Begräbnis eines Spielmanns

Bild von Willi Grigor
Mitglied

Noch bevor der neue Tag sich zeigt am Himmelmora-Kamm,
man von Berga By den Toten trägt hinaus.
Über Blumenhügel schreitet still der Trauerzug voran,
unter morgenkaltem, grauem Himmelshaus.
Schwere Stiefel über Rosen steigen, leuchtend hell und rot,
schwere Häupter tief sich neigen im Gebet.
Aus des Ödlands schwerer Not man den Träumer trägt, der tot,
über Gras, das unter'm Tau grün leuchtend steht.

Er war andersartig, einsam, sagen Männer ganz in Schwarz,
und oft fehlte ihm das Nachtquartier, das Brot. -
Seht, ein König, sagen Rosen, eh' ein Tritt sie drückt auf Quarz,
seht, ein König und ein Träumer, er ist tot!
Langer Weg, so sagt ein Träger, scheinbar viele Meilen weit,
und je mehr sie steigt die Sonn', je mehr ich darb'.
Langsam gehen, sachte reden, rauscht die Tanne, singt die Weid',
und vielleicht war's eine Blume, die verstarb.

Als der schwarz gedeckte Sarg schwankt durch den frühlingsgrünen Wald,
geht ein Schweigen durch den morgenwachen Hang,
und es stockt der Wind vom Westen, um zu hören wer so kalt
auf die Rosen trampelt hart mit schwerem Gang.
Es ist Olle nur, der Spielmann, rauscht die Föhre, singt die Tann',
er beendete die obdachlose Zeit. -
Das war lustig, sagt der Wind sacht, wenn ich wäre ein Orkan,
würd' ich spielend ihn begleiten lange, weit!

Über Heide, gelben Mooren schaukelt totes Leichgebein,
schaukelt mühsam durch des Waldes stille Band.
Wenn der Abend kühlt erfrischend sowohl Preiselbeer und Stein,
hört man Fußgestampf im Himmelmora-Sand.
Es sind Schritte von vier Männern, die zurück nach Hause gehn,
und sie neigen ihre Häupter im Gebet.
Doch in tiefen, groben Spuren werden Rosen totgedrückt,
in der Au, das unter'm Tau grün leuchtend steht.

Er ist fort, sagen die Männer, seine Mutter tut sich schwer,
in dem Armenhaus von Torberga sie weint. -
Warum tritt man uns mit Füßen, warum quält man uns so sehr?
jammern Rosen leis in ihrem Schmerz vereint.
Schnitter Tod war es, beim Tanzen durch den Himmelmora-Sand,
säuseln Disteln auf dem kleebedeckten Rain.
Er zerdrückte euch im Dreck mit seinen alten, groben Schuh'n,
da er tanzte mit des Spielmannes Gebein.

Über Wiesen, grauen Häusern flieht die Nacht, man hört sie nicht,
bleiche Sterne blinken sparsam von dem Dom.
Durch die Heide, Richtung Westen nah am Weiher geht ein Licht,
geht ein Lied über den seeros'freien Schlamm.
Und der Sturm singt leis schwarz und weiß, und im Schaum um Härnaön
singen Wellen von des Ödlands schwere Not.
Über schwarzem, argem Wasser spielt die Nacht auf zum Gebet,
denn ein Spielmann und ein Träumer ist nun tot.

© Willi Grigor, 2016
Übersetzung von "Jag väntar" des schwedischen Dichters Dan Andersson (1888-1920)

Himmelmora, Berga By, Torberga, Härnaön sind Ortsnamen (nicht unbedingt tatsächliche) im mittleren Schweden.

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

31. Aug 2020

Hab Dank für zwei sehr schöne Zeilen!
(Ich finde solche auch - bisweilen.)

LG
Willi

01. Sep 2020

Eindrucksvolle Worte & Bilder, starke Stimmung,
danke für die Übersetzung, lieber Willi!

Liebe Grüße, Monika

01. Sep 2020

Ich danke Dir, liebe Monika - weil Du sie gelesen hast.
Und ich freue mich, dass sie Dir etwas gegeben hat.

Freundliche Grüße
Willi