Gedanken eines Baumes

von Jürgen Skupniewski-Fernandez
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Ich bin nur ein Baum unter den Grazien aller Leichtigkeit und Flüchtigkeit,
doch kenne ich meine Wurzeln tief dem Erdreich verbunden.

Das Graziöse tanzt in seiner Leichtigkeit, flirrt und schwebt periodisch über
Felder, Wälder, Seen, durch Lüfte.

Ich bin nur ein Baum, rau – mal knorrig, mal biestig, kann selbst Jahrhunderte
überblicken, meine Blätter mit Winden auf Reisen schicken.

Samen der Grazien gereifter Blütenkelche kichern überheblich im Sonnenlichte:
Ach seht nur diese Bäume ohne Verve, klobig und träge, ihre Früchte fallen nicht
weit vom Stamm, fürwahr am Sprichwort ist vieles dran.

Ich bin nur ein Baum im Sonnenlichte, umwinden mich Rinden, umklammern mich Borken,
und doch lebt in mir der Welten Stolz und meine Ringe bergen der Menschheit Geschichte.

Die Grazien zerfallen, zerbrechen zu Staub ihren Hochmut fasst der Sänger, Poet in Gedichten.
Mein Schicksal liegt oft in Menschenhand, doch hat der Mensch auch meine Kraft erkannt
und sieht mich im neuen Lichte.

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Kommentare

15. Jun 2019

Ein kluger Baum hier zu uns spricht,
In einem wunderbar Gedicht! :)

Liebe Grüße
Ella

16. Jun 2019

Bäume flüstern uns irgendwie immer ein Geheimnis und man fragt sich, was sie so alles unter ihren ausladenden Zweigen so erlebt haben.
LG Jürgen

15. Jun 2019

...verwurzelt in der Erde und beinah in den Himmel ragend, sturmerprobt und Schutz und Schatten spendend, unter ihrem Blätterdach wurde Recht gesprochen, in ihre Rinden Herzen geritzt.Faszination Baum.
Gefällt mir gut, Dein lyrisches Werk aus der Sicht des Baumes.
Herzliche Grüße
Ingeborg

17. Jun 2019

Ob in der Antike die Musen zwischen den Zweigen raschelten oder die Germanen eine Reinkarnation ihrer Gottheit verstanden, in Asien der Banyan Tree von Gebeten umringt und geschmückt wird und der Frangipani seine Blüten dem Buddha spendet, der Baum als solcher stand und steht seit Menschengedenken bei vielen Völkern im Mittelpunkt ihrer Religionen.
Viele Grüße

Jürgen