Public Feelings

Bild von Nicole Schrake
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Trotz der Sahara-Hitze schleppte ich mich als glühende Patriotin zum Public Viewing in mein winziges Nachbarstädtchen. Im Radio lief „Marchin On“ von OneRepublic, der Ohrwurm schlechthin. Das Cabriolet-Verdeck meines Kleinstwagens glitt leise schnurrend zurück und wenig später flitzte ich gutgelaunt über die sonnenüberfluteten Landstraßen des Münsterlandes; über mir der stahlblaue Himmel, Wind in meinem Haar und Vorfreude im Herzen. Deutschland, ein Märchenland.

Schnell erreichte ich meinen Zielort und parkte unweit des Marktplatzes, auf dem das Public Viewing stattfand. Überall gutgelaunte Fans, Schwarz-Rot-Gold, wohin man auch sah ein Fahnemeer. Wie immer ließ ich mich nur zu gern von diesem Virus infizieren. Der Platz war gut gefüllt, die Bierstände umlagert; der kühle Gerstensaft floss in Strömen. Polizei und anwesender Sicherheitsdienst beäugten das Geschehen; das Verhalten der Fußballverrückten gab aber keinen Grund zur Beanstandung. Eine friedliche Riesenparty.

Es ging los. „Wir schalten live nach ...“ Mein Herz klopfte. Das Vuvuzela-Konzert setzte ein, als die deutsche Fußball-Équipe den Rasen betrat. Mannschaftsaufstellung, dann unsere Hymne. Wie immer überzog sich mein Körper mit einer Gänsehaut; ich stimmte in das Konzert der anderen Fans ein, traf die Töne zwar nicht, sang aber voller Inbrunst und im Gegensatz zu Sarah Connor konnte ich den Text. Pflichtschuldig lauschte man danach der Hymne des Gegners.

Beifall brandete dann auf dem Marktplatz auf; Anpfiff. 90 Minuten Bangen, mitfiebern, leiden, freuen, hoffentllich. Und dann bereits in der 3. Minute das 1. Tor 1: 0 für Deutschland; welch ein Start. Ein ohrenbetäubender Jubel brach aus; als Maradona‘s finstere Miene auf der Leinwand erschien, ertönten Pfiffe. „Ich mach Dir eine Pizza Maradona; die geht ganz schnell, hat nix drauf." gröhlte ein in eine Deutschland-Fahne gehüllter Mann; wieherndes Gelächter ertönte. Die Stimmung war mehr als ausgelassen. Imitten des Pulks schien die Hitze den Siedepunkt zu erreichen.

Mein T-Shirt klebte an mir, Schweiss bedeckte meinen Nacken; ich hoffte nur, dass mein Deo das hielt, was die Werbung versprach. Umfallen konnte man nicht, so dicht war nun das Gedränge, Geschubse. Ich drehe mich um; hinter mir baute sich ein Kerl wie eine Schrankwand auf, blond, graue, lustig funkelnde Augen. Nicht schlecht, der durfte auf meiner Reservebank Platz nehmen. Ich grinste ihn an; er grinste zurück.

Ich richtete mein Augenmerk wieder auf das Spiel, konnte mich aber doch nicht so recht konzentrieren. Der Unbekannte hinter mir brachte mich auf andere Gedanken. Die Wärme, die sein Körper ausstrahlte, spürte ich förmlich; er schwitzte auch, doch sein Geruch vermischte sich mit dem Duft eines guten After-Shaves. Meine Nasenflügel vibrierten. Er roch phantastisch. Verspätete Fans drängten sich durch die Massen; der Platz war jetzt zum Bersten voll; Distanz war unmöglich und so spürte ich, wie der Unbekannte noch näher an mich heranrobbte.

Wenn ich mich nur minimal nach hinten lehnte, konnte ich seine Brust an meinem Schulterblatt spüren; eine sehr angenehme Vorstellung. Das Spiel interessierte mich momentan weniger; vielmehr genoss ich die Nähe des Unbekannten. Plötzlich spürte ich wie eine Hand zart über die Rückseite meines rechten Armes fuhr; ganz behutsam, einem Hauch gleich, intensiv, verheißungsvoll. Ich hielt still, schloss die Augen und genoss diese Berührung. Der Fremde, ermutigt durch mein Verhalten, ließ seine Hand über meinen Rücken wandern, streichelte meinen Po.

Ich ging einen Schritt zurück und da war kein Raum mehr zwischen uns; nur plötzlich aufflackerndes Verlangen. Ich ließ meine Hände vorsichtig nach hinten gleiten und nestelte am Reißverschluss des Fremden, öffnete den Hosenschlitz; meine Finger glitten hinein, tastend, prüfend. Sein heißer, steifer Penis zuckte ungeduldig; meine Handflächen wurden feucht. Ich rieb seinen Schwanz, genoss diese Härte und hätte ihn nur zu gern in mir gespürt; irgendwo, in einer verwinkelten Nische; ein Quickie, während um uns herum die Meute gebannt auf den Bildschirm starrte, hemmungsloses Vögeln, schnell, hart, zielorientiert, ohne Geschnörkel.

Die Hände des Unbekannten glitten in die weiten Taschen meiner Marlene-Dietrich Hose; seine Finger zeichneten die Konturen meines Slips nach und ich stand augenblicklich in Flammen. Ich rieb meinen Hintern an seiner Erektion, ganz minimal und doch mit einer eindeutigen Botschaft. Er umfasste meine Hüften fester, streichelte mich weiter und ich spürte, wie ich immer feuchter wurde. Meine Beine zitterten. Ich spreizte sie ein wenig und genoss seine frechen Finger, die Kuppen seines Zeige- und Mittelfingers, die meine zarte Spalte fanden, massierten, in einem unwiderstehlichen Rhythmus, der mich atemlos machte.

Ich packte fester zu; hätte alles darum gegeben, ihn jetzt in mir zu spüren, diesen steifen Schwanz; die Lippen des Fremden auf meinem Mund, während er tief in mir war und mich um den Verstand fickte. Seine Eichel war so heiß und samtig; ich knetete sanft die seidigen Hoden des Unbekannten, schloss die Augen und lehnte mich an ihn. Ich würde kommen, hier und jetzt, beim Public Viewing. Meine Nippel drückten sich durch mein enges, weißes T-Shirt. Das Spiel rauschte an mir vorbei; eine neue Torchance der Deutschen und das dadurch aufbrandende Getöse um uns herum, übertönte mein lustvolles Stöhnen als ich mich den Fingerspielen des Fremden ergab und kam.

Mein Orgasmus überflutete mich, ließ mich fast taumeln, doch der Unbekannter hielt mich fest, stützte mich, gab mir Halt. Ich ergriff seinen Penis fester, wollte seine heiße Cremè auf meinen Fingern spüren. Ich hörte seinen keuchenden Atem, spürte, wie er sich unter meinen Liebkosungen verkrampfte und sich wenige Augenblicke später in meinen Händen ergoss. Ich sah mich verstohlen um; niemand schien unsere kleine Trainingseinheit der besonderen Art mitbekommen zu haben.

Der Unbekannte beugte sich vor und hauchte mir einen Kuss in den Nacken. Mein ganzer Körper stand unter Strom. Ich drehte mich um und sah ihn an. Der Blick seiner Augen sagte mehr als 1000 Worte. Meine spermabedeckten Hände ließ ich unter sein T-Shirt gleiten und verteilte den Nektar seiner Lust auf der verschwitzten Haut. Er löste sich von mir, lächelte und verschwand dann in der Menge. Halbzeitpause. Wenig später sah ich den Blonden wieder; in den Händen zwei Alster. Er bahnte sich den Weg zurück zu mir, reichte mir ein vor Kälte beschlagenes Glas: „Du bekommst von mir die Kapitänsbinde“. sagte er mit einem frivolen Grinsen und sah mir tief in die Augen.

Die Spanier sind nun unser nächster Gegner. Wie eine große, deutsche Boulevardzeitung heute berichtete, wurde Paul, der orakelnde Oktopus aus Oberhausen, in einem Fischrestaurant gesichtet; er tauchte jedoch dort nicht als Gast auf ...

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