Brief an eine Freundin

von Jürgen Skupniewski-Fernandez
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Liebe Freundin,

es ist nicht einfach die Richtigen zu finden, um gute Konversation zu führen. Mir bleibt es auch nicht vergönnt mich aus der Tiefe heraus auszutauschen. Denn das kommt leider nur noch selten vor. Und wenn es vorkommt, dann genieße ich die Konversation so intensiv, dass ich zum Schluss feststellen muss, jene anwesende Person zu überfordern, weil halt mein Bedarf an guten Gesprächen sich so aufgestaut hat und praktisch auf mein Gegenüber wie ein Wasserfall schwappt. Dann ergreift sie, die Person, die Flucht und hält mich auf Distanz mit einem höflichen und doch sehr aussagekräftigen, dazu meist noch aufgesetzten Lächeln. Also was bleibt mir Hungrigen übrig - mich an einem "Kanten Brot" weiter zu verbeißen. So, denke ich, wird es Dir auch ergehen. Wobei Du allerdings nicht den sozialen Aspekt vergessen darfst. Deine Familie ist zumindest physisch anwesend, aber erfüllt wahrscheinlich nicht Deine Erwartungen. Ich kann da auch Falsch liegen. Wir haben ja uns schon des Öfteren hierzu ausgetauscht.
Es liegt aber häufig auch an der allgemeinen Tagesverfassung. Bei mir auf jedem Fall. Von Grund auf müsste ich eigentlich wie eine Putte froh jauchzend auf einer Harfe zupfen; dem ist leider nicht so. Ich denke, ein ewiges Frohlocken ist auch nicht das wirklich wahre. Wichtig, dass wir immer wieder zu uns selbst finden. Sehe die innere Unruhe der Unbefriedigung als Spaziergang ins Unbehagen, einfach damit du weiterhin erkennst, dass es Dir doch eigentlich gut geht und Du schon sehr viele Geschenke im Leben entgegennehmen durftest.
Mit dieser Selbsterkenntnis bist Du dir dann schon wieder ein paar Zentimeter nähergekommen. Hast Du ein Bewusstsein dafür, dann spürst Du auch
Zufriedenheit. Es ist ein Spiel der Emotionen, gepaart mit Chemie (Hormone) und Psyche, auch das, was Du über die Sinnesorgane aufnimmst und
alles zu einem Gefühlscocktail gerührt wird. Es ist doch eigentlich schon ein Wunder, wenn wir hier so bewusst nach der Ursache unseres Befindens suchen und uns klar darüber werden was es alles für Zutaten bedarf um ein, wie wir sagen, ausgeglichener und glücklicher Mensch zu werden. Aber nun genug von diesen Prozessen; ein Versuch meinerseits, Dir Entgegenzukommen, mit einer vielleicht nicht lückenlosen Beweislage, aber sehr viel Verständnis.

Sei umarmt.

Robert

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Kommentare

03. Sep 2018

Ein gutes tiefergehendes Gespräch,
das in Worten – Blicken – Gesten
ernsthaft Leichtigkeit bewegt
gleichwohl manche schwere Kost verdaut
findet sich nicht wirklich oft
Es kommt sehr auf den Menschen an
Und sein Eingelassensein in
Bedachter Achtsamkeit gefühlter
Antwort auf das Gehalt des Ausgesagten

- wohl deshalb spricht dieser Brief seine Leser(in) so eindringlich an...

LG Yvonne

08. Sep 2018

Danke Yvonne für Deinen treffenden Kommentar!

Die Kunst, gute Konversation zu führen, gibt es gottseidank aber noch. Allerdings braucht man auch immer die richtige Person und das ist nicht immer so einfach. Die Interessenslagen sind ja auch immer ein wichtiger Bestandteil.

Vielen Dank und Beste Grüße

Jürgen

08. Sep 2018

...und wohl auch ein Grund, aus dem ich gerade hier gelandet bin - neben den Inhalten scheinen der Austausch und die Kommentare in diesem Forum mir gerade dieser sowohl tiefergehenden wie auch zum Teil humorvollen immer aber respektvollen Art zu sein...
Ich grüße zurück - Yvonne