Mond und Nebel über der Landschaft

von Heinz Helm-Karrock
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Früher Morgen, hell liegt der Mond über der Landschaft.
Ich wartete auf meine Mitfahrgelegenheit an der Bushaltebucht. Es ist noch Dunkel am frühen Morgen der neuen Arbeitswoche.
Noch müde und etwas mürrisch stehe ich da in der Kälte und warte. Ich wechsele mein Standbein von rechts nach links, dann von links nach rechts, hin und her. Mir ist einfach kalt, es ist ungemütlich, etwas frostig feucht an diesem frühen Märzmorgen.
Ich hatte so gar keine Lust auf Arbeiten, auf die ganze kommende Woche nicht!
Ich möchte zurück in mein warmes, molliges Bett, kuscheln. Nur dieser feuchten Morgenluft und dem kalten Nebel entfliehen, der dem aufsteigenden Grau der frühen Dämmerung noch den Schatten der Nacht verlieh. Der in Abstufungen hellerem, dann dunklerem Grau alles bedeckend über den Wiesen lag, ja sogar den Wald dahinter meinem Blick heute Morgen verbarg.
„Guten Morgen Heinz, komm, steige ein?! Sage mir, träumst Du noch?“
„Guten Morgen Lisa, ich friere, mir ist kalt. Lass uns schnell dem Nebel und dieser feuchten Kälte entfliehen!“
„Der Nebel kriecht aus den Wiesen und dem höheren Wald dahinter wie ein Monster, das uns greifen will und verschlingen möchte, aus dem Bauch: siehe dahinten reißt es schon seinen Schlund auf!“
An einer Stelle im Nebel verdünnte sich der graue Vorhang, dann riss er auf und ließ einen Blick zu hinein in das eben beginnende frühe Licht.
Aus diesem Spalt im Nebelvorhang trat für einen Moment der Neumond hervor, der gerade die allererste, dünne Lichtsichel am rechten, unteren Rand zeigte. Die noch etwas dunklere Mondscheibe korrespondierte in seinem Grau mit der Farbe der Nebel davor, und zeigte mit seinem Lichtstreifen Hoffnung und Werdendes an.
Im Vorrüberfahren sah ich die schwindende Dunkelheit der Nacht, die sich noch im Grau des frühen Nebels aufhielt.

Ich sah die in dunklerem und hellerem Grau sich abstufenden Nebelschwaden, die dünnstreifig an der fahlen Mondscheibe vorüberzogen.
Der Mond stand sehr tief im Horizont, noch gerade eben über den Baumwipfeln.
Ich sah die Mondscheibe hinter den Nebeln, wie sie begann, sich mit einem hauchdünnen Lichtstreifen am unteren Rand langsam aufzulösen.
Ich sah eine Komposition, die wie Musik auf dem Horizont schwebte, die wie reine Malerei war, wie die reinste Wahrheit.
Die wie tiefste Wahrheit, rein und ergreifend am Himmel stand. Universal auflösend. In diesem Moment der Einzigartigkeit ist alles zusammengefasst: es ist die Summe von Allem.
Alle Liebe und Traurigkeit, alle Musik und Stille, alle Verzweiflung und Hoffnung, alle Verschwendung, alle Existenz. Alle Berechtigungen des Seins.
In diesem Moment meines Vorbeifahrens ist es Alles in Allem.

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