Rosen

von Alfred Mertens
Mitglied

Wir leben mit Buchstaben, Formeln und Ziffern.
Wir zählen die Zeit. Wir rechnen voraus.
Aber der Rosen sich öffnende Chiffern,
Sind uns Geheimnis. Wir deuten´s nicht aus.

Wir wissen den Sinn nicht der Schönheit, des Lebens,
ihr Dasein ist Mitte. Wir stehen am Rand.
Wir strecken die Hände. Wir tun es vergebens,
Vergebens bemühen wir Geist und Verstand.

Wir spüren ihr Duften. Für welchen Empfänger?
Wen meint der Betörende ihres Geruchs?
Wenn wir vermuten, schliessen sich strenger
Die Hieroglyphen des schönen Buchs.

Wem gilt die Farbe, das Gelbe das Rote?
Wer wird verführt, wenn das Blatt sich entrollt?
Wer, wenn es welkt, betrauert das Tote?
Was hat das Blühen, das Duften gewollt?

Wir, mit den Buchstaben, Formeln und Zahlen,
Meinen zu wissen und wissen doch nicht.
Manchmal, vereinzelt, zu seltenen Malen,
Spüren wir Schöpfung im Rosengesicht.

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