Hymne an die Stille

von Heiner Brückner
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Du beruhigende Stille,
schweige dich aus.
Deine Stummheit ruft
aus dem Lärmberg zu mir,
unter dem deine Stimme verschüttet liegt.

In der Scherbe des Tonkruges knistert
die erhärtende Hitze des Brennofens,
rauscht das Schaben der formenden Hände,
schnarrt die Scheibe, die klackernd sich dreht
und dreht und leiernd surrt.

Der helle Schlag des Schmiedehammers klingt
aus der Kuppa des goldenen Kelches,
wie aus der leeren Muschel das ferne Meer
in meinem Ohr rauscht.

Doch bevor ich dich hörte, Stille,
habe ich dich gefühlt beim Stillen meiner Mutter,
im Summen des Schlummerliedes,
habe dich erspürt in ihrem Pulsschlag,
der deinen Rhythmus in mich pochte.

Deine Sprache, Stille,
habe ich im Herzen der Mutter gelernt:
Du sprichst Worte der Harmonie,
des Gleichklangs und Nachhalls.

Ich höre dich länger im Nachklang der Triangel
als im dumpfen Schlag der Pauke,
der abrupt abstirbt.

Du erweckst mich,
wenn mein Gehör vom Lärm gelähmt wurde,
steigst in mir auf, wenn die Laute verflogen ist.

Dein Lob will ich leise summen, Stille,
damit meine Laute dich nicht verscheuchen.
Stimmen ist mein Summen, Stille.
Stille Stimmen – still.

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