Ein jüdisches Kind im Waggon ans Mutterherz geschmiegt

von Ephraim Kolczynski
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Dein Herzschlag wiegt so mild Gedanken,
beruhigt mehr als jedes Wort.
Ich spür den Frieden uns umranken,
dem wir das Blut im Herz verdanken
und sehn mich weg von diesem Ort.

Die Tränen brennen gleich den Kerzen,
als wüssten sie was uns bedroht.
Ich sehe nichts, vernehme Schmerzen,
ein Sinken, Husten, lautes Scherzen,
und höre flüstern: "Der ist tot."

Das Ohr vom Teddy in den Händen,
gerissen, weil man uns vertrieb,
versucht die Wärme mir zu spenden,
den Fingern ständig treues Wenden,
als spräche es: "Ich hab dich lieb!"

Versprecht mir, wenn ihr einst es findet,
das keine Asche es mehr trägt.
Ein roter Faden lieb verbindet,
was schwarz den Himmel überwindet,
der weinend an die Fenster schlägt.

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Kommentare

10. Jun 2018

Danke, Ephraim, für diese ergreifende Würdigung der Holocaust-Opfer. Dieser Text treibt mir die Tränen in die Augen. Du hast ein Gedicht geschrieben, das wichtiger ist als alle anderen - und dazu noch formvollendet schön - trotz des Schreckens, der einem beim Lesen in die Glieder fährt.

Liebe Grüße,
Annelie

10. Jun 2018

Vielen herzlichen Dank, ich bin froh das es auch in dieser schrecklichen Zeit Menschen gab die ihr Herz trotz Androhungen von Gewalt nicht erstickten, sondern Menschen versteckten und helfend zur Seite standen.

Liebe Grüße,
Ephraim