Schmetterling

von Dominik Philippi
Mitglied

Gerade noch verbarg sich in meinen Armen müde und sacht
des schwindenden Lebens verletzliche Pracht,
welche nun in ihrer selbst verschriebenen Hilflosigkeit,
des Todes Antlitz einen befreienden Reiz verleiht.
 
Denn rieselt durch meine Finger die Zeit, als wäre sie Sand
und so greift nach meinem Herzen jene liebliche Hand,
welche dafür sorgt, dass sich Gegensätze die Waage halten
und welche hofft, dass sich deine Flügel am Ende dennoch entfalten.
 
Denn du sollst fliegen, mein Schmetterling, fange mir den Regen,
doch verliere dich nicht auf unbekannten Wegen,
denn auch wenn meine Seele dich ständig begleitet,
heißt dies nicht, dass sich meine Hoffnung auch für dich bewahrheitet.
  
Denn obwohl ich deine Turbulenzen und deine Konflikte erkenne,
bedeutet dies nicht, dass ich diese auch beim Namen nenne
und so bleibt unsere artifizielle und sehnlichst herbeigewünschte Unendlichkeit,
nichts als ein Gedanke bei Nacht, der einsam in fremden Träumen gedeiht.
  
So glaube mir doch, ich beobachte, wie du den Horizont dekorierst
und wie du dich in den immer selben Dornenbüschen verlierst,
doch auch wenn meine schützenden Hände stetig über dir schweben,
heißt dies nicht, dass sie gekommen sind um für dich zu leben.
  
Denn hat das Gewitter deine einst so lebendigen Flügel versengt
und dafür gesorgt, dass dein Kopf in 1000 unsichtbaren Schlingen hängt
und so gleitest du nun langsam hinab, in des Brachlands brennenden Weiten,
die dich neben all deinen Leiden, auch von all deinen Freuden befreiten.
  
Und so ist jetzt der Staub, der nun ist wo du einst warst,
nichts als ein Teil von mir den du mir durch dich offenbarst
und so war der Schmetterling, der da einst flog in weiter Ferne,
vielleicht nichts als ein Hilferuf der leise weinenden Sterne.

Veröffentlicht / Quelle: 
Erschienen in "Melodien: Von Talfahrt und Gipfelsturm"

Buchempfehlung:

112 Seiten / Taschenbuch
EUR 19,80
Rechtshinweis:
Für diesen Beitrag ist eine unkommerzielle Nutzung erlaubt, alle Rechte verbleiben jedoch beim Autor/bei der Autorin.

Interne Verweise

Mehr von Dominik Philippi online lesen

Kommentare

10. Jul 2017

Dies Gedicht
bezaubert mich.
>Denn du sollst fliegen,
mein Schmetterling<.
So hör ich den Ruf
der eigenen Seele.
Und genieße
die Poesie.
Wunderschön!

LG Monika