Wahre Menschenliebe

Bild von Philo Sophia
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In der Kunst heißt es so schön, wenn die Betrachter in ihrem Auge das Gemälde sehen: „Ich sehe es so und so und du?“ Und der andere sagt mit betont wichtiger Stimme: „Ich sehe es so und so.“ Feststellend, dass beide die gleichbleibende Sache meinen, aber nicht in ihren Meinungen vereinen wird dann anerkennend und weitergehend hinzugefügt: „Es ist eben Kunst.“ Frieden. Dann frage ich mich, warum kann denn nicht das Leben selbst ein Kunstwerk sein, indem es möglich und natürlich erscheint, dass sich nicht alle einig sind. Ja, dass sogar zwei Menschen, die sich lieben nicht einig sind und sich trotz dessen immer noch lieben.

Etwas, dass ich nicht verstehe, und das ist nur eine von mehreren Dingen, die mir so beigebracht worden waren, ist die Meinung, es gäbe eine universelle falsche und richtige Bahn. Vielleicht gibt es ja auch zwei richtige und eine falsche. Also, worauf kommt es dabei an, wenn ich den Witz von eben verbann? Jeder hat da so seine Ziele. Vielleicht bewusst und selbst wenn nicht, ist da meistens auch ein verstecktes Ziel in Sicht, aber es ist von Grund auf erlaubt. Der eine will eben sein Image pflegen, als Chaot im Zimmer leben und mehrere Frauen lieben. Da ist es hilfreich und absolut das Richtige nicht aufzuräumen, sich ein paar Statussymbole zu schnappen und ein paar ausgewählten Ladys schöne Augen zu machen. Wäre statt xy jetzt yx die Person und diese möchte auf den englischen Thron ist das genau die falsche Nummer und bereitet dem einen Freude, dem anderen Kummer. So ist es doch mit allem, wenn wir mal ehrlich sind, nur wir sind es, die nicht in der Lage sind, genau das hinzunehmen, zu respektieren und uns trotzdem weiter liebevoll zu sehen und zu berühren. Nein, es wird beschuldigt und auf die eigene Perspektive gepocht, denn es gibt nur ein richtiges Bild, was in diesem Hause hängen darf. Es wird fast persönlich genommen, dass der andere seiner ehrlichen und wertvollen Perspektive Ausdruck gab. Etwas in meinen Augen so wertvolles von sich eröffnen mag. Sätze fallen wie: „Du bist falsch.“ und: „Du bist dumm, wenn du das sagst.“ Von der Wahrheit des anderen wollen wir dann nur etwas wissen, wenn sie mit unserer in Übereinstimmung kam. Das es jeglichen Mut zur Wahrheit nimmt, wird nicht gesehen, denn diese kommt immer dann, wenn alle wissen, es kommt nicht darauf an. Ich gebe dir eben auch so meine Hand, wenn wir uns nicht einig sind und ich will dass du weißt wie schön ich es finde, dass wir zusammen Unterschiede vereinen. Das es genau das ist, was ich an dir liebe und wovon ich genervt bin und gleichzeitig profitiere. Möchte, dass du weißt wie sehr ich es liebe, wenn du dich mir zeigst, egal ob es in Tränen getränkte Augen oder ein freudiges Lächeln verheißt. Das ist für mich wahre Menschenliebe, eine die gibt, respektiert und das Kunstwerk mit all den Interpretationen des Künstlers sieht, und es trotz allem oder vielleicht gerade deswegen liebt. Was für eine schöne Welt es wäre in der wir lebten, wenn dies die Perspektive ist, die wir uns gegenseitig geben.

Der Wille des Betrachters steht nicht über dem Willen des Kunstwerkes, welches sich so gut es geht in seiner vollsten Pracht mit all seinen Zielen und Wirkungen zu verwirklichen versucht in dem Augenblick, in dem Auge und Auge sich treffen und eine Realität bilden, eine die vielleicht verhandelbar ist, aber nicht absolut. Eine Realität, die beiden dienen soll für das, was sie sind und werden wollen ist eine erstrebenswerte Grundlage.

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