Der Ruf des Kranichs

von Jürgen Skupniewski-Fernandez
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Der Flug des Kranichs
in nördlich, östlichen Klimazonen,
ist des Kranichs Heimatrevier,
auf wilden Wiesen bunter Blumen,
geschont bewacht von Wäldern,
des Kranichs sommerliches Quatier.

Im Frühjahr, wenn des Winters
weisse Reste auf den weiten Auen tauen,
kommt er von langer Reise aus fernem Süden,
bereit zum Balze, in Frühlingslust getauchter,

spriessender Natur, springt er von links nach rechts,
von rechts nach links zum Walze‘,
Symphonien aus Gottes innerer Uhr.

Im Herbst verblasster Sonnentage,
trifft sich auf feucht, schlafendem Grün,
die graue Kranichschar, berät die Route
hin zum Süden, wie schon vor vielen hundert Jahr‘.

Der erste Fügelschlag erhebt sich, hinauf
zum blauen weiten Raum. Schon hat ein
jedes Vogeltier sich eine Position gereiht.
Ein Schwall von Rufen erfasst Besitze,

füllt die klaren Sphären, der Weiseste
führt des Zuges Spitze, auf hin zu neuen
Ufern und Feldern gestoppelter Ähren.

Der Sommer hat sich ausgestreckt,
der bunte Herbstkuss ihn versteckt,
bis das ihn des Winters kalte Pracht,
im weissen Zauber zugedeckt.

Tief im schwarzen Erdenreich,
schlummernd wartet neues Leben,
das im Frühjahr aufgeschreckt,
vom Ruf des Kranichs aufgeweckt,
zum blauen Himmel streben.

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Kommentare

19. Sep 2017

Lieber Jürgen, sehr gelungen.... du nimmst mich mit im Jahresrund, den Kranichen zu lauschen. Gemeinsam auf herbstbunter Reise, der kalten Winterpracht entflogen , kehren sie im ersten Maiglöckchenläuten zurück in ihrer filigranen, aufgereckten Eleganz zu uns .... Danke!

Dir eine gute Nacht gewünscht

Barbara

20. Sep 2017

Guten Tag liebe Barbara,

Vögel sind von Kindesbeinen an schon immer meine Lieblingstiere gewesen. Sobald ich im Frühherbst die Rufe der Zugvögel vernahm, schaute ich zu ihnen hinauf und träumte von exotischen Ländern. Heute lebe ich diese Träume und arbeite seit vielen
Jahren im südlichen Ausland. Aber der Charme eines Vogelzuges fazieniert mich immer noch.

Ich wünsche dir einen schönen herbstlichen Tag.

Viele Grüsse

Jürgen

20. Sep 2017

Dies Kranichgedicht bezaubert mich. Lässt meinen Geist mit den Vögeln ziehen und hoffen, sie erreichen ihr Ziel auch weiterhin. Danke!

LG Monika

20. Sep 2017

Danke Monika! An diesem Kranichgedicht ist Goethe schuld. Aus Faust I, 1790 - Abendsonne; wurde hier vor kurzem im Forum veröffentlicht; da war es der letzte Satz: Der Kranich nach der Heimat strebt.

Viele Vögel bleiben ja neuerdings auf der Strecke. Ihre Rastplätze verschwinden mehr und mehr. Bedauerlicherweise.

Beste Grüsse

Jürgen

20. Sep 2017

Der Kranich, dessen besondere Flugformationen
ich stets gebannt am Himmel verfolge -
er hat dein bewunderndes Gedicht verdient.

Liebe Grüße - Marie

20. Sep 2017

Grüsse dich Marie! Ja,es stimmt - einen Zug der Kraniche am Himmel zu beobachten hat was. Immer schwingt eine Sehnsucht mit.
Ein fazinierendes Schauspiel wofür man sich gerne auch mal den Hals verdreht ( ist mir mal passiert :-))

Herbstliche Grüsse

Jürgen