Requiem für eine amerikanische Esche

Bild von Frank Wartner
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Wo war ich,
als sie dich krätzten, dir deine
haut in stücke fetzten, und dich vor
aller augen schwer verletzten,
bis späne deinen stumpf umkränzten?

wo war ich,
als kettensägen deinen leib zersägten,
in scheiben deine würde legten,
dein antlitz von der erde fegten
im hinterhof, verruchte tat?

wo wird dein kühler schatten
bleiben, grüner baldachin, die matten,
die mich einst beschirmten,
die zweige, die sich haushoch türmten,
wie arme zum balkon sich reckten?

du schweigst und bist gewesen
der elstern tauben tummelplatz,
die kinderstube für den spatz,
die jahreszeit ließ sich erlesen
aus knospen, sprossen und dem laub

du musstest weichen, standst im Wege
es bleibt die hoffnung, die ich hege,
dass mein stamm nicht enden möge,
wie der deine, in nichts und staub.

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