Sterben

Bild von P3tb0y
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Das ist also Sterben.
Ich drücke die blutverschmierte Hand an meine warme Brust. Fasst bleibt mir die Luft weg. Ich keuche. Ich betrachte die rötlich gefärbte Schneide des Messers. Es steckt tief im Fleisch. Tödlich. Ich bemerke wie die Umgebung um mich herum erst leicht zu flimmern beginnt und dann verschwimmt. Das Blut pocht in meinen Ohren. Ich schließe die Augen und berühre das aufgerissene Fleisch der Wunde. "Es könnten Bakterien in die Wunde kommen", schreit meine Mutter in meinem Kopf und ich muss schmunzeln. Darum muss ich mich wohl am wenigsten sorgen. Mein Atem geht schnell doch als ich die Augen schließe, merke ich wie er langsam abflacht. Ich öffne sie und starre auf die Fliesen. Das Blut sickert in die rauen Scharten zwischen den einzelnen Bahnhofstoilettenfliesen, breitet sich aus, tritt über die Ränder und bildet eine dunkle Lache auf den weißen Keramikplatten. Es ist Zeit denke ich, lächle und ziehe das Messer aus dem Bauch des Mannes. Ich wische es an seinem Hemd ab, er braucht es ja wohl nicht mehr, stehe auf und verschwinde durch die Tür der Bahnhofstoilette. Fast vergesse ich meinen Mantel, den ich mir vorher sorgfältig wieder überstülpte und der mein Hemd verbarg zu schließen. Ich grüße den alten Mann , der mich in diesem Moment passiert und er lächelt als Antwort zurück. Das typische irritierte Lächeln eines Menschen, der nicht mit einem solchen Eindringen in sein persönliches Umfeld gerechnet hat. Ich verlasse den Bahnhof auf dem Weg nach Hause und während ich gerade den Kaugummiautomaten vor der Rolltreppe passiere schwöre ich mir mich beim nächsten mal nicht so hereinzusteigern.