Brief eines Einkaufswagens

von Sascha Grosser
Mitglied

Neulich erhielten wir einen Brief.
Im Absenderfeld stand „Euer Freund, der Einkaufswagen“.
Und dieser schrieb uns folgende Zeilen:

Ihr Lieben,
unzählige Male habt ihr mich durch endlos scheinende Regalreihen gesteuert, immer auf der Suche nach etwas Kaufbarem. Und ich, ich habe mich dabei zum Handlanger eurer Konsumsucht gemacht; habe behutsam transportiert, was ihr begehrt, aber dennoch nicht braucht. Habe euch mit großem, einladendem Korb vorgegaukelt, dass ihr das, dieses und jenes zum Glücklichsein unbedingt kaufen müsst. Bin gemeinsam mit euch, auf leisen, komfortablen Rollen an mächtigen Warensortimenten vorbei geschlendert. Und ihr? Ihr habt es nicht gemerkt, habt nicht geahnt, dass ich Teil eines verführerischen Plans bin. Aber jetzt will ich es euch sagen. Heute will ich es zugeben: Ja! Ja, ich bin schuldig. Ich war stets daran beteiligt, euch einzig und allein auf eure Eigenschaft als Konsumenten zu reduzieren, euch glauben zu lassen, dass ihr euch über euer Hab und Gut definiert, dass ihr euren Besitz für euren Selbstwert braucht.
Und dabei seid ihr so viel mehr. Also, wacht auf! Erteilt dem Konsum eine Absage, entdeckt euch neu und lebt wohl...!

Euer Freund

Der Einkaufswagen

"Ende mit Kaufrausch" | Fotografie: Sascha Grosser

Interne Verweise

Kommentare

28. Apr 2019

Ja, ohne einen Einkaufswagen
müsst' ich den ganzen Plempel tragen ...
Doch kann ich ihn auch sonst noch nützen:
mich gehbehindert auf ihn stützen.
(Nie hört' ich ihn, sich zu beklagen -
er ist 's gewohnt, viel Mist zu tragen :-) !!)
Dafür möcht ich ihm "DANKE" sagen,
dem guten, treuen Einkaufswagen!

Eine gute Nacht wünscht Dir der Alfred!