Sweet Desire, Kapitel 5: Falsche Spielchen

von Katharina Dotzki
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Wie nun schon seit einigen Wochen saß ich an meinem Schreibtisch in diesem Büro. Ich habe mich tatsächlich gut in Claas‘ Firma eingelebt. Ja, ich hatte es wirklich geschafft mich wohlzufühlen.
Seine Firma lief wie ein Uhrwerk. Sie lief sogar so gut, dass ich laufend Angebote für Herrn Maier bekam und dass man ihn gerne behilflich wäre die Firma an die Börse zu bringen.
Ich steckte jeden Tag viel Energie in diesen Betrieb und hier auf meinem Bildschirm sah ich nun die Früchte. Selbst nach Steuern hatte er letztens gigantisch verdient.
Wow! Was ein Hammer Typ. Lächelnd stand ich auf und wollte mir einen Kaffee machen. Bevor ich durch die große Spiegeltür ging, betrachtete ich mich ein wenig.
Oh ja! Ich hatte mich echt gut gehalten. Grinsend zog ich mir meine schwarze Jacke etwas auf.
Meine Brüste waren groß und voll, meine Taille war nicht wirklich eng – eher etwas kurvig. Nur meinen Hintern fand ich jetzt nicht so schön. Er war mir einfach viel zu fett.
In drei Tagen sollte mein 19. Geburtstag sein, überlegte ich. Ach, Mensch. Die Zeit verging wie im Flug. Ich ging an die Kaffeemaschine und nahm eine große Tasse.
Als ich zurück an meinen Schreibtisch wollte, fuhr gerade der Korb der Fensterputzer herauf. Zwei Männer winkten mir zu und ich winkte zurück.
Dann zwinkerte mir einer der beiden zu und ich musste leicht schlucken. Sie sahen sehr nett aus, nur überhaupt nicht mein Fall.
Also drehte ich mich schnell zur Seite. Langsam schweiften meine Gedanken wieder zu meinem Chef rüber. Nachgefühlten 20 Minuten widmete ich mich auch wieder an die Arbeit.
Es stand ein Projekt an. Plötzlich klingelte das Telefon. Es war mein Chef. Er rief mich in eine Besprechung dazu.
Ich mit meinen tollen Kenntnissen über die DV-Systeme unseres Unternehmens und die Kontakte in den anderen Abteilungen, sollte kurz beraten, wie weiter vorgegangen werden könnte.
Die anderen Teilnehmer waren drei junge Frauen – die Projektleiterin und die zwei maßgeblichen Mitarbeiterinnen, der zu integrierenden Abteilung. Zwei von denen waren gefühlt Anfang 30.
Nur sie – die Projektleiterin, sie war in meinem Alter. So jung und schon so erfolgreich. Wie es nur Frauen können, bedankten sie sich mit einem Lächeln und einem Augenaufschlag für meine Hilfe.
Eine der Kolleginnen gefiel mir besonders gut, und siehe da: Der Projektverlauf ergab noch den einen oder anderen Kontakt. Aber nein, ich stehe doch auf Männer.
Langsam fuhr ich mir mit einem Finger über die Lippen. Ich fand Frauen eben attraktiv. Mehr aber auch nicht. Ich schaute auf die Uhr. Zeit für eine kleine Pause.
Also stand ich auf, nahm meine Sachen und verzog mich wieder in mein Büro. Plötzlich klopfte es an der Tür.

„Darf ich rein?“, sagte er unwiderstehlich. Und eher ich einen vernünftigen Satz herausbringen konnte, stand er auch schon in der Mitte des Raumes.

„K-klar. Was gibt es denn? Ich dachte du wärest über das Wochenende bei deiner Mutter.“

„Ich war. Aber die Sache hatte sich erledigt. Weißt du, ich konnte nicht anders… ich musste dich einfach sehen. Und ja, jetzt bin ich hier.“

Oh was?! Er hatte Sehnsucht nach mir… Ich wusste nicht was ich darauf antworten soll. Ich wollte diesen Mann. Ich wollte meinen Chef. Aber das durfte doch nicht sein. Außerdem warum gerade ich und nicht wer anders.
Ich öffnete leicht meinen Mund – aber es kam nichts heraus. Nichts. Doch dann trat Claas ein Stückchen näher.

„Lorna. Bitte gib mir deine Hand.“

Ich verstand nicht wirklich, was Claas nun jetzt von mir wollte. Aber ich bejahte und gab ihm meine Hand.

„Du zitterst.“

„Mir ist etwas kalt.“

„Nein. Du hast Angst.“

Claas hatte recht. Mir war nicht kalt. Ich hatte ein schlechtes Gefühl. Er sah verdammt gut aus und hatte vieles in seinem Leben schon erreicht. Er war sehr klug und konnte es mit jedem X-beliebigen Mann aufnehmen.
Ich hatte Angst ihn zu verlieren… Denn es tat so gut in seiner Nähe zu sein.

„Ja. Ich habe Angst.“

Blaue funkelnde Augen schauten mir direkt in meine. Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich bekam am ganzen Körper Gänsehaut. Ich spürte wie er meine Hand streichelte. Seine warmen Hände fühlten sich so vertraut an.
Dann geschah es schon wieder. Er packte mich an den Hals und drückte mich gegen die Wand. Ein lauter Knall.

„Man Claas nicht so laut! Die anderen könnten sonst noch was mitbekommen.“

Mein Chef fing anzulachen. Er hörte schon fast gar nicht mehr auf.

„Na und?! Sollen sie doch. Ich habe nichts zu verbergen und schon gar nicht meine Freundin.“

Ähhh. Wie bitte was?! Hatte er gesagt, dass ich seine Freundin wäre. Der Typ war doch echt der Wahnsinn. Aber irgendwie musste ich auch lachen.

„Claas. Wie ich bin deine Freundin? Ist das jetzt dein Ernst?“

„Sehe ich so aus, als ob ich scherzen würde? Komm her und lass mich dich küssen.“

Auf einmal klopfte es schon wieder an der Tür. Genervt ging Claas ein Stück zurück.

„Einen Moment!“, rief ich zögernd.

„Lorna. Ich hole dich um 19:00Uhr ab.“, sagte mein Chef mit einer rauen Stimme. Ich nickte.

Als Claas verschwand, trat eine bildhübsche junge Dame hervor. Es war Cloe.

„Du. Ich brauche mal deine Hilfe. Es geht um das Projekt… die vier Wochen gehen schneller rum als man denkt und die Zusammenarbeit mit Jennifer wird auch zwangsläufig enger.“

Immer wieder war ich von ihrer Natürlichkeit fasziniert. Sowohl ihr Verhalten als auch ihr Lächeln, ihr Lachen mit den Grübchen, ja, ihre ganze Person wirkte authentisch. Ich fragte mich nur, warum Claas sich nicht für sie interessierte.
Sie war im ganzem eine Perfektionistin. Ebenfalls hatte ich den Eindruck, als würde ich sie schon ewig kennen. Wenn einer von uns Probleme hatte oder sich einfach mal „auskotzen“ musste, dann traf man sich schnell auf einen Kaffee
und danach sah die Welt wieder ganz anders aus. Ja, in der Tat ist sie mir sehr ans Herz gewachsen und somit auch eine tolle gute Freundin.

„Wobei genau brauchst du denn Hilfe?“

„Na ja. Ich komme mit dem DV-Programm nicht wirklich zurecht. Wir müssen eine neue Anforderung stellen und da kommst du ins Spiel. Du kennst dich doch prima in diesem Fachgebiet aus.
Außerdem bist du diejenige, die die losen Wünsche in logisches IT-Deutsch übertragen soll.“

Oh Gott. Das öde DV-Thema ging mir schon so auf die Nerven, dass mir beinahe mein Frühstück und mein Mittagessen hochkam. Aber ich hatte sie echt lieb, also half ich ihr natürlich.

„Ok. Cloe setz dich bitte zu mir. Wir gehen das gemeinsam durch. Irgendwann musst du das auch mal alleine gebacken bekommen.
Was machst du denn bitteschön, wenn ich mal nicht da bin? Wenn ich mit unserem Chef auf Geschäftsreise bin oder vielleicht krank?“

„Jaaa. Lorna du hast ja vollkommen recht.“

Nun denn, wir setzten uns gegenüber und begannen das Thema näher zu beleuchten. Doch ich stellte recht schnell fest, dass ich heute nicht wirklich konzentriert bei der Sache war. Immer wieder musste ich an Claas denken.
Was er vorhin sagte und allgemein, sobald meine Gedanken um ihm schweiften, bekam ich ein Verlangen ihn sofort auszuziehen. Ich biss mir vorsichtig auf die Unterlippe.
Als ich dann zu Cloe rüber schielte konnte ich gut erkennen was sie da gerade eben tat. Sie knöpfte ihre weiße Bluse ein kleines Stückchen auf. Was hatte das denn jetzt zu bedeuten?
Ich lauschte ihre Stimme, sie nuschelte. Was stimmte denn nicht mit ihr.

„Cloe? Was machst du da? Konzentriere dich bitte auf die Arbeit.“

„Tut mir leid. Lorna. Ich kann nicht anders. Es gibt da etwas das ich dir dringend sagen muss.“

„Schieß los.“

„Ich habe dich und Herrn Maier schon länger beobachtet. Komm sag mir jetzt was dazwischen euch läuft. Andern falls…erzähle ich allen, dass du dich hier hochvögelst.“, sagt sie herrisch und zwinkert mir auch noch zu.

Diese verdammte Schlampe! Das kann sie nicht bringen.

„Ich dachte wir wären Freundinnen. Das ist doch jetzt ein Scherz.“

„Freundinnen – Ja. Scherz – Nein.“

Am liebsten hätte ich jetzt Cloe an den Kragen gepackt und sie hochkantig aus meinem Fenster geworfen. Was bildete sie sich nur ein.

„Was willst du?“

„Die Frage lautet wohl eher…von wem ich was will.“

„Wie meinst du das.“

„Na. Ich will dir nicht Claas wegnehmen und dir die Arbeit natürlich auch nicht. Nur will ich einmal das Vergnügen mit dir haben.“

Ich dachte, ich hätte mich verhört aber anscheinend war es ihr Ernst. Das war doch schon krank. Aber mir blieb keine andere Wahl. Oder etwa doch? Jedenfalls nickte ich, wenn auch ungewollt.

„Dann müsstest du zunächst einmal die Tür schließen“, fand ich meine Schlagfertigkeit zurück – und dachte im gleichen Moment „Das war’s! Jetzt gibt es kein zurückmehr“.
Denn ohne ein weiteres Wort stand Cloe auf. Ohne den Blick von mir zu nehmen, ging sie zur Tür und in Gedanken sah ich sie schon mit dem Betriebsrat zurückkehren.
Doch sie ergriff die Innenklinke der Tür und ließ fast im Zeitlupentempo die Tür ins Schloss fallen. Dabei fixierte sie mich wie eine giftige Schlange ihre Beute – wobei ich vermutlich ähnlich den Blick nicht von ihr lassen konnte.
Provokativ baute sie sich vor mir auf. Zuvor hatte ich noch nie etwas mit einer Frau gehabt. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen etwas mit einer Frau anzufangen. Klar, ich sagte, dass ich Frauen attraktiv finde.
Mehr aber auch wirklich nicht. Immerhin stand ich doch auf Männer. Auf richtige Männer – wie Claas. Und ja ich begehrte diesen Mann und nur diesen Mann!
Ich musste tief schlucken und konnte irgendwie noch immer nicht so ganz begreifen, was sich hier gerade abspielte. Träumte ich gerade oder forderte meine Kollegin mich wirklich auf, sie auszuziehen?
Würde sie mich gleich mit irgendeiner banalen Frage – oder einer deftigen Ohrfeige – in die Gegenwart zurückzuholen?
Etwas zögernd und mit weichen Knien stand ich auf. Vorsichtig machte ich ein paar Schritte auf sie zu. Ich versuchte möglichst so zulächeln, als ob ich es tatsächlich genießen würde.
Sie machte ebenfalls zwei Schritte auf mich zu. Dicht vor ihr, nahm sie meine Hände und bewegte sie langsam in Richtung des Pos. Ich seufzte. Das konnte doch alles nicht wahr sein?! Verdammt.
Ganz deutlich konnte ich den Duft ihres Parfums (Chopard Wish) aufnehmen, ihre Gesichtszüge studieren (verschwand dieses funkelnde Glitzern eigentlich nie aus ihren Augen, würde dieser Mund jemals aufhören, mich zum Kuss aufzufordern?
Ich wollte nicht. Ich würde am liebsten bei Claas sein. Tja, aber jetzt musste ich mitspielen) und ganz langsam mit meinen Fingern ihren Rücken emporgleiten. Sie stöhnte auf.

„Ja. Lorna. So ist gut. Mach nur weiter. Wir werden ganz viel Spaß miteinander haben.“

Ich folgte der Wirbelsäule bis zum Nacken – hatte ich da einen wohligen Schauer wahrgenommen? Mit Sicherheit. Es stand ihr ins Gesicht geschrieben.
Sie war total scharf auf mich. Herrje, meine ach so tolle Freundin brachte mich noch zu Weißglut. Ich ließ mir aber nichts anmerken. Warum auch?
Das Spiel lief doch bis jetzt ganz gut, hoffte ich zumindest!

„Und?“

„Hm, ich bin mir nicht sicher…ich meine, ich habe keinen Träger gespürt.“

„Tja, meine süße Maus, ich habe auch keinen BH an.“, sprach sie lüstern.

Unfassbar diese Frau drehte doch komplett durch. Damit war der Spielball wieder bei ihr – und sie nahm ihn auf. Sie trat einen Schritt zurück und begann ihre Bluse nun ganz aufzuknöpfen.
Obwohl ich bereits gesehen hatte, dass sie ein Top statt verführerische Dessous darunter trug, musste ich erneut schlucken. Sie kam wieder auf mich zu und wieder setzte ich meine Hände in Bewegung.
Viel zu schnell war ich wieder an ihrem Nacken. Da gehörte meine Nase aber ganz bestimmt nicht hin! Doch nun verharrte ich dort, weigerte mich irgendwie die Augen zu öffnen und war einfach in dem Augenblick gefangen.
Ok, es lag einfach an der Duftnote des Parfums – das roch unheimlich gut.
Eher ich weitermachen konnte. Klingelte Cloes Handy. Oh Gott sei Dank! Meine Rettung. Cloe löste sich von mir und ging genervt ans Smartphone.

„Ja? Ach so ja. Oh. Sorry ich vergaß. Ja. Ich bin in einer Dreiviertelstunde da. Ok, ok. Bis gleich.“

Das Telefonat war beendet und Cloe widmete sich wieder ganz mir. Sie verdrehte ihre Augen und lächelte dabei.

„Schade. Ich muss gehen. Aber wir sind noch nicht fertig Schätzchen.“

Und schon wieder musste ich schlucken. Aber vorerst war ich befreit. Noch ein letztes Mal kam sie auf mich zu und gab mir einen Schmatzer auf meine linke Wange. Dann schloss sie die Tür auf und ging.
Erleichtert schnappte ich auf und packte meine Sachen zusammen. Es war bereits 18:00Uhr – länger in der Firma hielt ich es nicht aus.
Ich zog hastig meine Jacke an, nahm meine Tasche, meine Autoschlüssel und begab mich ins Parkhaus.
Claas wollte mich zwar heute abholen – aber Scheiß drauf. Ich musste weg. Einfach weg von allem.

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