Grau ist keine Farbe

von Sarah Schwan
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Grau.
Und wieder mal ist alles leer in meinem Herz.
In meinem Kopf aber
tausende graue Nachtkatzengedanken.
Nachts sind all meine Gedanken gleich schwer,
legen sich wie Beton um meine Brust und drücken
fest und fester zu.

An einem helleren Tage erzählte mir eine alte Frau am Strand,
dass ein Vater einst seinen Sohn im nassen Sand
eingegraben und nicht mehr befreien konnte und man
den Jungen erst aus dem Sand geborgen hatte,
als dessen Atem nicht mehr fließen,
sein Herz nicht mehr schlagen wollte
und selbst der Wellen stetiges Rauschen
nur noch Stille war.

An einem anderen helleren Tage
Saß ich selbst am Meer.
Das Meer war blau, der Himmel strahlend weiß,
der Sand ockergelb und das Grün des Grases
schimmerte immerhin noch hier und da
durch sonnenverblichenes Beige hervor.
Ich wusste kaum wie mir geschieht,
vor lauter Helligkeit und Wärme
schienen meine Augen mich zu trügen, denn
Farben! –
ich hab sie kaum erkannt,
hatte sie so lange nicht mehr gesehen.

Ein Windhauch.
Ein kalter Schauer.
Die Ebbe hinterließ dunklen Schlick
und trübe Rinnsale stinkenden Wassers
flossen langsam ins Meer und in meinen Kopf.
Die düsteren Rinnsalwassergedanken,
Farbenvermischend, bis nichts bleibt als leeres
Grau.

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