"Ich sage Dir die Wahrheit!"

von Willi Grigor
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Nachruf für einen Stillen, Feinen

Nun ist sein Leib verblichen,
das Leid von ihm gewichen,
das spät erst zu ihm kam.

Er nahm's wie's kam, das Leben.
Es hat ihm viel gegeben,
doch vieles ihm auch nahm.

Es gab ihm Krieg, Verluste,
als Junger er schon wusste:
Es macht das, was es will.

Es nahm ihm seine Heimat,
gab dann ihm eine Heimstatt,
die nie mehr er verließ.

Es gab ihm Frau, zwei Buben,
die ihn durchs Leben trugen,
ein Warmwind auf ihn blies.

Jetzt hat es ihn verlassen,
sein langes, gutes Leben -
Gott hat ihn sterben lassen
so wie er lebte: still.

***
"Willi, sag die Wahrheit!"
ermahntest Du mich, Onkel.
Ich war noch ziemlich klein
und sagte brav: "Die Wahrheit".
Dies fiel mir oftmals ein.
Dein Scherz war immer freundlich,
nie böse und gemein.
Dein Herz war immer offen
und ließ die Freud' hinein.
Du warst mein liebster Onkel,
ein kluger, weiser Mann,
der wusste, dass man Worte
auch leise sagen kann.
Du gabst mir, einem Jungmann,
im Braunen Hirsch den Rat:
"Geh mit Bedacht nach vorne
und halt den Rücken grad."

Die Wahrheit ist, mein Onkel:
"Du warst mein stiller Held!
Du warst ein Mensch, ein feiner,
der keinen Anspruch stellt'.
Du warst im Herz ein Reiner
und auch ganz gern ein >Kleiner<.
Du warst nicht irgendeiner -
grad deshalb warst Du groß!

Ich sage Dir die Wahrheit!"

***
Doch gibt es eine Wahrheit
von einer Dimension,
die größer ist als alles
und weiter als die Zeit.
Das kurze Erdenleben,
es kommt und schnell verrinnt,
Ein neues, andres Dasein
weit hinter allen Fernen
und unzählbaren Sternen
für dich, Jakob, beginnt -
im Land der Ewigkeit.

© Willi Grigor, 2020
Aus dem Leben

© Willi Grigor, 2020
Aus dem Leben

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Kommentare

19. Jul 2020

Ein liebevoller, wunderbarer Nachruf, lieber Willi, sei herzlich gegrüßt -

Marie