I am buried alive in the blues (Janis Joplin)

von Wolfgang Tietze
Mitglied

…Esto!
…Ein Lied, ein Haiku, ein Bild, ein Grashalm und ein Blütenblatt,
five leaves left, ein Hauch von Levkojen.

Ich lese die Worte und zeichne die Schatten
auf Poussins zwei Sarkophagen
und unter den Arkaden des Hauses der Technik
inmitten der Wüste meiner Nachkriegsstadt
rufe ich, irgendwen vielleicht aufmunternd:
„Et in Arcadia non ego“!

Ich gehe, smartphoneverstöpselt,
bildloses Bild, primordial, unhörbarer Ton
hinter und vor allem,
weder Metonymie noch Metapher,
weder Erscheinung noch Spiegel-
who made this puzzling game,
die Stones und ich empfinde
immer noch keine Sympathie für den Teufel.

…mein Herr heißt Kinbote und mein Sklave Shade,
ich selbst nenne mich Kingbot - wahrlich eine Riesenbiene-
und fliege ich nicht und sammle Nektar für Zarathustra und Zeus,
schlafe ich im wahren Azur, besuche eine leere Muranoglas-Vase,
hinwegträumend den aufgespießten Seelenvogel,
die Schmetterlingspuppen, gespießt auf
Damien Hirst-Leinwände in der Londoner Tate Gallery,
ein ewiger Wu-Schrei der Nacht jenseits und des mörderischen Tages
geschlüpft schwirrender, tausender Flügel und flanierender Besucher.

Dann, bin ich draußen erwacht, bilde ich Figuren in den Blumen und der Luft,
„different colours, made of tears“
auf einer imaginalen Arkasideninsel, den moosbewachsenen Felsen
und den lichten Wolkenschatten in den Tälern eines Südsee-Paradieses
ich bin es nicht, die hetzelehrende, „keulerlegende Tochter des Arkasiden Iasos“
erinnere ich nicht,
blöde, „anmutig“, stark, betörend-männliche „Jungfrau“,
brachte sie den Sieg nach Arkadien, so hörte ich,
aber ich bin der Imago des geborenen Zweiten verwandt,
der den ersten umkreist zwischen Virtualität, Seele und Kosmos,
honigträchtigen Quantenfeldern, Nukliden und Plasma.

Esto!
Et in arcadia ego, Vater Zeit, sagt Dementia, an ihre graue Todes-Säule gekettet
oder in ihre vergessenen Kolumnen befreit, wer weiß das schon,
Paranoia und nietzscheanisch zurückbrüllender Abgrund, gewesend,
„No mercy, sweet Jesus, for turbulent Indigo“, singe ich mit Joni Mitchell in den Earphones
setze mich in ein Café und rühre Kakaospiralen in den Schaum,
aufgeschlagen das Hsin-hsin-Minh,
„die Einprägung des Vertrauens auf den Geist“,
ich lese es bis zum Ende: „Worte gesprochen, den Weg beendet,
kein Kommen, kein Gehen mehr.“

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