Das innere Feuer

von Alfred Mertens
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Eine nicht mehr ganz junge Frau ging, einem plötzlichen Impuls folgend, zum Fotografen.. Sie wusste eigentlich nicht so richtig warum, aber sie wollte sich einfach mal fotografieren lassen.
Im Atelier setzte sie sich vor dem Apparat, ihr Gesicht war finster, hart. Ein Gesicht, in das das Leben, die Nöte des Lebens tiefe Furchen eingegraben hatten,, ein Gesicht der Resignation,
.Eine Frau, die in ihrer äußeren Erscheinung den Eindruck vermittelte,, dass das Leben nicht mehr, zumindest nichts Freudvolles mehr bieten kann, eine Persönlichkeit voller Verschlossenheit.
Bei den Kindern der Nachbarschaft war sie zum Gegenstand der Furcht geworden. Man machte einen Bogen um sie. Oder man nahm sie einfach nicht mehr zur Kenntnis.

Der Fotograf bezog hinter seiner Kamera Position, krabbelte unter sein schwarzes Tuch,, guckte durch die Kamera, steckte seinen Kopf wieder heraus und sagte: ,, bitte etwas freundlicher,
so geht das nicht. So können wir kein Bild machen. Die Frau schaute ihn verständnislos an, dann versuchte sie es, aber der verdrossene, schwere Blick blieb derselbe. Dazu gesellte sich noch etwas wie Unverständnis,
die Worte des Fotografen zu interpretieren.

Sie müssen etwas freundlicher aussehen, Sie müssen lächeln, Sie müssen glücklich aussehen." sagte der Fotograf mit einer für seinen Beruf so typischen, ruhigen, aber festen Stimme, in der ein gewisses Maß
an Routine mitschwang.

Die Frau, war zunächst erbost:"glauben Sie doch nicht,", erwiderte sie scharf, dass eine einsame Frau heiter aussehen kann und das jemand, der wirklich verdriesslich ist, ein freundliches Gesicht machen kann,
bloß weil es ihm gesagt wird, nur weil ihn jemand dazu auffordert.. Was habe ich denn, was mich fröhlich machen könnte ? Wo sind die Dinge in meinem Leben, die mich veranlassen könnten zu lachen ?
Sie sind vielleicht ein ganz guter Fotograf, aber von der menschlichen Natur verstehen Sie wenig! Glauben Sie vielleicht, ich würde nicht gerne lachen ? Glauben Sie vielleicht, ich würde nicht gerne froh sein ?
Aber wo sind denn die Sonnenstrahlen, die in mein einsames, altes Leben hineindringen ?

Da bin ich ganz anderer Meinung" erwiderte der Fotograf, ,und durch meinen Beruf lerne ich es, in den Gesichtern und Augen der Menschen zu lesen. Ich lerne, die Runzeln und Falten zu interpretieren.Und ich habe manche Menschen
vor meiner Kamera gehabt,, der Grund genug gehabt hätte, unter der Last der ihm auferlegten Bürden zusammenzubrechen, und trotzdem war ein Leuchten, ein Glanz in seinen Augen.
Das Strahlen der reflektierenden Sonnenstrahlen des Herzens kommt immer nur von innen heraus ! Der äußere Einfluss ist dabei immer nur sekundär. Versuchen Sie es doch einmal. Versuchen Sie einmal ihr Herz dazu zu bringen, sich zu freuen.

In der Art des Fotografen lag etwas Vertrauen weckendes., und die Frau machte wirklich noch einmal den Versuch und siehe da, diesmal mit besserem Erfolg!
Das ist gut, das ist schön, Sie sehen 20 Jahre jünger aus, rief der Fotograf, als er den hellen Schein sah, diesmal mit besserem Erfolg. der das Gesicht überstrahlte.
Die Frau ging mit einem sonderbaren Gefühl im Herzen nach Hause. Es war das erste Kompliment, das man ihr seit langem gemacht hatte, und sie musste sich eingestehen,, dass dies eine angenehme Empfindung in ihr zurück ließ.

Als sie dann zurück in ihre Wohnung kam, blickte sie in den Spiegel, und sagte zu sich: vielleicht ist das gar nicht so abwegig, was der Fotograf gesagt hat, vielleicht ist doch etwas daran, aber ich will mal warten, bis das Bild
mal fertig ist. Als das Bild dann kam, blickte sie es zunächst ungläubig und erstaunt an. Ihr Gesicht schien vom vergangenem Jugendfeuer durchleuchtet. Sie starrte lange und ernsthaft darauf, es war ihr wie eine Offenbarung, und dann sagte sie mit klarer und fester Stimme zu sich:Was man einmal
tun kann, kann man wieder tun.

Sie näherte sich dem kleinen Spiegel über ihrem Pult und sagte zu sich:" Ich will heiter sein Ich will, dass mein Herz wieder warm wird., ich will mich wieder zu meinen Gefühlen bekennen. Ich will wieder aus meinen Gefühlen leben. nicht in Resignation.
Ich will wieder in mir ein Feuer entfachen,, an dem ich mich selbst aufwärmen kann. Und das alte Licht kam wieder in ihre Augen.Noch freundlicher kommandierte sie, und ein ruhiges strahlendes Lächeln, verbreitete sich über ihre Züge.

Ihre Nachbarn und Bekannten bemerkten bald die Veränderung in ihrem Aussehen, und sie sprachen auf einmal wieder mit ihr beim Einkaufen,, auf der Straße, im Autobus wurde sie angesprochen: Wie machen Sie das bloß?
Nehmen Sie ein Medikament? Gehen Sie in ein kosmetisches Institut? Waren Sie zur Kur ? Sie aber lächelte nur und sagte ganz versonnen: Ach, das kommt beinah ganz selbstverständlich von innen heraus. Es ist wohl nur wichtig, dass man innerlich
heiter ist. dass man sich innerlich wohl fühlt!

Interne Verweise

Kommentare

07. Sep 2017

Danke lieber Willi für`s Klicken und die es mir auch erlaubten meine Tipp-Fehler zu korrigieren!

Gruß Alfred