Auszug aus dem Leben eines Mädchens (9)

von claire brady
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Zurück zu dem Zeitpunkt als Patrick mich abserviert hat. Die ersten Tage waren schmerzhaft. Ich dachte immer wieder darüber nach warum kein Mann mich um meinetwillen lieben würde, sondern nur für meine Kunst (so nannte ich es tatsächlich). Ich hielt mich für einen schlechten Menschen, in meinen Kopf war das Glas immer halb leer. Ich sehnte mich doch nur nach Zuneigung und Anerkennung. Weil ich mich, wie ich bereits erwähnte, hässlich und fett fühlte, musste ich was ändern. Vielleicht würde es mir so gelingen jemanden an mich zu binden.

Nachdem eine Vielzahl an Diäten nicht anschlugen, verfiel ich der Bulimie. Ich war gut darin es zu verstecken. Niemand hatte auch nur den Hauch einer Ahnung. Fressattacken waren mein täglicher Begleiter und das Kotzen war schöner als jeder Orgasmus. Ich verlor schnell 20 Kilo und allen denen es auffiel, band ich den Bären auf, ich würde das durch Homeworkouts verlieren.Schnell bemerkte ich, wie ich nun auf mein Umfeld wirkte. 1,70 gross, 60kg, lange blonde Haare,geschminkt wie eine Nutte und große Brüste.

Ich war nie ein Mensch der gern feiern ging, jedenfalls bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, also suchte ich mir meine Beute im Internet. Einige Freunde von Kyle schleimten sich bei mir ein und überhäuften mich mit Komplimenten. In dem Moment war es Balsam für mein gestörtes Bild von mir selbst. Um mich zu rächen lud ich einen weiteren Freund von Kyle zu mir ein. Ich wollte nicht groß reden, ich wollte die Sache einfach hinter mich bringen um mich besser zu fühlen. Direkt nach dem kleinen Intermezzo, schickte ich Johnny, einen von Kyles Freunden, nach Hause. Das schien ihm auch ganz recht zu sein, er hatte ja bekommen was er wollte.
Nun saß ich da, frischgevögelt und sollte mich eigentlich unschlagbar fühlen. Dem war aber nicht so, schnell kamen die schmerzlichen Gedanken wieder. Ich verabscheute mich, ich wollte sterben und mich leiden sehen. Ich wusste ich würde mir mit One-Night-Stands am meisten schaden. So nahmen die Dinge ihren Lauf und ich wurde zu der größten Schlampe überhaupt. Es war wie eine Sucht, ich konnte es nicht lassen. Ich war mir selbst nichts mehr Wert. Das war der einzige Weg mir ein bisschen Zuneigung zu holen. Natürlich wusste ich, dass diese Männer nichts für mich übrig hatten, aber gereicht hat dieses bisschen Nähe trotzdem um nicht ganz die Lust am Leben zu verlieren.
Ich kotzte immernoch hin und wieder, nicht so oft wie zu Beginn, denn das würde auffallen. Ich wollte nicht abgemagert aussehen, aber mein Gewicht irgendwie halten. Das hat gut funktioniert und bis heute, kam mir niemand auf die Schliche. Eines meiner vielen Geheimnisse eben.

Irgendwann reichte mir das Kotzen und der ständige Männerwechsel nicht mehr. Ein Tapetenwechsel musste her. Die Wohnung konnte ich alleine nicht mehr halten, also nahm meine Tante mich bei sich auf, bis ich was neues finden würde. Sie stellte mir ein Zimmer zur Verfügung. Es ging einige Wochen gut, aber dann war da wieder dieser Drang. Dieses Verlangen nach Zuneigung. Natürlich konnte ich niemanden zu meiner Tante einladen und ging raus. Ich war oft bis spät in die Nacht weg. Meine Tante hatte dafür nicht viel Verständnis und wir stritten uns oft. Das versetzte mir jedes mal einen Stich, weil ich meine Tante so sehr liebte und ihr einfach nur gerecht werden wollte. Noch einer meiner Macken: Der ständige Kampf mit mir selbst um es allen Recht zu machen.

Ich blieb eine Weile zu Hause, mit den immer wiederkehrenden Gedanken nichts wert zu sein. Jeden Tag das gleiche Szenario: arbeiten gehen, nach Hause kommen, schlafen. Es war so aussichtslos und ich starb jeden Tag ein bisschen mehr. Meine Tante hatte ständig was an mir zu meckern, ich verstand nicht, dass sie einfach ihre Privatsphäre vermisste und bezog alles auf mich.

Wir bekamen eine neue Kollegin auf der Arbeit, Liz. Wir verstanden uns auf Anhieb und wurden zu Freundinnen. Ich ging fast täglich zu ihr, sie lenkte mich ab von den vielen Selbstmorden in meinem Kopf. Wir tranken die erste Zeit nur Kaffee und redeten über Beauty, Sex und neue Frisuren, den typischen Mädchenkram. Doch schon bald würde Liz mir eine andere Welt zeigen.

To be Continued….

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