90. Geburtstag - ein besonders besinnlicher Tag ...

Bild von Ernst Wetzel
Mitglied

Sehr geehrte Frau R…,

90 Jahre, das ist für mich eine lange Zeit,
sind nun Ihre gelebte Vergangenheit.
Da kommen auf so manche schöne Erinnerungen,
die gelebt wurden unter anderen Bedingungen.

Sei es, dass der Ehepartner war an Ihrer Seite
und der Freundeskreis hatte eine größere Weite.
Man war sportlich fit und fühlte sich gesund,
spielte recht flott Tennis in freundschaftlicher Rund’.

Es wurden Freundschaften vertieft und auf Festen gepflegt,
der Wohnsitz von D… nach M… verlegt.
Wo auch die Selbstständigkeit Ihres Mannes Aufschwung nahm
und die Familie mit T… eine Vergrößerung bekam.

Auch werden Ihre Erinnerungen schwelgen von den schönen Reisen,
in Deutschland darf ich auf Bayern und die Insel Sylt verwiesen.
In Italien der Lago Maggiore, die Montegrotto-Therme oder Venedig.
Das waren gern bereiste Ziele, die sie Beide verführten ständig.

Die Eheschließung von T… mit A… waren eine Quell’,
zur Erweiterung der Familie mit den Enkeln G… und K… generell.
Dadurch ihnen eine Oma, Onkel, Tanten und Taufpaten zur Seite gestellt
und sich noch die Neffen A… und L… und Nichte B… hinzugesellt.

Folgernd gab es immer wieder erinnerungswerte Familienfeste,
an denen auch wir teilnehmen durften als zur Familie gehörende Gäste.
Ob Taufen, Konfirmationen, Schulabschlüsse oder jährliche Geburtstage,
sie ergaben Anlässe zusammenzukommen, damit Familie sich trage.

Der viel zu frühe Abschied Ihres Ehemannes war für Sie eine Lebenszäsur.
Vom Schicksal allein gelassen zu sein, wurde schmerzlich empfunden pur.
Da zeigte sich, eine größere Familie zu haben ist doch ein Segen,
auch der Ihr Leid mittragende Freundeskreis war unterstützend zugegen.

Doch ist auch aus diesem Kreis so Mancher inzwischen gegangen,
und dieses oder jenes einschränkende Zicklein nimmt Sie gefangen.
Und Umtriebigkeit und langes Zuhören werden schneller zur Last,
sie machen müde, erzwingen von einem viel früher ’ne Rast.

Das ist doch altersgemäß und sollte Sie nicht hadern lassen und grollen.
Es ist doch die spannende Reise „der Jugend“ noch (miter)leben zu sollen.
um sie zu begleiten und berichten zu lassen, wie sich ihnen die Welt erhellt.
Man beäugt sie weise, ist dann noch mittendrin und nicht abseits gestellt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiteren positiven Lebenswillen,
um die Neugierde auf das Werden Anderer noch einige Zeit zu stillen.
Zwar ist es mit über 90 Jahren Ihr gutes Recht, Tag für Tag zu denken.
Gott möge Ihnen davon jedoch noch ganz viele schenken ... .