Die Flüchtlinge kommen

von Marcel Strömer
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Die Flüchtlinge kommen
am hellichten Tag,
in unsere Stadt, Sudenburger Straße
nicht ins Schlaraffenland

Steigen erschöpft aus einem Bus,
ein Stück Heimat unter der Schuhsohle
heimwehgeplagt lächelnd
grüßen die tiefgefrorene Gesichter

Schlaflos, zirkeln fremde Augen im Kreis
immerhin, froh noch zu leben
übersehen die neue Farbgebung
frischgestrichen das Flüchtlingsheim

Das Waschbecken, der Spindschrank,
die leeren Zimmer gleichen sich
selbst im Schlaf vergessend
jetzt ist keine Zeit für Innenschau

Die Angst treibt und bleibt
die Qual vor Tod und Verfolgung
die Furcht vor Entdeckung
die Erinnerung steckt im Blut

Jede Flucht, eine zuviel
der Schmerz erkennt, weint Steine
weit kernentrückt im Neubeginn
mit dem Iphone bewaffnet

Perspektive ohne Grenzen
die Übergangslösung klingt gut
unbearbeitet klaffen da Wunden
innerlich, unsichtbar, nachhaltig

Warum auch, die neue Angst wartet
auflauernd in Sanktion oder Abschiebung
unterbindet Rebellion gegen Regeln
führt gesammelte Wut zu Grimm

Die Spatzen pfeifen gekonnt ihr Lied
vom Strommast über Dächer
von Dur zu Moll im Unterton
Ein Stück Heimat ist überall

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