Entscheidungen - Eine Novelle von Gabriel Saadi Becker - Page 9

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war doch kein Krimineller. Lediglich Detektiv. Einer der Guten, kein Dieb sondern Rechtschaffender. Aber ich würde ihn ausleihen müssen. Nicht für mich etwa, sondern für die Sache. Es gab keinen anderen Weg. Jeden Augenblick könnte jemand kommen, und ich brauchte Zeit, um an die wichtigen Informationen zu kommen, die alles verändern würden. Somit kam ich nach mehrmaligem Abwägen zu dem Schluss, dass es moralisch vertretbar war, den Laptop auszuleihen, um letztendlich der Gesellschaft im Allgemeinen einen Dienst zu erweisen. Ich streckte eine Hand aus. Es ging also gar nicht um mich.
Nun war ich bereit, diese Entscheidung mit einer plausiblen Rechtfertigung im Hinterkopf, welche mich ungemein beruhigte, zu treffen. Ich nahm den Laptop an mich. Beim Weggehen bemerkte ich ein Foto. Darauf zu sehen waren Anne Schmitz und... das glaubte ich nun nicht: Der Mann, welcher sich im Zug mit seinem jungen Schützling unterhalten hatte. Demnach war dies Mr. Schmitz. Durch den Vorhang, die Treppen hinunter, in die Vorhalle und zu den Fahrstühlen. Direkt vor mir öffnete sich die Fahrstuhltür und der Mann, welcher sich im Zug mit seinem jungen Schützling unterhalten hatte, stand vor mir.
"Was... Wie sind sie hier hoch gekommen? Sie haben hierzu keinen Zutritt." Ich war ein guter Lügner, das war glasklar. Aber ich sah meine große Chance darin, diesen Kerl, mit niedererem Intellekt als meinem, zunächst mit der Wahrheit zu irritieren. "Ach, kennen sie die Empfangsdame im Foyer? Vermutlich nicht. Ich wartete, bis sie aufgrund der vielen Mitarbeiter, welchen sie den Zutritt genehmigen musste, so erschöpft war, dass sie die Toilette aufsuchte. Ich schnappte mir einen Ausweis aus der Fundbox und fuhr nach oben. Letztendlich schüchterte ich die Aufsichtsdame aus Stockwerk acht mit den roten Haaren und dem üppigen Decolete´ so dermaßen ein, dass sie um ihren Job bangte und mir zeigte, wie ich in den vierzehnten Stock komme. Hier angelangt, habe ich erstmal ihre Fälle durchforstet, um mir und meiner Investment-Gesellschaft einen Vorteil zu verschaffen".

Mit blutunterlaufenen Augen sah mich der Mann an. Was er fühlte: Angst. Was er dachte: Er war gerade handlungsunfähig, er dachte kaum und zusammenhangslos. Noch nie hatte er so eine Situation erlebt. Wenn er nur wüsste, dass sie keineswegs real war. Nur ein Hirngespinst in seinem Kopf. Ich brachte ihn nun in seinen, ihm gewohnten, Zustand zurück:" Also haben sie mir das denn wirklich abgekauft?", fragte ich mit gespielter Fassungslosigkeit. Er erinnerte sich kein bisschen an mich. Er sah mein Gesicht zum zweiten Mal zum ersten Mal. "Dann möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen. Ich dachte sie verstehen, dass ich Spaß mache." - "Wie meinen sie das?" - "Erinnern sie sich denn nicht mehr an mich?" - "Ich... woran denn?" - "Jetzt kränken sie mich aber", sagte ich und klopfte ihm freundschaftlich den Arm. Dann kam ich zum Schluss meines kleinen Spiels: "Wir unterhielten uns erst neulich über die Gewinne, die mein kleines Berliner Theater abwirft. Aus diesem Grund hatte ich gerade ein klärendes Gespräch mit ihrer Sekretärin, Frau Detlef." Allmählich begann er, zu verstehen, was ich ihm an Informationen anbot. Sein Gehirn arbeitete, übersah den Schwindel und suggerierte ihm: Kunde ist König, bau' keinen Scheiß', kümmer' Dich um ihn. Also sagte er: "Aber natürlich, Herr..." - "Winterstett." - "Ja, genau, Herr Winterstett. Und konnten sie das kleine Problem denn mit unserer Sachbearbeiterin lösen?" - "Aber natürlich. Ich habe extra meinen Laptop mitgenommen, um alles direkt erledigen zu können, damit beide Seiten glücklich sind." Ich hielt ihm Anne Schmitz' Laptop vor die Nase. Er roch nichts. "Wir sollten unser erfolgreiches Arbeitsverhältnis feiern. Besuchen sie uns bald in unserem Theater. Und bringen sie Humor mit. Ich möchte nicht, dass ich sie nochmals so aus der Wäsche gucken sehe, alles klar?" - "Er lachte gespielt und verabschiedete sich freundlich.

Schluss mit freundlich. Ich wusste genau, dass der Mann Anne Schmitz' Ehemann war. Und ich wusste genau, dass er in spätestens drei Minuten die Security nach mir suchen lassen würde. Denn in einer Minute würde er bemerken, dass die Sekretärin nicht anwesend war. Ich war inzwischen im Foyer, lächelte der Empfangsdame freundlich zu, sie erwiderte das Lächeln. Und in zwei Minuten würde er bemerken, dass der Laptop in meinen Händen eigentlich in seine gehörte. Ich verließ das Gebäude. Wutentbrandt würde er zum Telefon greifen. 1337, interne Schnellwahl. "Dawson und Janson Security, was kann ich für sie tun? - " - "Hier spricht Schmitz. Ein Mann in auffälligem blauen Anzug. Er hat vertrauliche Informationen entwendet. Er trägt einen gestohlenen Laptop unter dem Arm. Fasst ihn!" Ich betrat die U-Bahn, suchte mir einen Platz und fuhr weg. Die Security war gerade dabei, zu realisieren, dass ihre Mittagspause frühzeitig beendet wurde und sie ihr Vesperbrot wohl liegen lassen müssten.

Interessant, wie sich alles geändert hat. Ursprünglich hies es, ich solle Anne Schmitz des Betruges überführen. Nun hatte ich belastende Informationen über meinen Auftraggeber ans Licht gebracht. Ich war mir gerade unsicher, was ich tun sollte. Die Infos zurückhalten, abwarten, was ich auf dem Laptop finden würde und bezahlt werden. Wie vereinbart. Ehrenvoll. Nein auch nicht ehrenvoll, denn es war für die falsche Sache. Aber es wäre auch falsch. Wirklich ehrvoll wäre, auf das Geld zu verzichten, gar die erste Hälfte wieder zurückzugeben. Mit Domenique reden. Dass er gehörig Scheiße gebaut hat und dafür bezahlen wird. Aber ihn nicht verpetzen. Ich brauchte das Geld. Meine Existenz war in Gefahr.
Ich sehnte mich zurück in eine Zeit, als ich mir keinerlei Gedanken machen musste. Ich sehnte mich zurück in eine Zeit als ich Kind war. Aber die Zeit eilt. Und wir mit ihr.

Daheim angekommen, beeilte ich mich, sobald wie möglich Zugriff auf den Laptop zu erhalten. Ich schloss ihn an das Stromnetzwerk an. Dann ging ich mit meinem Hauptrechner ins Internet in ein kleines Hacker-Forum. Die Mitgliedschaft für "Nicht-Hacker" kostete dort. Denn gab man seine IP-Adresse an und erteilte den Auftrag, den in das Stromnetzwerk integrieten Computer mit der unbekannten IP-Adresse zu entschlüsseln, dauerte es keine zwei Stunden, bis man einen Zugangscode erhielt. Die Jungs waren sehr zuverlässig. Schon oft habe ich mit ihnen gearbeitet.
So kam es, dass ich

Ich würde mich sehr über Kritik jedweder Art freuen, um mich zu verbessern. Haut es frei heraus:-)

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