Nachwort zu Feueraugen

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von Alexander Zeram
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FEUERAUGEN
Das Nachwort

IV)  N A C H W O R T
Eine Stellungnahme des Autors zu seinem Roman
"FEUERAUGEN"

Feueraugen

Ich starre hinein in dieses Symbol des Sehens und Gesehenwerdens und beginne zu begreifen, dass es mehr gibt in diesem Dasein als Erklärungen und Beweise.

Nichts

'Nichts' ... gibt es nicht, auch 'das Nichts' nicht!

Am Anfang war ein Zustand!

Das Verhältnis, in dem dieser Zustand zu sich selbst zu verstehen wäre, markiert den Beginn der 'Dinge'. Das Verhältnis, in das die 'Dinge' von da an zueinander gestellt waren, könnte man als den Beginn des Begrifflichen bezeichnen.

Abstrakte Vorstellungen, Hypothesen und keine Möglichkeit, auch nur einen einzigen Gedankengang in dieser Ebene mittels stichhaltiger Beweise oder auch nur durch logisch abgesicherte Erklärungen zu untermauern. Es ist ein Spiel mit den Facetten des Gedanklichen, des Imaginären und ebenso gut Unwiderlegbaren wie Streitbaren - der persönlichen Meinung, der spezifisch menschlichen Art, Zustände nach Fakten abzuklopfen und die herausbröselnden, fadenscheinigen Anhaltspunkte in eine wertmäßig vertretbare Ordnung zu bringen - sei sie auch nur dem binären Denkschema der neuesten Neuzeit zuzurechnen: richtig-falsch, ja-nein, fundiert-unerklärbar, Null-Eins!

Die Sprache ist dem Menschen gegeben,
um seine Gedankengänge ein für alle Mal
jeglicher Logik unzugänglich zu machen!

(Frei nach Talleyrand)

Glaube

Ich sitze an meinem Schreibtisch und rauche genüsslich eine Zigarette - halte sie zwischen Mittel- und Zeigefinger - verfolge, wie der Rauch zur Zimmerdecke aufsteigt - sich kräuselnd, schemenhafte Figuren in den Raum bildend, die verschwinden, bevor sich meine Sinne an erste Eindrücke gewöhnt hätten. Sekunden nur dauert es, dann hat sich eine Rauchgirlande bereits wieder völlig verändert.

In dem einen Sinn bin ich religiös: Ich glaube an eine Kraft, die in mir ist und zugleich über mir steht. Ob dieselbe Kraft andere Menschen beeinflusst, überhaupt von ihnen wahrgenommen werden könnte, lasse ich dahingestellt. Ich weiß nur eines: diese Kraft bestimmt mein Denken und Handeln, setzt sich zusammen aus den äußeren Umständen und innerer Unruhe wie Ruhe.

Ebenfalls weiß ich, dass dieses Dasein wie der Rauch meiner Zigarette ist - sich kräuselnd, aufsteigend, sich an der Decke brechend und schließlich zum fast unsichtbaren Schweben im Raum verurteilt.

Möglichkeiten

Leben - Dasein - Existenz ... leere Worte, um derentwillen ich keine Diskussion beginnen würde. Gespräche über den Sinn des Daseins verlieren sich ebenso schnell wie der Rauch einer nichtigen Zigarette.

Befriedigend, tiefsinnig, oberflächlich, ein schlechtes Gewissen erzeugend ... wie im Gespräch und den Gedanken danach ... aber eben nichtig ... vergänglich!

Die Möglichkeiten des Daseins sind es, mit denen ich mich vorzugsweise befasse. Wo endet die sogenannte 'Wirklichkeit'? Wo beginnt sie? Was ist 'Wirklichkeit'?

Eine komplizierte Reihe wirrer Gedanken könnte schließlich zum Thema dieses Romans führen.

'FEUERAUGEN' als Spiel mit den Möglichkeiten, als philosophischer Krimi, als Zerrbild einer vielschichtigen und dabei natürlich auch zerrissenen Weltanschauung, die keinen Pessimismus malt, sondern alleine die vielfältigen Eventualitäten anprangert.

Was wäre, wenn ...?

Prinzip

Eine Reise beginnt nicht mit dem Kofferpacken oder dem Besuch in einem Reisebüro, nicht mit dem Studium diverser Prospekte über Fernziele oder dem Urlaub 'nebenan' und auch nicht mit den heißen Diskussionen des Familienrates, ob es diesmal wieder -oder gerade nicht- da und da hingehen soll. Der Beginn liegt fest verwurzelt in der gedanklichen Auseinandersetzung mit der Tatsache selbst, dass man reisen möchte!

Ich will!

Ich kann!

Vielleicht auch zuweilen: Ich muss!

Die Bereitschaft wäre in diesem Fall maßgeblicher als die Möglichkeit; die Möglichkeit aber der Dringlichkeit definitiv unterzuordnen! Menschen, die es nach einem Tapetenwechsel verlangt, brauchen die Abwechslung, das Neue und Unbekannte, ebenso unbestreitbar wie andere die festgefügte Stabilität der vertrauten Umgebung.

Die Möglichkeit alleine, sich mit Unbekanntem und gar Ungewissem auseinandersetzen zu müssen, schreckt den Einen genauso stark, wie es den Nächsten befriedigt, beruhigt, anzieht ... erfüllt!

Abenteuer!

Die Bereitschaft ist alles! Wo ein Wille ist, da sei auch ein Weg - heißt es.

Wo die Bereitschaft vorhanden ist, da eröffnen sich die Möglichkeiten - meine ich!

Gedankenreise

Wäre es vertretbar, wenn ich –hätte die Bibel doch recht- einen verwandtschaftlichen Bezug zu allen Menschen auf diesem Planeten in Erwägung ziehen würde?

Wie weit könnte ich mich von der nahen Vergangenheit entfernen? Wollte ich mittels dieser gedanklichen Spielereien meinen fernsten Urahnen im Garten Eden suchen?

Wenn ich mir's recht überlege, dann bin ich eigentlich mit diesem Mr. Johansson, einem kanadischen Holzfäller, sehr eng verwandt! Er kennt mich freilich nicht und ich ihn ebenso wenig, aber wir besitzen sicherlich die gleichen Urururururur-Großväter und -Mütter. Auch mit ihnen allen wäre ich verwandt, die Sie den Roman FEUERAUGEN gelesen haben. Zusammen würden wir auf unserer Suche bei jenem fernen Urahnen landen, der gerade wieder einmal einem gefährlichen Gegner in freier Wildbahn mit knapper Not entwischt ist und sich keuchend in seine Höhle zur zerzausten Gefährtin verkrochen hat, um mit ihr das Menschengeschlecht nach und nach um einige hochinteressante Spezies anzureichern: Adam hieße er, hätte die Bibel nicht recht! Und seine reizende Wilde - Eva!

Eva, Du sündige Großmama mit dem Apfel, den Dir Xabrudracaras gereicht hat - unser aller Mutter in der Ferne der Zeiten!

Warum eigentlich nicht?

Zeitenreise

Kann ich mich - wenn auch nur schwer nachvollziehbar- zu verwandtschaftlichen Beziehungen irgendwohin, über die Kontinente hinweg, bekennen, dann eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten, mit den immerzu fruchtbaren Impulsen unseres weitgehend unerforschten Gehirns zu spielen.

Zeiten

Warum sollten Zeiten nicht untereinander und miteinander verwandt sein? Haben Historiker, Astrologen, Psychotherapeuten oder auch Mathematiker, Physiker und Biologen dies nicht schon längst beweiskräftig belegt?

Ob die Wissenschaft mir beipflichten würde, wenn ich die theoretische Möglichkeit in Erwägung zöge, dass die Sphären, Welten, Ebenen –oder wie immer man diese einzelnen 'Zeitblasen' nennen möchte- sehr eng beieinanderliegen müssten? Dabei gehe ich sogar noch weiter und behaupte, dass jede Millisekunde unseres Lebens in Trilliarden und Abertrilliarden von ähnlichen, fast gleichen und auch sehr verschiedenen Varianten vorliegt. Für mich ist es eine unabwendbare Tatsache, dass gleich nebenan unsere Existenz in unvorstellbar vielfältiger Weise dupliziert wird – in jedem Atemzug, jedem noch so unwichtigen Augenblick! Und wenn es auch als nicht ausreichend erscheinen mag, wenn ich als Beweis für diese theoretische Annahme nur die Möglichkeit an sich anführen kann - schon der Versuch, diese mögliche Tatsache zu widerlegen, würde an der Vielfalt der Ansatzpunkte scheitern!

Die Zeit kann nicht 'bewiesen' werden – wie schon jeder angehende Quantenphysiker weiß – und wer sie zu 'messen' glaubt, unterliegt demselben Irrtum wie der

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