Aus der Entfernung

von Marcel Strömer
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Ich wünschte, ich könnte mit dir fliehen, strecke mich mit Macht der zukünftigen Aussicht entgegen, ungeachtet dem drohenden Stillstand meines bewussten Fühlens, der einer unerwarteten Rücksichtslosigkeit meiner ungebremsten Sehnsucht geschuldet ist, die dich über Nacht zu entvölkern droht, um erneut alles denkbar Schöne und Erträumte zurückzulassen. Mit meiner schwellenden Ungeduld ist es, als hätte ein Ende ohne zu fragen den Anfang bereits gewusst, die zu beklagende Zeit zur neuen Formel erhoben. Mit Übermut säge ich an den viel zu engen Gitterstäben der Vernunft, klopfe aufmüpfig und begierig den zerfallenen Staub alter Tage auf, der wirbelt und verwischt die Spur jedweder Herkunft, als gäbe es den Triumpf der Verbissenheit. Ich wittere die Chance, noch einmal mit deinen Augen sehen zu können. Wie du den Blick geheftet hattest, in den bescheidenen Nächten, die armseligen Schattenwesen geformt, die aus Furcht geboren werden. Wie du sie in Liebe gezeugt, aus einer anderen Welt hervor zum Leben erhoben hattest, um sie später in der taumelnden Früh wieder zu verwerfen, im scheuen Licht der schleichenden Morgendämmerung. In den fallenden Schatten konnte ich keine Schatten mehr sehen. Keine Umrisse, weder an Wänden noch an Türen, die beweisend an sie gedenken sollten. Nicht einmal meine Erinnerung kann abschätzen in welcher Entfernung sie jemals zueinander standen. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mich dieser schmerzhaften Erkenntnis erneut zu entziehen, weiterhin nach den gelöschten Lichtern auszuharren und zu hungern, die einzig aus den vergänglichen Tagen entspringen, die Zeugnis sind und stille Traumbilder abbilden, scheinbar mühelos aus der undurchsichtigen Dunkelheit der finsteren Nächte transformiert, zu Quellen der ungebremsten Freude geboren werden können.

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