Karl Georg Büchner: ein politisch kritischer Schriftsteller seiner Zeit

30. März 2017
Bild von Jan Wagner - Preisträger Georg-Büchner-Preis
Jan Wagner auf der Leipziger Buchmesse 2015
Copyright: CC0 - Lesekreis - Eigenes Werk

Jan Wagner hat den diesjährigen Georg-Büchner-Preis erhalten. Über ihn wird in diesen Tagen viel geschrieben. Deshalb widmen wir uns Karl Georg Büchner selbst. Wer war der Namensgeber des Preises eigentlich?

Die Verleihung des Georg-Büchner-Preises fand zum ersten Mal am 11. August 1923 statt. Er wurde vom damaligen Volksstaat Hessen in der Landeshauptstadt Darmstadt an Künstler, Schauspieler, Dichter und Sänger verliehen. Den Literaturpreis in seiner aktuellen Form gibt es seit 1951. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet mit diesem Preis Schriftsteller aus. Die Satzung besagt als Voraussetzung, dass die Werke “in besonderem Maße hervortreten“ und einen gewissen Einfluss auf das deutsche Kulturleben haben müssen.

In diesem Jahr ging der Georg-Büchner-Preis an den Lyriker Jan Wagner. Wagner hatte bereits 2015 für seinen Gedichtband “Regentonnenvaritionen” den Leipziger Buchpreis erhalten. Der Dichter spielt mit der deutschen Sprache und wird von Kritikern für seine “Formbeherrschung und intellektuelle Prägnanz” gelobt. Jan Wagner wurde 1971 geboren, hat in Hamburg, Dublin und Berlin Anglistik studiert und lebt nun in Berlin

Wer war eigentlich Georg Büchner?

Der Georg-Büchner-Preis hat seinen Namen von Karl Georg Büchner, der zwischen 1813 und 1837 lebte und ein bedeutender, politisch sehr kritischer Schriftsteller seiner Zeit war. Im Alter von nur 16 Jahren entstand sein Aufsatz “Heldentod der vierhundert Pforzheimer”, der zum Anlass wurde, dass Büchner bei Schulfeiern gebeten wurde, Reden zu halten. Büchner studierte Anatomie an der Universität Straßburg. In seiner Studentenverbindung trat er für politische Freiheit ein und hielt Vorträge über die politischen Verhältnisse in Deutschland. Er lebte im Haus eines Pfarrers, lernte dessen Tochter kennen und verlobte sich 1832 heimlich mit Wilhelmine, der er seinen “Fatalismus Brief” widmete, in der er den Menschen als Spielball der Geschichte darstellte.

1833 musste Georg Büchner 1833 nach Hessen zurückkehren und besuchte dort die Universität in Gießen und beschäftigte sich immer mehr mit den Menschenrechten. Es wird von gesundheitlichen Problemen berichtet. Die Trennung von Wilhelmine, die Situation in Deutschland und an der neuen Universität machten ihm zu schaffen. Die gelehrten Fächer interessierten ihn nicht, und auch seine Kommilitonen waren ihm nicht radikal genug.  Er gründete er zusammen mit einigen Studenten und Handwerkern die „Gesellschaft für Menschenrechte”, eine Geheimorganisation, die sich die Französische Revolution zum Vorbild nahm. Im Juli 1834 veröffentlichte Büchner eine Flugschrift mit der Parole „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ , mit der er die Landbevölkerung zur Revolution aufrief und aufs Schärfste kritisiert wurde. Im September 1834 erschien eine weitere Auflage des Landboten, die enthüllte, wie die Steuerabgaben das Leben der Adelsgesellschaft finanzierte. Daraufhin wurde das Zimmer Büchners durchsucht, er musste sich einer Befragung unterziehen, wurde jedoch nicht festgenommen. 1835 schrieb er „Dantons Tod”, das das Scheitern der französischen Revolution schildert, jedoch erkennt der Danton in Büchners Version von Anfang an, wie sinnlos sein Unternehmen ist. Daraufhin wurde Büchner wiederum vorgeladen, erschien jedoch nicht und wurde daher per Steckbrief gesucht. Er flüchtete zurück nach Straßburg, übersetzte “Lucretia Borgia” und “Maria Tudor” von Victor Hugo ins Deutsche und schrieb die Werke “Lenz” und „Woyzek”

Danach kehrte Büchner zur Wissenschaft zurück, schrieb ein Werk über das Nervensystem von Fischen, wurde 1836 zum Doktor der Philosophie ernannt und wurde Privatdozent an der Universität in Zürich.  Doch er unterrichtete nur ein Semester, dann erkrankte er schwer an Typhus und starb im Alter von nur 23 Jahren.

Der nach Georg Büchner benannte Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und damit nicht nur der renommierteste, sondern auch der am höchsten dotierte Literaturpreis im deutschsprachigen Raum. Autoren, die auf dieses Preisgeld warten, hätten wohl eher Chancen bei All Jackpots Deutschland einen derartigen Gewinn zu machen. Vielen Autoren geht es natürlich nicht um den finanziellen Gewinn, sondern um die Anerkennung als Literat. Dem Lyriker Jan Wagner kann man aus diesem Grund nur gratulieren. Zudem darf man sich freuen, dass es in diesem Jahr ausgerechnet einen Vertreter dieser ansonsten oftmals eher brotlosen Sparte „Lyrik“ getroffen hat.

Kommentare

14. Jan 2018

Hallo Roland Fester,
Glückwunsch Jan Wagner, es hat dich mit Recht getroffen.
So schrieb Georg Büchner:
(...)" Das Leben des Bauern
ist ein langer Werktag,
Fremde verzehren seine Äcker
vor seinen Augen,
sein Leib ist eine Schwiele,
sein Schweiß ist das Salz
auf dem Tisch des Vornehmen (...)"
Lyrik lebt und des Literaten Arbeit noch immer !!!
Gruß, Volker

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