Tag der offenen Tür an einer „Elite-Schule“?

von Sabrina Jung
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Heute ist Tag der offenen Tür, denk so, was für ne Kür, heute mal ein Gymnasium für den Großen anschauen, in der Hoffnung auf Bildung zu bauen. Wir kommen rein, alles fein, gehen treppauf, schnief und schnauf, Treppen laufen geht noch, wenn auch unterm Joch, stehen erwartungsvoll vor der Aula, die heißt auch gar nicht Paula, obwohl das zu der Aula passen würde, dann wär es nicht so eine große Hürde. Dann endlich öffnen sich auch da die Türen, in großer Hoffnung neue Schüler zu verführen. Alle setzen sich ganz brav auf einen Stuhl, manch einer möchte auch sein besonders cool. Auch werden alle mit Musik empfangen, das steigert dann vielleicht das Verlangen, zu dieser Schule gehören zu wollen, dieser erwartungsvoll anspruchsvollen. Erwartungen kann man ja schließlich haben und sich im Geiste an seinen Erwartungen erlaben, denn in dem Bezirk wird gemunkelt, dabei wird nicht geschunkelt, dass diese Schule nur einer Elite zugedacht, von daher ziehen die so einige in Betracht. Alle sitzen immer noch brav in der Aula auf ihrem Stuhl und keiner fühlt sich damit irgendwie fool. Dann geht es los, so ganz famos. Die Rede beginnt, gar nicht geschwind. Die Schulleitung wird aufgerufen und schleppt sich rauf die Stufen, natürlich auf die Bühne der Aula, die immer noch nicht heißt Paula. Jetzt ist sie aber an der Reihe, was für Jubelschreie. Manch einer schaut sie verwundert an, obwohl sie gar nichts dafür kann. Sie erzählt vom Inhalt der Schule, ohne viel Bambule, dann betont sie nochmals sehr und das gleich noch ein bisschen mehr, dass die Schule sich gegen Mobbing einsetzt, sie wirkt dabei ein wenig gehetzt, soll man ihr nun Glauben schenken oder vielleicht auch an was anderes denken, denn wenn man sich die Tonlage dabei anhört, wirkt sie zugleich dabei ein wenig verstört. Egal, sie hat die Qual der Wahl auf ihrer Powerpoint-Vorlage entdeckt und schnell, ein anderes Thema hat sie ausgeheckt, frei nach dem Motto, das sagt nicht Otto, sondern sie, kapier´s nie. Jetzt ist mal Latein dran und schaut euch mal die Lehrerin an. Die Lateinlehrerin wird zitiert, es läuft wie geschmiert, wirkt ein wenig altbacken, aber sie will mit uns Latein knacken. Sie möchte uns gern darlegen, wie spaßig doch Lateinlernen sein kann, sicherlich denken manche, wie toll doch, Mann oh Mann! Die Frau ist ein wahrer Segen, auf irgendwelchen Abwegen. Auch sie liebt Powerpoint-Folien und sie kommt nicht aus Anatolien. Sie zeigt uns allen Ernstes abfotografierte Papierkörbe mit lateinischen Worten, mein Gefühl sagt mir, die kommt von ganz anderen Orten. Dann sagt sie noch zu den Kindern, nicht zu den Indern: „Schaut mal ein „Mars“ gibt es auch, davon macht der „Kriegsgott“ Gebrauch. Und auch „Bon Aqua“ könnt ihr trinken und dabei dem Latein zuwinken, ist Latein nicht cool.“ Die Frau ist gar nicht fool. Wenn ich dann an meine damalige Lateinlehrerin denke und in der Erinnerung schwenke, dann hatte sie immer eine interessante Legend und der Unterricht war aufregend, das war wirklich Latein pur, einfach super nur. Aber das hier jetzt und heute, was war das Leute? Verstehe es einfach nicht, aber das ist noch nicht das Ende der Geschicht. Nein es geht noch munter lustig weiter, und das auch weiterhin ganz heiter. Jetzt schnell noch zu allerletzt, wird ein wenig gehetzt: Es wird die stellvertretende Schulleitung aufgerufen, auch der junge Knabe schleppt sich hinauf die Stufen, die Stufen rauf, so ist der Verlauf, ist so Ende zwanzig und sieht aus ein wenig ranzig, aber das versucht er mit dem Vollbart und seinem Anzug zu kaschieren, damit die Leute es nicht gleich kapieren. Dann fängt auch er an zu erzählen, aber er will die Leute gar nicht quälen, jedenfalls nicht mit langen Geschichten und auch nicht mit selbst erfundenen Gedichten. Er nimmt drei Schüler als Vorbild zum Werbeschein für diesen schulischen Verein. Dann sagt er, das ist keine Mär: „Dann erzählt mal ein bisschen was von dieser tollen Schule hier.“ Das sagt er wie ein Offizier. Gesagt, getan, der eine heißt Jonathan und fängt an zu erzählen, man meint er möchte die Schule quälen: „Also ich habe hier die vier Fälle gelernt.“ Davon hat der mindestens 6.-Klässler geschwärmt. Dachte ich hör nicht recht, ist das jetzt echt, vielleicht auch ein Aushängeschild für diese angebliche „Elite-Schule“, diese supercoole Elite-Schule, die „Foole“? Aber es geht gleich noch lustig weiter, ja sogar sehr heiter. Das Mädchen, das dort neben ihm steht und nicht geht, sagt: „Also ich bin zweisprachig aufgewachsen,“ dabei hört man ihre Knie knaxen, „und ich liebe einfach die Sprachen hier, die gefallen mir, da kann ich viel lernen und meine Zweisprachigkeit entkernen.“ Dann ist nochmal der Junge an der Reihe, was für Jubelschreie: „Und toll finde ich hier, das gefällt mir, dass ich mit den andern nicht über meinen Füller streiten muss, an der anderen Schule war das ein Verdruss.“ Zu guter Letzt, der Schulleiter petzt, er hätte das vorher auch gar nicht einstudiert, er sagt nur ganz ungeniert, die Fragen hätte er nur vorher mal gestellt, der kommt bestimmt aus einer anderen Welt. Naja, endlich ist das Prozedere vorbei, denke bei mir oh wei, was war das, etwa „Verstehen Sie Spaß?“ Ist aber niemand von denen in Sicht und auch sonst kein Spaßwicht. Aber das ist noch nicht das Ende auf diesem Schulgelände. Erkundige mich noch ausreichend nach dem musischen Profil und werde konfrontiert mit dem schulischen Stil. Frage so, ganz froh: „Wieviel Stunden Musik die Woche unterrichtet werden, und zwar hier in dem Gebäude auf Schulerden.“ Die Dame schaut mich verwundert an, ob ich nicht was anderes fragen kann, dann sagt sie, kapier´s nie: „Na zwei Stunden die Woche.“ Ich weiter poche, frage meinen Sohn, was führ ein Hohn: „Wieviel Stunden hast Du denn jetzt, ganz unverpetzt?“ „Na zwei Schulstunden.“ Sagt er unumwunden, ist gerade in der fünften Klasse, die Musiklehrerin heißt Frau Blasse und ist wirklich richtig gut, das sage ich ohne Hochmut. Zwei Stunden ist normaler Lehrplan, warum tun die sich ein musisches Profil an? Die Dame wundert sich gerade selbst ein wenig und wundert sich selbst eintönig. Ein Ton reicht bei der Schule wahrscheinlich auch aus und dennoch gibt es hier sicherlich viel Applaus und spendable Leute, hier und heute, die das Schulleben unterstützen, auch wenn die Schule schwankt in Pfützen, aber das ist halt eine Elite-Schule eben, so ist das halt im Leben. Endlich gehen wir, jetzt und hier, wir suchen das Weite und sicherlich finden wir noch das Gescheite. Tschüss Elite-Schule und viel Glück, für uns gibt es hier kein Zurück.

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Interne Verweise

Kommentare

13. Jan 2018

was die Elite-Einheit Trump unter Beweis stellt,
auch diese Elite überhaupt keinem gefällt,
wer hat den nur gewählt?
damit der andere quält?
Einfach nur ne Sado-Maso-Regierung,
aber bestimmt keine Elitelegierung.
LG, Sabrina

14. Jan 2018

Große Klasse gereimt und gar nicht geschleimt,
kehrt ihr den Rücken, das wird euch beglücken ...

Liebe Grüße - Marie

14. Jan 2018

Denke auch so, das andere Problem dabei ist, man muss leider drei Wunschschulen angeben und wenn das dann mit der ersten nicht klappt, dann möchte man ja auch nicht bis nach Buxtehude fahren müssen, aber dennoch denke ich, die wird es definitiv nicht werden, von daher werde ich mir noch ein paar Schulen mehr anschauen müssen, ist auch eine nette Beschäftigung, an manchen Schulen wird ja auch Kuchen angeboten :-)
Wünsche Dir noch einen schönen sonnigen Nachmittag ......
Liebe Grüße
Sabrina