Theerose

Der Mondschein flimmert auf den Fluren
Wie gold'ner Hauch auf Schneegefild,
Der zitternd leise ros'ge Spuren
Hinzaubert wie ein Duft so mild.
Ein Röslein rot am Strauch im Garten,
So schön, wie keines je man brach, -
Des Falters will's geduldig warten,
Der heut' zu kommen ihm versprach.

Es harrt und harrt, und wird nicht müde,
Und horcht nach seinem Flügelschlag,
Und hört nicht, wie im süßen Liede
Die Nachtigall leis klagt am Hag.
O endlich kommt er, - (seine Schwingen
Sind märchenhaft in ihrer Pracht -)
Und - flattert hin, wo der Syringen
Hellblühendste schon lang' ihm lacht.

Das Röslein senkt das Köpfchen nieder
Und seine Wangen werden bleich -
Und drüben, in dem duft'gen Flieder
Da schwärmt und flüstert's wonnereich!
Und immer blasser wird die Rose
Im nie geahnten, bittern Schmerz -
O Schmetterling, dein falsch' Gekose,
Es brach des Rösleins armes Herz!

Der Mond schaut nieder voll Erbarmen:
"Mein Röslein, sterben sollst' noch nicht!" -
Und überhaucht den Kelch der Armen
Mit seinem milden, gold'nen Licht.
Als über Strauch und Baum und Blüte
Der Morgen hell emporgeglüht,
Da war - so lehrt es uns die Mythe -
Theerose wunderhold erblüht! -

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