Das marode Gesundheitssystem - Aktuelles Fallbeispiel:

von Sabrina Jung
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Eine 72-jährige Patientin mit einer chronischen Lungenerkrankung COPD kommt mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus und wird operiert, bekommt anschließend eine Lungenentzündung, wird nach 10 Tagen trotz bestehender Lungenentzündung in die Reha Nr. 1 entlassen, um das Laufen wieder zu trainieren mit Hilfe eines Rollators. Nach drei Wochen in der ersten Reha wird festgestellt, dass noch eine Anschluss-Reha erforderlich ist, weil das Laufen auch mit Rollator noch schwer zu bewältigen ist. In der Anschluss-Reha bekommt die 72-jährige Patientin mit der chronischen Grunderkrankung COPD und der zu behandelnden Geheinschränkung nach der OP nach fünf Tagen Aufenthalt dort erneut eine Lungenentzündung. Die Patientin selbst hat die Krankenschwester darauf aufmerksam gemacht, dass sie vermutet, sie hätte eine Lungenentzündung, woraufhin sie aber nicht untersucht wurde. Weihnachten dann, genau am fünften Tag des Aufenthalts dort bekommt die Patientin Besuch von ihrer Tochter, die ihre Mutter in einem kritischen Zustand vorfindet. Erschrocken darüber informiert die Tochter den Arzt, woraufhin die Mutter dann erst unter Androhung von Konsequenzen untersucht wird. Diese Untersuchungen finden teils in der Reha selbst statt und teils im Krankenhaus, da die Patientin tatsächlich eine Lungenentzündung hat, muss sie dann sogar wieder stationär im Krankenhaus mit der Gabe einer Antibiose behandelt werden. An besagtem Tag „Weihnachten“ während des gesamten Untersuchungsprozederes hat die Patientin sowohl in der Reha ewig warten müssen als auch im Krankenhaus bis die Untersuchung dann erfolgte und hat weder mittags eine Mahlzeit noch abends etwas bekommen, nicht einmal etwas zu trinken wurde ihr angeboten. Nach weiteren fünf Tagen im Krankenhaus dann unter der Gabe der Antibiose beschlossen die Ärzte dort, dass die Patientin nun wieder zurück in die Reha könne, obwohl die Lungenentzündung noch gar nicht abgeklungen ist. Die Begründung war, sie könne in der Reha die Antibiose noch ein paar Tage weiterhin bekommen. Da die Patientin nun immer noch nicht fit ist, wurde auf Nachfragen hin, mündlich erst einmal eingeräumt, man würde versuchen, die Reha zu verlängern, aber es gäbe keine Garantie. Da die Reha davon abhängig wäre, inwieweit die Kasse bereit ist, diese Leistungen zu übernehmen und das bei einer 72-jährigen Patientin nach noch nicht ausgeheilter Lungenentzündung mit chronischer Lungenerkrankung COPD, wobei zusätzlich auch noch das Gehen trainiert werden soll.
Nun gibt es ganz viele ???? wie die Angelegenheit weitergeht, die Reha würde die Patientin auch ohne Weiteres nach Hause entlassen, egal ob die Patientin in der Lage ist, mit der Situation klar zu kommen oder nicht, Hauptsache die Abrechnung stimmt. Das ist leider wirklich wahr. Aber da die Patientin allein wohnt, kommt noch erschwerend hinzu, dass sie mit Rollator eine Treppe bewältigen müsste, was nicht zu bewerkstelligen ist, abgesehen von der Lungenerkrankung und Lungenentzündung.
Aber nicht nur das, nein auch Unterlagen sind verschwunden. Angeblich sind in der Reha Nr. 1 die OP-Unterlagen nicht angekommen und die Unterlagen von der Reha Nr. 1 sind auch schon archiviert, an die Unterlagen kommen diese auch nicht mehr heran, angeblich hätten sie der Patientin die Unterlagen nach Hause geschickt, die nie angekommen sind. Schon wieder ganz viele ??????

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Interne Verweise

Kommentare

03. Jan 2018

Sie war Kassenpatientin? Patientin zweiter Klasse?,
auch das scheint eine neue "Rasse",
diskrimiert? Ach, diese Leute tun mir schrecklich leid,
ich hoff', mit mir kommt 's nicht so weit.
Drum lebe ich auch so gesund.
Dein Beitrag ist sehr gut, Sabrina. Ich verstehe es einfach nicht,
es will mir nicht in den Sinn, wie man als Arzt/Ärztin
Menschen in zwei Klassen einteilen und unterschiedlich
behandeln kann.

Liebe Grüße,
Annelie

03. Jan 2018

Im Prinzip liegt das ja auch nur an dem ganzen Gesundheitssystem an sich, dass die Kassen scheinbar sagen bis dahin bezahlen wir, danach nicht mehr. Das will mir einfach nicht in den Kopf. Und von Anfang an steht immer schon fest, wie lange der Patient bleiben darf bzw. wieviel abgerechnet werden darf, unabhängig wie krank der Patient sind. Das ist das traurige an der Sache.
Liebe Grüße
Sabrina

04. Jan 2018

Das Menschliche kommt viel zu kurz -
Nur Geld und Regeln! Sonst ist 's schnurz ...

LG Axel

04. Jan 2018

zumindest scheint es bei den älteren Patienten so zu sein, wenn sie Kassenpatienten sind. Möchte gar nicht darüber nachdenken, was mit denen passiert, die keine Angehörigen haben, in dem hohen Alter.
LG, Sabrina

04. Jan 2018

Traurig, Sabrina. Tut mit wirklich leid. Kein Einzelfall sicher – und jeder ist einer zu viel. Absolute Gerechtigkeit kann es aber in keinem Gesundheitssystem geben, das wissen wir alle, und menschliches Versagen kann leider auch nicht verhindert werden. Im Allgemeinen ist man im Notfall in Deutschland als Kassenpatient allerdings nicht schlecht bedient. Ich kenne eine kassenversicherte Frau, der man anstandslos eine nötige Transplantation und die gesamte Nachsorge bezahlt hat. Auch, wenn es viel zu verbessern gibt – zum Beispiel durch eine Bürgerversicherung? – stehen wir mit unserem Gesundheitssystem im internationalen Vergleich dennoch gut da, meine ich. Das ist ein ziemlich weites Feld ...

Liebe Grüße - Marie

04. Jan 2018

Liebe Marie,
sicherlich ist vieles auch gut an unserem Gesundheitssystem, aber ich rede hier speziell von älteren Patienten, die so um die 70 Jahre alt sind und Kassenpatienten und das darf meiner Meinung nach nicht sein. Wenn es z. B. Menschen gibt, die in dem Alter gar keine Angehörigen haben, dann möchte ich wirklich nicht gern darüber nachdenken, was mit denen passiert, denn immerhin kann man an einer Lungenentzündung auch sterben und dass bei einer Patientin mit einer chronischen Lungenerkrankung nicht einmal überprüft wird, ob es nun so ist oder nicht, erst einen ganzen Tag später unter Androhung entsprechender Konsequenzen und dass dann auch noch Unterlagen verschwinden, tut mir leid, aber das geht zu weit.
Wenn ich jetzt hier einfach mal so spekulieren würde (vielleicht schreibe ich gleich noch ein Essay zu dem Thema), was mit denen wie gesagt passiert, die keine Angehörigen haben, aber ein entsprechendes Alter bereits überschritten und noch ein paar gesunde Organe in petto, die jemand anderes evtl. auch ein Privatpatient dringend benötigt, ich weiß, was für eine fiese Unterstellung, aber alles was denkbar ist, ist möglich und manche Ärzte verdienen einfach zu gut, sorry, so dass ich einfach meine Zweifel hab.
Liebe Grüße
Sabrina

04. Jan 2018

Es gibt die "UPD Patientenberatung Deutschland" die auch Online weiterhelfen kann, zumindest mit Rat.
Es ist schon bitter, wie sich die Alten - und Krankenpflege entwickelt. Für die Patienten und auch fürs Pflegepersonal. Geld regiert die Welt ... auch in der "Medizin". Gesund bleiben heiß das Motto, aber nicht jeder der gesund lebt, bleibt auch gesund ... leider.

Liebe Grüße
Soléa

04. Jan 2018

Mit denen habe ich auch einfach mal Kontakt aufgenommen, genau. Manchmal hilft es auch, wenn man mit einem Anwalt droht, traurig finde ich es trotzdem, wie gesagt bei den oberen Kommentaren. Finde so etwas darf einfach nicht passieren.
Liebe Grüße
Sabrina

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