Das kleine Irrlicht - Ein Gothic Märchen

von Ventus Bitterblossom
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Tief im Morast schwebt schwach leuchtend und klein,
Ein Irrlicht, es taumelt und fällt fast hinein.
Es ist geschwächt denn es hungert gar sehr
nach einer Seele - und vielleicht auch nach mehr.

Es würde gern jagen, doch weiß es nicht wie,
gezeigt wie es geht wurd’ es ihm schließlich nie.
Hat es doch keine Freunde und ist oft allein,
die andern im Sumpf sind zu ihm oft gemein.

Denn das Irrlicht ist schlecht und der Zorn nur gerecht,
den die anderen auf ihn haben.
Denn sein Licht ziemt sich nicht da es sticht das Irrlicht,
es hat leider die falschen Farben.

Wäre es grün, blau oder gar rot,
lockte es manchen in den Tod.
Doch Türkis, Eisblau und Flieder,
sind Menschen scheinbar oft zuwider.

So sitzt es einsam, hungrig, flackernd,
tief in einem hohlen Baum.
Die Roten lachen höhnisch gackernd,
die Blauen wollen es verhauen.

Den Grünen ist es schnurz egal,
sie picken meistens nur nach Resten.
Die Gelben sie sind eine Qual,
geben Poesie zum Besten.

Eines Tages begibt sich eine Gestalt in den Wald
und läuft gradewegs auf den Baumstamm zu.
Ihre Haare verklebt und ihr Blick eisig kalt,
irgend etwas in ihr lässt ihr Nachts keine Ruh.

„Ob diese Frau sich wohl verlaufen hat?“,
das Irrlicht es hofft doch es zweifelt auch sehr.
Wird sie doch sicher zu seiner statt,
die anderen mästen gehen noch mehr.

Seine Kraft ist sehr schwach und es gibt einfach auf,
sinkt noch tiefer in Baumes Schlund,
lässt den Dingen einfach natürlichen Lauf,
Da gibt die jüngst Verschmähte Kund:

„Irrlicht ich seh dich, bin gekommen zu dir,
ich bitte dich, du musst mich richten.
So tu doch diesen Gefallen mir,
Raub mir die Liebe, du musst sie vernichten.“

Das Wesen es zuckt und es wirkt fast verstört,
Will dieser Mensch gefressen werden?
Es hatte sich sicher überhört,
sie würde sich schließlich nicht selbst gefährden.

Doch sie greift in den Stamm,
und sie zieht es ans Licht,
in die Welt raus zu ihr, welch ein Graus.

„Irrlicht, ich weiß es,
ich fürchte dich nicht,
tu es, beiß zu, ich halt´s aus.“

Das kleine Licht nickt und es stellt keine Fragen,
es würde sich einmal versuchen.
Doch es weiß nicht wohin und hat Angst zu versagen,
die junge Frau beginnt zu fluchen.

Sie drückt es an ihren bleichen Hals,
und das kleine Irrlicht versteht.
Der Geist er schmeckt Metalle und Salz,
und die Erinnerung vergeht.

Mit einem Ruck ist es vorbei
und sie lässt es wieder fliegen,
„Danke dir, ich hab ́s gebraucht,
ich habe endlich meinen Frieden."

Der Magen des Irrlichts war ab nun nie mehr leer,
weiß ab jetzt wie man bekommt zu Essen.
Und die Frau träumt vom Morde nimmer mehr,
sie hat den Betrug ihres Liebsten vergessen.

Alle Rechte liegen bei mir.

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