Der Ritt nach Norden 1 Kapitel 1

von Franziska Eber
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Kapitel 1
Es war gerade zehn Uhr früh, als ich mich auf die erste Reitstunde um zwölf vorbereitete. Seid dem ich bei meiner Tante auf dem Gut als Reitlehrerin arbeitete, und auch gleich 2 Beritt-Pferde hatte, war ich endlich glücklich. Das machte ich jetzt schon seit zwei Jahren; direkt nach meinem Abi hatte ich angefangen. Tante Maria war sehr liebenswehrt, aber wenn es um den Hof ging, kannte sie keine Gnade. Auch meinen Onkel, Gustav ( ihrem Ehemann) galt keine Gnade.
Bevor ich zu ihnen kam, standen sie kurz vor dem Bankrott, doch nun lief es besser dem je. Ich lebte schon immer auf der kleinen, aber bezaubernden Insel Norderney. Und ich konnte mir auch nie vorstellen, jemals woanders zu leben. Klar, die Häuser hier waren nicht billig, aber das lag wohl daran, das die Häuser hier heiß begehrt waren. Hin oder her, ich liebte es und meinen Job. Ich half bei allem, und wie schon genannt, gab ich Unterricht und nebenbei bekam ich noch Geld dafür, das ich Pferde ritt und auf Tunieren vorstelle. Ich wurde quasi für das bezahlt, für das, was ich liebte. Ein ,,Moin, Johanna“, riss mich aus meinem Flashback. Ich schaute auf. Ich war nur etwa zehn Meter von meinem Ziel- die Weide, entfernt. Ich hob meinen Blick. ,,Moin, Yannik“, Begrüßte ich einen Mann in meinem Alter. Er hatte hier sein Pferd stehen. ,,Etwa schon Unterricht?“ Fragte er mich mit einem grinsen. Typisch. Ich musste auch grinsen. Er wusste genau, dass ich ein Morgenmuffel war, und noch gern im Bett liegen würde. ,, Der Unterricht ist um zwölf, ich muss die zwei Stunden noch ausnutzen, um mein eigenes Pferd zu bewegen“, antwortete ich, als ich gerade auf Yanniks‘ Stute Nora zuging, und sie zwischen den Augen streichelte. ,,Ach so.“ ,,Naja, ich muss dann mal.“ Sagte er nach einer kurzen Pause und deutete auf Richtung der Ställe und der Sattelkammer. ,,Jo! Wir sehen uns ja dann nachher vielleicht.“ Sagte ich und klopfte Nora noch ein letztes mal den Hals. ,,Bis dann!“ Sagte Yannik noch, aber da war ich schon auf der Weide und stampfte los. Warum musste sich Sam auch immer ganz hinten aufhalten? Dachte ich mir im Stillen gehen.
Da war er ja endlich. ,,Guten Morgen, der Herr. Kommst du jetzt mit, damit ich dich heute früh noch in Bewegung bekomme?“ Frage ich mein Andalusier-Hengst, während ich ihm das Halfter über den Kopf zog. Als ich ihn zu meinem sechszehnten Geburtstag bekam, war das wohl der beste Tag in meinem Leben gewesen. Ich hatte sofort meine beste Freundin, Frauke angerufen und ihr alles erzählt. Sie hatte damals bisher nur Unterricht bei Tante Mari gehabt, und war ,mega ausgerastet. Apropos Frauke- wenn ich nicht bald in die Hufe käm (wortwörtlich), würde sie wieder rum meckern. Frauke und ich waren komplett unterschiedlich- während sie wunderschöne, blonde Haare hatte, und eisblaue Augen, hatte ich braune Haare, ein paar Sommersprossen und Graß- grüne Augen. Aber wir liebten es, zusammen… ALLES zusammen zu machen- insbesondere reiten. Ich führte Sam eine Weile über die Weide, bis wir schließlich am Gatter ankamen, und dann endlich am ‘‘ Sattel Bahnhof‘‘ – wie er bei Frauke und mir hieß, ankamen. Der ‘‘Sattel Bahnhof‘‘ war eigentlich nur ein Bereich des Hofes neben des ersten Stalls- wo unsere ,,Privatpferde“ standen. Es war ein umzäunter Bereich, wo man in der Mitte reingelaufen kam, und dann links oder rechts sein Pferd anbinden konnte. Wir fanden, seitdem wir sechs waren, das es einem Bahnhof ähnelte.
,,Da bist du ja, Kiki und ich warten bestimmt schon seit zwanzig Minuten!“ Sagte Frauke. Sie saß auf ihrer brauen Hannoveraner Stute und winkte wie verrückt. Als ob ich sie nicht gesehen hatte. Ich lächelte. ,,Ist ja gut! Tut mir ja leid, er stand ganz hinten und ich hab auch noch Yannik getroffen.“ Erklärte ich ihr, während ich durch den Bahnhof ging, und Sam sattelte. ,,Yannik? DER Yannik, der vor sechs Monaten bei einem Turnier gestürzt ist, und seinem Hängst das Bein gebrochen hat?“ Gut, in die Richtung sollte das Gespräch jetzt nicht verlaufen. Ich saß auf. ,,Ja, der. Aber er war wegen Nora da. Denke mal, er hat sie zum ausreiten mitgenommen.“ Entgegnete ich ihr. Kurze Pause. ,,Also, den ganz normalen Weg?“ Fragte Frauke mich. ,,Denk schon.“ Ich lächelte bei dem Gedanken, an dem menschenleeren Nordstrand entlang zu preschen, und die salzige See Luft durch die Haare flattern zu spüren. ,,Na dann. Komm, süße.“ Sie stieß einen schnalzen aus, und schon gingen wir runter zum kurzen Asphalt Weg, der uns direkt zu den Dünen bringen sollte.
,,Hüüaaa, kleine!“ Hörte ich Frauke mit einem Ohr ihr Pferd antreiben. Doch es kümmerte mich nicht. Ich konzentrierte mich einfach darauf, wo es hin ging. Sam hatte schon wieder sein Wahnsinns Tempo drauf, das nichts hätte ihn stoppen können. Wir waren vielleicht eine halbe Pferdelänge vor Frauke auf Kira, aber wir waren nicht zu stoppen. Der Wind pfiff mir um die Ohren, und das Salz stieg mir in die Nase. ,,Weiter so, mein großer.“ Flüsterte ich dem Hengst ins Ohr, und ich war mir sicher, er konnte mich verstehen. ,,Okay, okay, ihr habt gewonnen, aber Kiki kann schon kaum mehr!“ Hörte ich Frauke hinter mir rufen. ,,Brrr“, ich parierte Sam durch zum Trapp, und dann zum Schritt. Ich bliebt einem Moment mit ihm stehen, wir atmeten beide ein paar mal ein und aus, dann drehten wir uns zu den Verlierern um und stellten uns neben sie. ,,Unglaublich. Sam ist so ein Kuschel- Pferdchen, und dann jedes mal hat der ein Affenzahn drauf!“ Sagte meine beste Freundin. Mehr als ein ,,Hm“, brachte ich nicht raus. Ich war so stolz auf meinen kleinen. Ich kraulte ihn unterm Bauch, wo er es besonders gern hatte. ,,Du, sag mal, Johanna.“ Begann sie. ,,Denkst du, ich hätte bei Yannik ein Chance?“ Wow, das kam unerwartet. Sie hatte zwar schon mal davon geredet, wie ,,süß“ Yannik doch sei. Aber diese Frage überrumpelte mich erstmal. ,,Keine Ahnung…bestimmt. Also soweit ich weiß, ist er solo und ist irgendwie..traurig wegen dem Unfall.“ Wir begannen wieder in Richtung Stall zu traben. ,,Also, ich hab ihn jetzt ein paar mal im Stall getroffen, und ich..“ Ihr Schoss das Blut ins Gesicht und sie starrte verlegen gerade aus. Krass, diesmal musste sie es echt erwischt haben. Sonst wurde sie nie rot, sie war total selbstbewusst, was ich total an ihr bewunderte. Ein kurzes Grinsen huschte über mein Gesicht, aber ich verkniff es mir. ,,Dann rede doch mehr mit ihm und triff dich…“ Ich unterbrach mich selbst. Gab ich ihr gerade Tipps? Ich, die noch nie einen Freund hatte, super schüchtern bei unbekannten war? ,,Ach, was weiß ich.“ Sagte ich. Es sollte eigentlich beiläufig klingen, aber ich hörte den bitteren Unterton raus.

In dem ersten Kapitel des Buches ,,Ritt nach Norden" wird der Charakter Johanna Eldenbach,20 Jahre, vorgestellt und wir erfahren direkt ein kleinen Einblick über ihr Leben, und wer wie was eine Rolle spielt.
Kapitel 2 kommt bald

Nix
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Nix
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