Neuanfang

von Dieser Tage
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Dieser Tage fühlt sie sich gut. Es gab länger keinen Stillstand für sie.
Keine dunklen Tage, keine Dämonen.
Alles scheint rasend schnell zu passieren.
Aber so ist das nun mal, wenn das Licht plötzlich stark genug ist, um durch die Dunkelheit zu brechen.

Bis auf die Zigaretten und die Joints ist da in letzter Zeit nichts, was ihr das Atmen erschwert.
Bei diesem Gedanken lächelt sie und holt tief Luft.

Sie riecht die Frische des Frühlings, selbst an der S-Bahn-Station.
Sie schließt die Augen und nimmt plötzlich das Vogelgezwitscher wahr, das trotz des Lärms der nahgelegenen Straße zu ihr durchdringt.
Die Sonne wärmt ihr Herz und ihre Seele.
Ja, verdammt, ihr geht es gut.
Sie fühlt sich leicht und frei.
Dankbarkeit durchströmt sie.

Sie hatte sich im letzten halben Jahr von vielen Dämonen befreit. Sie hatte so vieles dazugelernt.

Manche ihrer Freunde verstehen immer noch nicht, dass sie beschlossen hatte, ihr Leben anders zu leben.
Die Sorge in ihren Augen macht das Gerede nicht besser, mit dem sie sie zumüllen.
Immer wieder betont sie, wie gut es ihr geht, wie glücklich sie jetzt ist.
Manchmal hat sie das Gefühl, sie wollen es nicht hören. Sie sind zu sehr in ihrer Sorge und in ihrem sinnlosen Verantwortungsgefühl gefangen. Sie wollen sie nicht begleiten, sie wollen sie verändern. Anpassen. Ihre „Störungen“ beheben.
Doch sie weiß, dass sie ihren Lebensweg gehen wird, und wer nicht an ihrer Seite, sondern mit erhobenem Finger vor ihr steht, wird stehen gelassen.

Diese Freiheit hat sie sich lange erarbeitet und darauf ist sie stolz.
Es hat Jahre gebraucht, bis sie begreifen konnte, dass sie nur ihren eigenen Erwartungen gerecht werden muss. Noch viel länger hat es gedauert, bis sie ihr Vertrauen wiederfand. Doch heute spürt sie die Kraft in ihrem Körper und in ihrem Geist; sie spürt den Mut, für sich einzustehen.
Sie weiß jetzt, dass es auf dieser Welt auch für sie etwas Schönes gibt.
Sie weiß, dass die dunklen Tage ihr helfen, die Negativität zu verpacken, und dieses Wissen gibt ihr Macht. Sie hat keine Angst mehr.

Die Bahn fährt ein. Die Türen öffnen sich. „Ich bin immer noch hier“ denkt sie „und ich werde nicht aufgeben!“.

Ein glücklicher Moment, ein Neuanfang, neuer Mut und neue Lebenslust.

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