Der Bettler

von Ephraim Kolczynski
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Beachte ihn dort, wo er stark
die Hand zum Herzen streckt,
verbrüdert mit dem reinsten Mark.
auf dass dich nichts befleckt.

Er will nur eine Spende dein,
doch die mit ganzem Sinn,
lass nie das Böse in dir ein
und reich ihm Treue hin.

So oft bist du an ihm vorbei,
zerissen wie ein Tier,
verdrängtest seinen Hungerschrei
und folgtest fremder Gier.

Er lehnt noch immer an der Wand
und klopft verlacht am Blut,
erbarme dich der tiefen Hand
und bleibe auf der Hut.

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Interne Verweise

Kommentare

22. Jan 2019

Sehr, sehr gut, Ephraim, ausgesprochen nachdenkenswert, leicht zwiespältig ... und ich bin geneigt, mein fast immer unvoreingenommenes Verhalten zu überdenken. Es gibt da ein Gedicht von Theodor Kramer ... , der übrigens fantastisch gute Gedichte geschrieben hat; es handelt von einem furchtbaren Unglück, das einem widerfahren kann, sofern man jemand hungrig von der Schwelle jagt. Ich habe den Text leider nicht mehr gefunden. Damals, als Kramer es schrieb, herrschten ja noch schlimme Zustände.

LG Annelie

22. Jan 2019

Vielen Dank liebe Annelie, der von mir erwähnte Bettler ist im großen und ganzen das Gewissen oder aber das verdrängte Gute :)

Liebe Grüße von mir