Unglaubwürdige Dichtung

von J.W. Waldeck
Mitglied

erlöste Probleme im Liebesbrei
steigt der Erwartungsdruck
dehnt sich die Wahrheit
und wirft
alten Ballast hinzu, ins Seelentief
das seichte Liebe
süchtiger Reihenfolgen vereint:
zur Klospülung
ins Vergessen zieht

zu oft benutzt, prahlt wertlos
der Heuchler Reih und Glied
berührt durch strahlenwarme Pisse
der Engelarme
armselige Kulisse
so breit wie flach
gereimtes Hülsenherz
folgt genau
dem Wörtchen Schmerz

Scheissdichter, herzzerissen
Kuschelkissen, Scheingewissen
HimmelstRost
zum Morgenrot-Kompost
Flammenzungen
die kein Feuer wärmt
Sterne, die nur feige Ferne verschont
schmalzig vorgeschwärmt

© j.waldeck 2018
Alle Rechte sind dem Autor vorbehalten!

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Interne Verweise

Kommentare

13. Sep 2018

Sehr deftig, Waldeck, aber nicht schlecht - fast ein Hank-Bukowski-Gedicht, aber wesentlich gehaltvoller ...

LG Annelie

14. Sep 2018

Bin extrem müde heute, aber bei so vielen Kommentaren wollte ich nicht
wie geplant erst in einer Woche hier vorbeischauen.
Ich habe zu dem Thema mehr geschrieben, da ich diese Schlagertextkultur
als sogenannte Lyrik nur tolerieren vermag, aber nicht schätze.

LG. Waldeck

14. Sep 2018

Du kannst es nicht wissen, aber ich bin dein größter
Fan, was deine prägnanten Kommentar-Reime anbelangen.
Natürlich bin ich auch Krause-Fan!
Ich hoffe, sie mag auch NFL American Football.
Liebesgedichte nach Algorithmen sind nur noch eine Frage
kurzer Zeit...

LG. Waldeck

13. Sep 2018

Oha, mein Herzchen blutet, dennoch ein tolles Gedicht, lieber Waldeck!
Sehr mutig! Bewundernswert!

Lieben Gruß,
Ella

14. Sep 2018

Im Schreiber-Netzwerk und Anhand der Favorisierungen des Publikums vermag
man erkennen, das die goldene Rezeptur für schwachsinnigen verlogenen Kisch
aus folgenden Wortkombinationen besteht: Liebe, Licht, Sonne, Sehnsucht, Traum, Nacht, Sterne, Himmel,
Blumen, und Sex. In nicht endenden Reimen, die schon vor 100 Jahren ausgelutscht waren
wiederholt sich das Dilemma, das Rimbaud dazu brachte, vom Tisch oben auf gewisse Dichter
zu pissen. Deswegen die unausgesprochene Analogie in diesem Gedicht.
Man muss aber sagen, man ist DANKBAR für jedes gelesene Gedicht, und sei es noch so uninspiriert,
denn ich werde das Gefühl nicht los, zur letzten Generation allgemein gebildeter und interessierter
Wesen zu gehören, die sich für Literatur noch interessieren, ohne das sie wirtschaftlich dazu
gezwungen werden.

Frueher schrieb ich noch andere Stilrichtungen, die deinen Geschmack wohl eher zusagen wurden.
Ein Beispiel ist hier zu finden, um dein blutendes Herz zu belohnen.
https://www.deviantart.com/waldeck/art/Von-Wunde-zu-Wunde-99674749

oder zu lesen:

I

dies ist das unerhörte Gebet:

schwarzer Nornenmond

dessen Schatten sich auf liebenden Augen

berühren wie gekreuzigte Friedenstauben

die ein Gelübde auf ewig verschließen

mit unseligem Feuer

welches niemals erlöschen darf

im Verlangen - zu versiegen

zerknülltes Elfenbein

auf weißer Seide ausgeblutete Eide

geschnittener Rosen

zerdrücktes Lächeln

und ein ausgeatmet Eismeer:

das Meerschaumbett

einer Windprinzessin!

Eisblumenballett

verschneit mit fernen Worten

II

wie könnte ich diesen letzten Tropfen

zitternden Seelenlichtes

dir wegtrinken

und auf Vergebung hoffen?

schenk mir dein fliederfarbenes Lächeln

erträglich gekühlt

durch einen Opiumfächer!

Träume enden in verblümten Wänden:

von Venusefeu

umklammerte Schicksale

über dem Abgrund

welcher Schönheit vergänglich weiß

dunkle magische Kraftlinien

bilden ein Mosaik dämonischer Dimension

Kreuze Gitter Existenzreligion

endlos – ohne Entfliehen

wünscht man sich zu umflorten Knien

deren schattiger Saum heiße Wangen streift

mit einem kalten sanften Nein...

III

dies ist unterschwellig!

das ist die Linie mit dem sakralen Mittelpunkt!

dies ist die verschleierte Hostie der Sünde

im blutenden Schoße eines gefallenen Engels

der seinen Heiligenschein noch trägt

lichtscheue Gralsrose

die alle Blüten bereits in der Nacht öffnet...

wann immer dein göttlicher Ausdruck tröstet

unerreichtes zu ersehnen

ertrunkenes Edenherz

in seinen erkalteten Tränen

IV

der blaue Tanzsaal einer Schwanseele

haucht sein letztes Abendmahl

auf die purpurne Hostie

deiner schweigenden Lippen...

enttarnte Schönheit

die auf bloßen Händen

vergeblich ihre Reinheit

hingibt, blindem Schänden...

von Wunde zu Wunde

von Munde zu Munde

von Blume zu Blume

durch alle Dornen getrieben

verwelkt...

für dein kurzes Lieben

© j.w.waldeck 01.06.2008
Alle Rechte sind dem Autor vorbehalten.

PS:
Wir haben drüben noch eine Diskussion offen. Ich habe es nicht vergessen.
Für mich läuft die Zeit nur anders ab.

14. Sep 2018

Oh, wie süß! Ein Trostgedicht für mich! Tja, was soll ich sagen? Ich mag's tatsächlich :)
Vielen Dank dafür!

Ja, lieber Waldeck. Ich weiß was Du meinst. Gerade wenn man sich viel mit Literatur beschäftigt, so wie Du das tust, kann man gewisse Sachen einfach nicht mehr sehen. Wie ein Lied, das man zu oft gehört hat, das einem zum Hals raushängt. Du hast mein vollstes Verständnis.

Für mich ist ein Gedicht schön, wenn es mich in irgend einer Form berührt, eigentlich wie ein Lied, das ich zum ersten mal höre, das mir gefällt.

Nun, irgendwie müssen wir, mit den unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen, koexistieren können.
Findest Du nicht auch?

Lieben Gruß,
Ella

20. Sep 2018

Die sich im Licht als die GUTEN wähnen und darum alle anderen in die Lüge drängen,
sind durch ihr religiöses Dogma niemals imstande, Vielfalt zu dulden und zu offenbaren.
Wie Brecht es einst schrieb. Wenige Ausbeuter sonnen sich im Licht, indes die Anderen
im Dunklen rechtlos darben.
Die Dunkelheit, die Tiefe der Seele, im Gegensatz zum Licht der seichten Oberflächen,
welche den Schmerz empfindsam Begabter durch ihr einhelliges vorgegebenes Verhalten verdunkeln,
deren Stimme ich mir zu Herzen nahm, sie gegen die selbsternannten Krieger des Lichts zu Felde zu führen,
wo ihre Lichtung nichts übrig lässt als einhelligen Einheitsbrei, dominiert durch das Vorbild
jener Gottheit, die von vereinnahmten Seelen lebt, wenn wir schon von schwarzen Löcher
sprechen, die hinters Licht führen...
Zu oft hat der Glaube des Lichts die Erde verwüstet und die edlen heidnischen Kulturen
und die Natur zerstört, denn JHWE, den sie den einen Gott nennen, vermag nur im Licht
existieren, das nur entsteht, wenn die Sterne erlöschen und innig sich verzehren...
Das Licht und seine Symbolik als das Gute ist streng mit diesen organisierten Weltsekten
verbunden.
Dabei ist das sichtbare Licht die primitivste von allen universellen Frequenzen,
welche im unsichtbaren Bereich wirksam sind.
Und ja, Koexistenz ist dann möglich, wenn man atmen kann. Ich kann zwischen den ganzen
planetar vollgespickten Tempeln der Lichtleeren nicht atmen. Überall erklingen die Glocken
der Schafe und der Mitläufer, die eine Endzeit in der Herrschaft gewisser Herren wollen,
ins siegreiche Heil Eintritt zu erlangen, das ein Ver...Führer ihnen wies.
Sicher ist, das für mich dies kein Licht der Erkenntnis darstellt, sondern ein Irrlicht
der Schlusslichter. Und ich weiß, das dem Geist eine kosmische Evolution bevorsteht,
wenn er an sich arbeitet, statt sich auf die Konzepte jener zu verlassen, die
absoluten Stillstand befehlen. Was an sich ein absolut würdeloses Dasein verkörpert.

So in etwa ist dies mit der spirituellen Eigenposition.

Lieben Gruß zurück!
Waldeck

14. Sep 2018

Ich habe es zu schnell geschrieben.
Das Konzept hieß, das Liebe so abgenutzt wie eine Klospülung wirkt,
die dafür sorgt, das die Altlasten und Reste und Haufen niemals
zu groß scheinen. Dies ist wohl mit im Eifer des Gefechts untergegangen.

Danke Dir!
Wenn du Bahn und Bus fährst, dann erscheint dieses Gedicht
sprachlich nicht mehr heftig in der heutigen Zeit. Seufz.

13. Sep 2018

Starke Sprache, starke Bilder, starker Waldeck!
Aber es gibt auch starke, innige Liebe und ihre bleibenden Gesänge.
Lass dich herzlich von ihr grüßen und
LG von Uwe

14. Sep 2018

Man soll nur dann von etwas schönem singen, wenn man es auch erlebt.
Wo es einen betrügt, mag es wohl weniger süß klingen...

Danke aufrichtigst für die Wertschätzung!

Waldeck

14. Sep 2018

Hallo Waldeck, ja, es gibt sie, die die nur von Liebe schreiben und dieses Wort überstrapazieren, es der Inflation anheim fallen lassen und es damit entwerten. Denn viele meinen nur die sogenannte "romantische" Liebe zwischen Mann und Frau, verwechseln es nicht selten mit hormonell bedingten Regungen. Und sie ketten Liebe an Symbole wie rote Rosen, Pralinen und Geld Geld Geld bzw. Geschenke, Geschenke, Geschenke, billige Komplimente usw.
Und viele der großen pompösen "Liebesheiraten" enden daher so rein gar nicht liebevoll im Rosenkrieg.
Liebe ist sehr viel mehr: einem fremden Menschen helfen, die Umwelt schützen, fairen Handel treiben, Kinder und ihre Belange ernst nehmen, Kinder sacht leiten ohne Druck um ihrerselbst Willen, zueinander stehen egal in welcher schlimmen Situation usw . Aber, was rede ich, das weißt du und die meisten anderen selbst.
So gesehen betrachte ich den Liebes-Kitsch und was darüber geschrieben und verfilmt wird, auch sehr kritisch. So ein Werk wie du hätte ich jedoch nie schreiben können. Ich finde es sehr gut und sehr ehrlich und toll formuliert mit starken Bildern - aber das sagte auch Uwe bereits
Liebe Grüße
Anouk

14. Sep 2018

Dein langer Kommentar ehrt mich. Es gibt zu den Antworten weiter oben wenig noch,
was ich hinzufügen vermag. Ich habe ein Problem mit naheliegenden uninspirierten Reimen,
mit verbrauchten Gedanken und Satzbauten aber auch mit seelenlos zusammengeflickten
Wortfetzen,die sich heute als abstrakt schimpfen oder gar avantgardistisch, wenn sie
aus zufällig zusammen gestellten Wortschnipseln aus Zeitungen geschnitten, einen Unsinn ergeben, der dann
INTERPRETIERT wird ohne das er jemals etwas bewirkt als sofort verdrängt oder vergessen zu werden.
Mein sogenanntes Werk entstand aus einem Problem, das ich mit der Kunst habe und mit
den meisten Künstlern, die ich als korrupt oder scheinheilig ansehe, die auch nicht besser
sind als das Gros anderer Bereiche. Oft werden sie von bestimmten Interessen instrumentalisiert
und dafür dementsprechend belohnt. Als Strafe enden sie dann in Schulbüchern... zum auswendig lernen.
Ich sehe aber, was das Publikum am meisten schätzt und betrachtet man die Sprache
sogenannter Bestseller, merkt man, wie sich die Autoren immer mehr dem sinkenden Sprachvermögen
einer verdummenden Gesellschaft anpassen. Ich will nicht abgehobenes Zeug, welches nur
in Sprachformalitäten endet. Aber etwas hinüberretten, jenseits des Alltags, das sollte
wahre Kunst schon können...

Hab ein schönes Wochenende!

LG. Waldeck