Lebensweisheit

von Jürgen Skupniewski-Fernandez
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Ich weilte auf des Lebens flacher Ebene,
strömte wie Millionen von Tanz zu Tanz,
von Nacht zu Nacht, hin zu Auroras Glanz;
im Fluss des Konsums der Eitelkeiten,
lachend und zufrieden. Ferner Schmerzen
politischer Musen aller Exekutiven.

Bis eines Tages der Nebel verschwand;
mich durch den engen Tunnel meines
Bewusstseins zwang. Tief, die heiligen
Räume meines Ichs betrat.

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr
heraus! Auf der Lichtung meines Ichs,
wo die Seele und das Herz sich gatten,
irre ich durch den philosophischen Garten,
im Labyrinth. Wo der Geist das Feuer seiner
Flamme zündet, aufstrebend sich Vernunft erhellt.

Da begann ich anders zu sehen,
da begann ich anders zu hören,
da begann ich anders zu denken.
Da teilte sich der Vorhang gewebter
Oberflächlichkeit, die uns mit so vielen
Farben betört.

Auf dem Weg zum personifizierten Licht, Gott,
schlug ich mich auf die neuen Lebensseiten.
Ihre Schriften bedrängen mich, weil die Zeit
mich schiebt mit ihren Fluten und Gewalten.

Kaum den Inhalt gelesen, verstanden, weht der
Wind mir fortwährend neue Blätter zu.
Da stehe ich nun, kleines Licht vor den
aufgetürmten Stimmen der Weisen.

Manchmal sehne ich mich nach den farbigen
Tönen, hinauf zu den Ebenen gelebter
Oberflächlichkeit. Denn der Hunger einer
Flamme kann sich auch im Licht verbrennen.

Also sprach Zarathustra:
Ich bin meiner Weisheit überdrüssig,
wie eine Biene, die zu viel Honig sammelte.
Ich will wieder näher bei den Menschen sein.

So verließ er seine Höhle und betrat den Tag.

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