Zeit an
Schneckenspuren
und irdene Schönheit an Libellenflügeln
– doch nichts kam DIR gleich.

Faun,
wie entfesselt
spieltest du die Fiddel,
brachtest meine Saiten
zur Krümmung
und faltetest Dimensionen
elffach und mehr.

Vielleicht ist es
das Irren der Sprache,
dass sie stets
mit Missverstand
schwanger ist
während unsere Hände
doch Wahrheit tasteten,
als sie blind
und berauscht vor Glück
über das anderen Gärten tanzten.
– Nektarsatt waren wir
in jenem smaragdgrünen Frühling
und hummelfroh.

Verwunschene Wege trugen unsere Füße
an die Grenze zwischen Elb und Mensch.
Und verborgene Treppen führten
zum Dach der Endlichkeit
bis dorthin, wo Himmelsfeuer glühn.
Uns winkten Nebelspiralen,
blass lavender,
deuteten an wo Heimat wär‘.
Und alle Sterne stieben aus ihren Bildern
als ich dir das Blau
aus der Schwärze des Weltalls pflückte.

Als unser Glas noch voll war,
maßen wir die Zeit nicht am Wein.
Wir legten unsere Lippen ineinander:
einer des anderen Gral,
nicht wissend, was durch unsre Adern flösse.

Vielleicht ist dies das Irren der Liebe,
dass sie beherzt auf Schnecken reist
und es sie dünkt,
Atlas würde das Himmelsgewölbe
ewig auf seinen Schultern tragen.

Anouk Ferez, 1-2017

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Interne Verweise

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Autor: Anouk Ferez
Verlag: AAVAA Verlag (2015)
Binding: Taschenbuch, 199 pages

Kommentare

10. Jan 2017

Ich bin sprachlos - weil wunderschön, dieses Gedicht, ein Meisterwerk.

LG Annelie

10. Jan 2017

Danke, liebe Annelie. Es schrieb sich von allein nieder, dieses Gedicht, ganz von allein, denn es fanden sich Worte zu Bildern, die sich im Herzen fanden.
Sei lieb gegrüßt und gedankt von Anouk

11. Jan 2017

Ganz unglaublich, was für schöne Dinge in deinem Herzen ruhen.

LG Annelie

11. Jan 2017

Liebe Annelie, es ist nicht leicht, wenn man rückblickt auf all seine Bilder, und sich fragt, ob man dankbar dafür sein darf, dass man diese einst hat sammeln können, oder ob man traurig darüber sein soll, dass diese Bilder nicht mehr im "hier und jetzt" fußen, sondern irgendwo in der Vergangenheit. Ich entschied mich für unsagbares Staunen und Dankbarkeit.. aber dennoch, es ist immer ein Hauch von Bitterkeit in jeder Süße, ein Tropfen "kalt" im warm, ein...dann und wann ein wehmütiges Abdriften in etwas, das nicht mehr ist.. wahrscheinlich geht es jedem von uns so..jeder Mensch hat seine Bilder, seine Lieder, seine Geschichten.. somit ist jeder Mensch ein ganzes Universum.
Es grüßt dich herzlich
Anouk

10. Jan 2017

Ich lese. Sauge die Worte auf. Lese nochmals. Bin fasziniert und zutiefst berührt. Meisterhafte Poesie.
LG Monika

10. Jan 2017

Hallo liebe Monika, ich danke dir sehr für dein Lesen, Nachdenken, deine Emotionen. Danke auch für das Kompliment. Ich bin erstaunt ob der vielen positiven Resonanz auf mein Gedicht. Ich schrieb es , weil es hinaus wollte.
Liebe Grüße und besten Dank, Anouk

10. Jan 2017

Dir wohnt ein ganz besonderer Zauber inne - er berührt und verführt alle Sinne
Herzlichen Gruß
Eva

10. Jan 2017

Liebe Eva, danke vielmals für deinen wunderbar gereimten Kommentar, ...was für ein großes Lob..Es dankt und grüßt dich herzlich
Anouk

10. Jan 2017

Hallo Denker, danke fürs Lesen und Kommentieren...
es war mir nicht bewusst, dass mein Zeilen derart Emotionen bei anderen Menschen erzeugen könnten..
ich bin grad selbst stumm und muss das erstmal sacken lassen.
lG
Anouk

10. Jan 2017

Habe dieses besondere Gedicht sehr gerne gelesen, Kompliment, Anouk.
LG Marie

10. Jan 2017

Danke , liebe Marie. Ich freue mich sehr über diese positive Resonanz. Viele liebe Grüße
Anouk

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