Wintergedichte ✓ Gedichte über den Winter

Bild von Tannen im Winter

Der Winter mit all seiner Schönheit, aber bisweilen auch mit seinem Schrecken, eingefangen in klassischen und modernen Gedichten.

"Wintergedichte" spielten schon in der klassischen Literatur eine durchaus wichtige Rolle. Es gibt kaum einen der bekannten klassischen Dichter, der nicht das Thema Winter in mindestens einem seiner Gedichte aufgegriffen, und auf die unterschiedlichste Art und Weise interpretiert hat.

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von Volker Harmgardt

Am schwarzen Feldrand,
gehalten von nebligen Armen -
Der einsame Baum.

von Angélique Duvier

Welch weiße Naturpracht,
von Sonnenlicht durchdrungen,
und glitzernd in der Mondesnacht.
Wurde der Februarschnee je besungen?

Morgen schon schmilzt er fort
und in des Märzens Mitte,
steht wohl am selben Ort,…

von Monika Laakes

Wintersonne schmeichelt mit hellem Licht,
lockt ins Freie, ich fühl Zuversicht.
Auf der Höhe des Tages macht sie mir Mut,
übertüncht weltweites Grauen - und für
einen kurzen Moment - die Seele ruht
in sich voller…

von Monika Laakes

Landschaft, fein gepudert mit Schnee.
Kälte tut den Fingerspitzen weh.
Da ist er nun, der minus-zählende Wintertag.
Und Sonne, hurra, die Sonne schiebt
Gedanken fort, die in grauer Diesigkeit
in steter Brut gewachsen…

von Monika Jarju

Im Garten Schnee
und lila Leinenzeug
waschwarm angeleint
flattert versteift
Frost zwickt zwackt
bricht es entzwei

von Angélique Duvier

Durch den Herbst
in den Winter
geglitten.

Nebelversunken,
schlafwandelnd,
durch die Wunderwelt.

Erwacht durch
hellen Kerzenschein,
der zweite Advent
muss wohl heute sein.

Als ein Tag…

von Annelie Kelch

Der Winter tobt sich aus und weißt den kalten Norden.
Vorm Haus hier, vor dem Hause welkt ein Batzen Schnee.
Ohne paar Fingerstulpen draußen tun die Hände weh.
Und nicht mal Lina, unsere gute Alte –
spürt warmes…

von Monika Laakes

Weißes Kristallwunder
beschenk' uns mit deinem Glanz.
Breite dich aus mit
wirbelndem Tanz.

So drehe auch ich mich
streck' die Arme weit aus,
versinke in der Kindheit
und bin dort zuhaus.

Und Weiß…

von Jürgen Skupniewski-Fernandez

Die Erde hat der Frost geschreckt.
nachdem der Herbst sie vorgewarnt,
hat vorher noch den Tisch gedeckt
und alle Blüten tief versteckt,
er kannte die Gefahr.
Nackt und klar liegt sie nun da,
unsere alte Erde,…

von Jürgen Skupniewski-Fernandez

Eine Wimper fällt vom Windaufschlag
Durch rubinroten Dezember Traum,

Ein flüsterndes Prisma: Orange, Rot
Und Himmelblau, reflektiert

Von Wangen schlafender Wiesen,
Schleiergetrübt durch Nebelgrau.

Es pochen…

von Annelie Kelch

Erstarrtes Land,
darüber der Mond,
kalt, aus Eiswolken bricht,
ein tauber, glitzernder Stern: Rund –
glimmt er über dem östlichen Oderbruch.

Enggefühle –
Lichtverlust, messbar.
Wintergedanken – ín den…

von Annelie Kelch

So lieb hat 's gefrühlingt
noch vor zwei Tagen
pfiffen die frechen
Spatzen dem Winter
ihre Schurkenlieder

Erd- und Luftgeist
vermählten sich
im Vorüberziehn
lichtzarter Bläue
Schalk brach…

von Joachim Ringelnatz

In der Villa am Berg, die ob ihrer Pracht
Im Dorf als „das reiche Schloß“ bekannt,
Da hat man die Nacht durchjubelt, durchlacht
Und an geistreichen Reden, an Speise und Trank
Das kostbarste, edelste dargebracht;
Da…

von Monika Jarju

Schnee auf dem Teller
unter dem Messer
gefrorene Wimper
die Hand erstarrt
Eis auf dem Teppich
Kristalle im Spiegel
weiß das Sofa
Kissen aus Splitter
Schneeflocken
blühen & schweben

von Uwe Röder

Im Winterschlaf bin ich, schon
gestern lag im Bett bei dir
nur meine Seele!

Trieb nach Mitternacht mit
dir noch Weißtschon,
gar nicht lahm!

Doch dass ihr nicht
ihr Essen
fehle,

musst du…

von Angélique Duvier

Schneeflocken glitzern in seidigem Haar,
deine Augen strahlen jung und gesund.
Du gehst heute, so wie jedes Jahr,
immer denselben Weg, zur gleichen Stund.

Hast gelitten und das Glück versäumt,
vielleicht ruht es…

von Angélique Duvier

Der Teekessel schreit
und spuckt heißen Dampf.
An der Fensterscheibe
betrachte ich breite Tränenrinnen,
sie zerfließen ins Nichts.
Schattenhafte Menschfiguren
eilen durch das Dämmerlicht
des frühen Abends…

von Sigrid Hartmann

Blauer Himmel, Sonnenstrahlen
Das ist's, was ich morgens seh
Wenn ich meine Augen öffne
Vor dem Fenster frischer Schnee

Rein und weiß ist er gefallen
In der klaren, kalten Nacht
Wolken, die den Mond verdunkeln…

von Eva Klingler

Welch Heiterkeit im Schneeflockentreiben
als ging es darum
in der Luft noch zu bleiben
zu tanzen zu schweben
ein Durcheinander zu weben
Auf und nieder
schräg und quer
fröhliche Lieder
jenseits von…

von Monika Laakes

Wassertropfen
winterweiß gefroren
wundersame vielgesichtige Gebilde
schweben mühelos zur Erde
Kältezauber

von Annelie Kelch

Vorgestern: Schnee über Schnee;
der Wind seufzte lauter als sonst
im kahlen Geäst der Bäume:
Schaufensterpuppen ohne Kleider.

Mein blauweißer Schirm schnappte
dreimal über – ich versprach ihm
eine Therapie,…

von Willi Grigor

In frostigkühlen Hinterzimmern
webt der Winter Festtagstücher
aus silberhellen Eisglanzfäden,
die wie Quarzgneis leuchtend schimmern.

In dunkelkalten Schneiderräumen
näht er weiße Hochzeit-Kleider,
um so auf…

von Sigrid Hartmann

Schwarz und weiß erscheint die Welt
Mit wenig bunten Tupfen
Und selbst die Meisen scheinen grau
Wenn sie am Knödel zupfen

Die Sonne hält sich gut versteckt
Schnee will der Himmel bringen
Die Erde lässt die…

von Susanna Ka

Die Stille
Der windlosen Tage
Schwarzes Eis
In den Buchten
Der Singschwäne
Stolzes Weiß
Der Kontrast
Gemildert
Durch die Milchglasscheibe
Des Nebels

von marie mehrfeld

Ausgestorben sei er, hieß es,
jener Herr mit Kälte, Schnee,
doch heut’ früh, mit aller Macht,
rein und weiß wie eh und je
kam ganz heimlich in der Nacht
weiße Pracht, so weit ich seh’,

lasse sie mir nicht…

von Michael Dahm

Verstummet ist der Bäume Herz
in den Wäldern und den Gärten
sie träumen sich nun maienwärts
was alle stets begehrten.

Es trocknen nicht mehr Steg und Wege
das Laub rauscht seine Weise
und wo ich meine…

von Annelie Kelch

Es ist noch frisch, als wollt' der Winter uns bestrafen
und durch die Bäume strolcht ein scharfer kalter Wind,
ich stutze, denn es fehlen zwei, drei Schiffe im Museumshafen,
die, ja, wohin denn nur?, Hals über Kopf verschwunden…

von Angélique Duvier

Grauer Monat vor dem Winter,
bald vergangen ist das Jahr.
November, du bist grau verhangen,
kalt und unnahbar.

Bringst uns wettergrauen Nebelduft,
nimmst von uns den Rosenduft.
Traurig durch die herbe Luft,…

von * noé *

Feucht und nasskalt, nicht zum Träumen,
hängt ein Nebel zwischen Bäumen,
der die ganze Sicht versperrt.

Leute lassen Köpfe hängen,
folgen inneren Gesängen,
schätzen Kuschelwärme wert.

Graue Tage ohne Zeiten,…

von Annelie Kelch

Wie still ruht diese kalte Winternacht …
Vom Glanz des leisen Schnees umhüllt.
Ein Stern, im Licht des Monds erwacht,
Blickt auf die Erde – glückerfüllt.

Der am Kamin noch hofft und träumt,
Versonnen grübelnd in die…

von Else Lasker-Schüler

(Cellolied)

Ich schlafe tief in starrer Winternacht,
Mir ist, ich lieg in Grabesnacht,
Als ob ich spät um Mitternacht gestorben sei
Und schon ein Sternenleben tot.

Zu meinem Kinde zog mein Glück
Und alles…

von * noé *

Eisblumen auf Fensterscheiben,
schüchtern fast und so filigran,
wie sie sich ranken und Zweige treiben,
wie sie bizarr ihre Schönheit beschreiben,
dagegen kommt kein Gemälde an.

Ein warmer Hauch, ein Atemwehen,…

von Annelie Kelch

Im Winter riecht die Luft oft nach Schnee;
aber er fällt nimmer – als warte er auf Erlaubnis.
Schneesterne wünsch ich mir, sechseckig,
die sich auf deine Augen legen:
Dann siehst du mich nicht mehr
und verspürst…

von Axel C. Englert

Ein D (das aus dem Osten war)
Kam in WEST-Deutschland kaum klar:
Nich nuar de Audos und dos Ässen –
Dän WINDERSPOORRD gannsde värgässn!

Rein schpordlich scheind so wos jo schlächd –
Ooch wänn ich SCHILOOFEN ma mächd…

von Annelie Kelch

Der Winter –
steckt noch in den Kinderschuhen;
aber der Herbst hat ihn bereits
die ersten Schritte gelehrt.

Ich schaue hinauf
in die nackten Bäume.
Der Himmel ist grauer
denn Mönchskutten.

Seiten

Auch moderne Wintergedichte benutzen dieses literarische Motiv um den Winter mit all seiner Schönheit, aber bisweilen auch mit seinem Schrecken, einzufangen. In einem Gedicht zum Thema Winter kann sich die Atmosphäre absoluter Kälte entladen- es kann aber auch Geborgenheit und Wärme einfangen. Gerade diese Gegensätzlichkeit macht den Winter als Thema so interessant und bietet Raum für den Ausdruck von Emotionen und Gefühlen.