Auszug aus dem Leben eines Mädchens (13)

von claire brady
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Nachdem Chris der selben Meinung wie Liz war, redete ich mir ein selbst Schuld zu sein. Ich war überzeugt davon Schuld an allem zu sein, am Missbrauch durch den Freund meiner Mutter, an der Vergewaltigung von Justin und Sean und das meine Mama mir so wenig Liebe entgegen brachte. Aus der extrovertierten und lebensfrohen Frau, die ich wenigstens eine kurze Zeit war, wurde wieder ein schüchternes Mauerblümchen mit riesigen Selbstzweifeln. Als wäre das nicht schlimm genug, erzählte mir Liz, dass sie einen Mann übers Internet kennen lernte und in vier Wochen zu ihm zieht. Liz ließ mich also allein und zog 300km weit weg.

Das positive am Umzug von Liz war, dass sie mir ihre Wohnung untervermietet hat und mir ihre Möbel für 500 Euro dort ließ. Ich habe meine Ausbildung beendet und lebte nun überbrückend vom Sozialamt. Super Entwicklung nicht wahr? Ich freute mich endlich meine eigenen vier Wände zu haben und bin so schnell wie möglich bei Mama ausgebrochen.

Chris half mir beim Umzug und war ebenfalls glücklich, dass wir nun mehr Privatsphäre hatten. Er war mittlerweile auch kein Soldat er. Chris begann eine zweite Ausbildung zum Gerüstbauer. Wir hatten nun viel mehr Zeit füreinander und verbrachten jede freie Minute miteinander. Er war immernoch zuckersüß zu mir. Ich war seine Prinzessin. Allein diese Bezeichnung reichte um die schlechten Angewohnheiten von ihm auszublenden.
Bevor ich nichts tat, machte ich die Sachkunde um Security zu werden. Das war ziemlich einfach, ich nehme an deswegen sind viele hoffnungslose Fälle Securities. Zu irgendwas mussten sie ja gut sein. Ich zählte mich selbst zu diesen Fällen, aber wenigstens hatte ich wieder Arbeit. Chris gefiel das überhaupt nicht. Er war ein neunmalkluger Besserwisser, der es sich zum Hobby gemacht hat mich von morgens bis abends zu belehren. Alle meine Pläne waren in seinen Augen dumm. Er hatte immer recht und Ich war ein kleines Mädchen ohne Plan vom richtigen Leben. Ich wollte in meinen alten Beruf zurück und schrieb hunderte von Bewerbungen, aber keiner wollte mich. Es war als hätte ich mich zurückentwickelt, wie ein Déjà-vu.

Je mehr Chris versuchte mich in allen meinen Zielen zu bremsen, umso mehr wurde mir klar, dass ich ihn nicht liebe. Er war eben Mittel zum Zweck um meine Sucht zu befriedigen. Ich ließ mir immer mehr ausreden einfallen um ihn nicht sehen zu müssen. Ich hatte grosse Angst davor Schluss zu machen, weil ich wusste wie beeinflussbar ich war. Ich ging ihm einfach so lang aus dem Weg bis er selbst Schluss machen würde. In dieser Zeit dachte ich oft an Patrick, hatte aber nicht den Mut ihm zu schreiben.
Chris wurde immer misstrauischer und hinterfragte warum ich mich so gewendet habe. Ich musste den Mut fassen und es raus lassen. Ich sagte ihm ich bräuchte keinen Vormund, den hatte ich nicht mal als Kind. Ich wollte nicht belehrt werden und ständig hören wie scheisse ich bin oder wie unrealistisch meine Träume sind. Ich ließ alles raus. Chris wollte das gar nicht hören, für ihn war die Sache klar: ich musste einen anderen haben.

Nachdem Schluss war rief er mich immer wieder an, um heraus zu finden wer der neue war, der gar nicht existierte. Ich wollte nur meine Ruhe haben und traf mich ein letztes mal mit ihm, in der Bar in der wir uns kennen lernten. Ich sagte ihm, dass ich mir was vorgemacht habe, dass so viele Dinge an ihm mich einfach stören und ich sie nicht einfach ausblenden könnte. Er war verletzt, wo er doch in seinen Augen die Perfektion eines Menschen war. Zu Hause angekommen dauerte es nicht lang und ich erhielt eine SMS von ihm. Er bezeichnete mich als kleine Schlampe und riet mir die Straßenseite zu wechseln wenn ich ihn sehen würde. Ich hatte keine Angst, ich kannte das ja schon von früher.

Nachdem Liz weg war und Chris doch nicht meine grosse Liebe, ging ich an den Wochenenden zu meinem Bruder. Er war mittlerweile auch erwachsen und schmiss kleine Parties. Ich war nicht mehr wie früher, dass ich mich bei jedem der nicht bei drei auf dem Baum war auf den Schoß setzte. Ich saß auf der Couch mit meinem Jacky-Cola und hörte einfach den Jungs zu. Ich war das einzige Mädchen auf den Parties, aber trotzdem willkommen.
Zu einem Freund von ihm hatte ich einen sehr guten Draht. Jeremy war immer da und verwickelte mich in Gespräche. Er wollte so viel von mir erfahren und quetschte mich aus. Ihr wisst ich offenbare immer nur belangloses von mir, dass keiner auf die Idee kommt mich einweisen zu lassen. Jeremy hatte eine Freundin und war sehr gutaussehend. Er war ein lustiger Draufgänger und mochte meinen dreckigen Humor. Seine Freundin war nie auf den Parties, aber damals gab es mir noch nicht zu denken.

An einem Wochenende waren Jeremy und ich nur noch zu zweit im Wohnzimmer meines Bruders. Die anderen lagen halbtot im Schlafzimmer, weil sie zu viel gesoffen hatten. Auch ich war angeschwipst, leider wird meine Zunge unter alkoholeinfluss immer locker, das schien ihn irgendwie anzumachen. Es kam wie es kommen musste, er streichelte mich, er zog mir die Hose aus und verschwand mit seinem Kopf zwischen meinen Beinen. Ich hab den Kick schon ein bisschen vermisst, aber ich war nicht mehr so mutig. Es fühlte sich gut an, leider schlief ich mittendrin ein, es war sechs Uhr morgens und mein Alkoholpegel zu hoch.
Als ich aufwachte, war er weg. Er fand mich im Chat und schrieb mir, dass es eine wunderschöne Nacht war und ich ihm meine Nummer geben solle. Im Hinterkopf hatte ich natürlich seine Freundin, doch es machte mir auch nichts aus, denn ich war ja frei. Ich hab ihm meine Nummer und er kam mich besuchen. Er parkte immer in dunklen Ecken , damit niemand wusste wo er war. Wir verbrachten Stunden damit zu reden. Manchmal hatten wir Sex und manchmal eben nicht. Es war locker und aufregend, weil es eigentlich verboten war.
Nach ein paar treffen entwickelten sich Gefühle zwischen uns. Er sagte, er würde mich lieben und seine Freundin verlassen. Ich müsste nur noch ein bisschen warten, bis er alles geregelt hat. Sie hatten eine gemeinsame Wohnung und ein gemeinsames Konto. Es vergingen Monate und wir kamen kein Stück voran. Wir feierten gemeinsam Silvester bei meinem Bruder und nach null ihr kehrte er zurück zu ihr. Ich war so dumm mich darauf einzulassen. Ich hätte wissen müssen, dass ich wieder nur als Spielzeug diene.

Jeremy hat sie nie verlassen, ich wurde wohl irgendwann langweilig und er sagte er würde seine Freundin lieben und wüsste nicht warum er behauptet hat mich zu lieben. Es war einfach so aufregend mit mir und jetzt war er satt von mir und wollte sesshaft mit seiner Freundin werden. Kurz nachdem er mir das an den Kopf knallte, verlobte er sich mit seiner Freundin. In den neuen Zeiten von Facebook, erfuhr man ja alles direkt. Manche Leute missbrauchen es eben als Tagebuch.

Ich war gekränkt und sauer. So sauer auf alle Männer. Männer wollten einfach immer nur meinen Körper oder mir überlegen sein, sie wollten immer nur meine Unterwürfigkeit ausnutzen. Nie interessierte sich jemand für mein inneres. Niemand bis auf Patrick. Ich wollte mich rächen, an allen Männern für alle Frauen dieser Welt die verarscht werden. Für alle Frauen die geliebt werden wollten und sich dafür aufopferten. Ich hatte sogar überlegt, Jeremys Verlobten von unserer Monate langen Geschichte zu erzählen. Aber er würde daran schon genug zu knabbern haben, er musste ihr in die Augen sehen und ihr ins Gesicht lügen, es hätte keinen Stil gehabt ihr das vor den Latz zu knallen. Jeremy machte das noch ein paar mal mit einigen Frauen und irgendwann kam sie dahinter, dass er untreu war. Aber auch sie musste verzweifelt an einem Strohhalm festhalten, denn sie verzieh ihm alles.
Ich hingegen hatte mehr Hass in mir als ich schlucken konnte und verfiel in alte Muster. Meine Reize wusste ich wieder einzusetzen und so ging ich mit meiner Schwester in die damalige Stammbar von Liz und mir…

To be Continued …

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