Grillen

von Balthasar Mowdray
Mitglied

"... Und deswegen bin ich für lockerere Waffengesetze. Ich meine was soll man denn noch machen, wenn wieder einer dieser Flüchtlinge unserere Frauen angeht?", sagte der eine, nahm ein kleines Würstchen aus der Plastikverpackung und schmiss es auf den Grill. Die eine sah ihn schockiert an. "Du bist immer so brutal." Die kleinen Zähnchen an ihrem Messer rissen das Fleisch und sie nahm einen Bissen von ihrem Steak. "Wieso das denn jetzt?" fragte er und verzog das Gesicht. "Ich sage doch nur meine Meinung. Wenn die hierherkommen, sollen die gefälligst ein wenig Respekt haben, weil..."
"Können wir aufhören darüber zu reden.", die Stimme des anderen wirkte entnervt. "Ich habe jetzt keine Lust darüber zu reden."
"Na schön",grummelte der eine. "Möchtest du ein Würstchen haben?"
"Nein",erwiederte der andere."Ich bin Moslem, das weißt du doch. Gib mir lieber eines von den Hähnchenschnitzeln ." Der eine tat wie geheißen. Als er dem anderen den Teller überreichte bedankte sich dieser. "Hast du mittlerweile eigentlich eine Bestätigung vom Amt erhalten?", fragte er den einen, doch dieser schüttelte den Kopf. " Neee, die schlafen da gefühlt alle. Deswegen hab ich euch auch gebeten hier was beizusteuern, sonst könnt ich mir das gar nicht leisten."
"Beim Bäcker um die Ecke haben die nen Job ausgeschrieben. Warum bietest du dich nicht einfach mal an?" fragte die eine. Der eine schnaubte verächtlich. "Ich hab doch nicht Jahrelang studiert um am Ende irgendwo als Verkäufer Brötchen zu verticken. Außerdem nimmt mir das Amt ja gleich alles wieder weg, was ich einnehme. Da kann ich auch gleich zuhause bleiben." Die eine zuckte mit den Schultern. Dann wandte sie sich an den anderen. "Und wie geht es deiner Frau?"
"Gut."
"Gut?"
"Stress. Auf der Arbeit. Ihre Urlaubstage wurden von 30 auf 26 im jahr gekürzt. Deswegen fällt unser Trip nach Rom dieses Jahr ins Wasser.", sagte er und ließ ein Stück des abgetrennten Hähnchens in seinem Mund verschwinden.
"Das ist ja ungeheuerlich.", rief die eine. "Wie können die das einfach machen? Wir sind auch nur Menschen mit einer Belastungsgrenze."
"Echt mal.", steuerte der eine bei.
"Kann man halt nichts machen."erwiderte der andere. Dann deutete er auf einen grauen Fleck auf dem Fleisch. "Bist du dir sicher, dass das noch gut ist?", fragte er den einen. "Keine Ahnung",antwortete dieser. "Steht schon ne gute Woche im Kühlschrank." "Ist ja wiederlich." Mit einem klacken öffnete sich der Mülleimer und das Fleischstück plumpste auf den Plastikboden. "Ist nicht schlimm.",sagte der eine. "Um die Ecke im Supermarkt sind noch Hähnchenstreifen im Angebot. Da hab ich auch die Würstchen her. "Dann geh ich noch welche holen.",grummelte der andere, dann stand er auf und verließ den Garten und dann die Wohnung durch das graue Treppenhaus.

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