Lebenslaufpolitur

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Das Abitur hast jetzt gemacht,
und du auch immer schon gedacht:
Danach will ich was gutes tun,
Die Chance dazu, die hast du nun.

Bist mit Tatendrang dabei,
und die Entscheidung steht dir frei:
FSJ nach Musterplan,
Simbabwe oder Amsterdam?

Aus dem Reisekatalog?
Bist sicher nach dem Monolog,
in einer Reiseagentur:
die besten Preise gibts da nur.

Und 2 Monat Afrika,
den armen Kindern hilfst du da,
mit deinen 1000 Euro Reisekosten,
das lohnt sich für nen Guten Posten.
Denn klar gehts dir nicht um die Leute,
du witterst nur die fette Beute.

Denn:
Dein schnöder, leerer Lebenslauf,
sieht dann schon viel besser aus.
Und jetzt kannst du studieren gehn,
Und zwar, ganz klar, BWL,
Karriere möglichst steil und schnell,
geh weg, ich will dich nicht mehr sehn!

Dieses Gedicht entstand heute, nachdem ich einen etwas älteren Beitrag der ARD auf Youtube gesehen habe, indem gezeigt wurde, wie Stundent*innen sich de facto im Reisekatalog Programme aussuchen "um Hilfsbedürftigen zu helfen". Hierfür legen sie dem de facto Reiseveranstalter Massen an Geld auf den Tisch, um 2 Monate in einem Waisenhaus in Afrika o.Ä. zu "arbeiten".
Für mehr als 2 Monate ist aber keine Zeit, denn dann geht ja die Uni los! Und 2 Monate reichen ja, um den Lebenslauf aufzubessern.

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Kommentare

08. Apr 2017

Ist es ein Nachteil, seinen Lebenslauf "aufzupeppen"? Ich finde es mutig und bewundernswert wenn die jungen Leute sich trauen und was in der Richtung tun. Eine zweit Welten Ansicht kann nur bereichern.
Viele Grüße
Soléa

08. Apr 2017

Es ist falsch, mit dem Ziel zu handeln, seinen Lebenslauf aufzubessern. Mit den von mir gemeinten buchbaren "Reisen" unterstützt man hauptsächlich die Veranstalter, die mit der Armut vieler Menschen und dem Leistungsdruck der Gesellschaft (ohne dem man seinen Lebenslauf nicht aufzupeppen bräuchte), eine Menge Kohle machen und man bessert das eigne Gewissen auf. Den Menschen die Hilfe nötig hätten, nützt das absolut nicht.