Ist Schreiben das neue Kochen? Worauf es bei guten Texten wirklich ankommt

28. September 2017
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Schreiben ist mehr als der Erguss einzigartiger, für die Welt unverzichtbarer Gedanken und Erkenntnisse. Schreiben ist auch Grammatik und Orthografie.

Was soll man nicht alles selbst machen können in der heutigen Zeit? Wer in den Regalen der Buchhandlungen stöbert, in Zeitschriften blättert oder im Internet liest, könnte auf die Idee kommen, es sei problemlos möglich, neben dem 40-Stunden-Job und der Kindererziehung Marmelade einzukochen, Adventskränze zu basteln, ein Hochbeet anzulegen und sich voller Achtsamkeit auf den nächsten Marathon vorzubereiten. Das ist aber alles weder einfach noch überhaupt irgendwie möglich. Schließlich hat der Tag eines jeden Menschen nur 24 Stunden. Außerdem ist natürlich jeder mit ganz unterschiedlichen Talenten gesegnet. Kein Wunder also, dass diese ganze DiY-Welle einen furchtbaren Druck auslöst und das, was das Basteln, Kochen, Handwerken und Gärtnern eigentlich auslösen sollen, ins krasse Gegenteil verkehrt. Statt Entspannung und Kreativität entstehen Versagensängste, Perfektionismus und Dauerstress.

Kann wirklich jeder Mensch gute Texte schreiben?

Wie müssen sich Profiköche fühlen, wenn plötzlich jeder, der die Kohle im Grill halbwegs zum Glühen bringt, so tut, als sei er der neue Star am Gastrohimmel? Genau so ergeht es seriösen Autoren, die in Anbetracht der schieren Menge an Texten, die auf den Markt geworfen werden, nur noch den Kopf schütteln. Schlimmer als die Textmenge ist nur noch die Qualität der Werke, die dem Leser allerorten begegnen. Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten, über Grammatik und Orthografie weniger.

Mancher Twitterer täte gut daran, seine Kurztexte zumindest durch die kostenlose Rechtschreibprüfung auf der Duden-Seite zu jagen. Wer einen längeren Text, eine Kurzgeschichte, ein Drehbuch oder gar einen Roman veröffentlichen und sogar verkaufen möchte, kommt dagegen nicht umhin, sein Werk lektorieren zu lassen.

Ob wissenschaftliche Arbeit, Krimi oder erotischer Roman – ein professionelles Lektorat steigert die Qualität jedes literarischen Werks. Schließlich verstecken sich die Fehler im eigenen Text immer hinter dem, was das Auge gern sehen möchte. Auch wenn es um die Satzstellung und den Gebrauch geflügelter Worte geht, kann der Blick eines Außenstehenden enorm hilfreich sein.

Sicher gibt es in fast jedem Bekanntenkreis eines Autors einen Menschen, der die deutsche Rechtschreibung sicher beherrscht. Ein kritischer Leser ist indes noch lange kein begabter Lektor. Wer ein professionelles Lektorat beauftragt, wird davon überrascht sein, welche Hinweise er in Bezug auf den Stil seines Texts, die Schlüssigkeit der Argumente und sprachliche Besonderheiten erhält. Lernwillige Autoren können von einer solchen konstruktiven Kritik nur profitieren.

Was das Schreiben mit dem Kochen zu tun hat

Es ist keine große Kunst, ein paar Nudeln in den Topf mit kochendem Wasser zu werfen und aus Tomaten, Knoblauch und Olivenöl eine passable Sauce zu mischen. Sicher ist ein Hobbybäcker auch in der Lage, einen Hefezopf zu flechten, der frisch genauso gut schmeckt wie beim Bäcker um die Ecke. Doch nur wer sich traut, am Herd zu scheitern, professionell angeleitete Kochkurse besucht, eine hochwertige Ausrüstung anschafft und immer wieder neue Rezepte studiert, wird in der Küche wirklich Großes schaffen.

Beim Schreiben ist es ähnlich: Wer, wie in diesem Artikel eindrucksvoll beschrieben, sein Buch oder sein Gedicht vermarkten möchte, sollte einige wichtige Regeln des Marktes kennen. Dazu gehört auch, sich ständig weiterzubilden, in professionelle Unterstützung zu investieren und einem Text – ähnlich wie einem guten Käse – ausreichend Zeit zu geben, um zu reifen.

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