Valentinsgrüße aus der Vergangenheit

von Beno Bavari
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Unscheinbar leuchtete eine neue Nachricht auf dem Display auf, und gemächlich fing sie an, vor sich hin zu blinken. Es ist der Abend des 13. Februar, und ich bin wiedermal aufgewühlt und verwirrt. Denn arglos öffnete ich gerade eben ihre Nachricht. Bei ihr, auf der anderen Seite der Welt, hat die Sonne bereits den nächsten Tag eingeläutet. Valentinstag. Sie schreibt, ein Gedicht wäre ihr ins Gedächtnis gekommen. Eines, das ich ihr einst zu einem dieser unsäglichen Valentinstage schenkte. Doch das liegt nun bereits einige Jahre zurück.

Beim Lesen ihrer Zeilen wird mir außerdem wieder bewusst, dass der Kleine in ein paar Tagen Geburtstag hat. Seit unserem letzten Kontakt sind viele Monate vergangen. Tatsächlich sogar recht genau ein Jahr. Als ihr süßer Zwerg letztes Jahr Fünf wurde, hatte uns dieser Anlass zuletzt noch einmal für eine kurze Weile verbunden. Nicht physisch natürlich. Dazu trennte uns ein gewaltiger Berg von der buchstäblichen Masse der ganzen Erdkugel. Doch in Gedanken und im liebevollen Austausch waren wir verbunden.

Was sie wohl möchte? Weshalb schreibt sie mir plötzlich, aus heiterem Himmel? Das mit uns kann nirgends mehr hinführen. Das einstige Zeitfenster, welches solche Überlegungen zuließ, ist inzwischen vorübergezogen und langsam hinter dem Horizont in dem schier endlosen Meer versunken, das uns heute trennt.

Es war eine schöne Zeit, die stürmisch begann. Und flüchtig betrachtet, schien sie auch ebenso unvermittelt ihr Ende zu finden. Unter der Oberfläche allerdings, da war das Ende ein schleichendes. Gespenstig. Aufwühlend. Und gleichwohl heftig.

Die Beziehung mit ihr ließ einige ungelöste Fragen zurück. Ein geheimes Inneres, das zu entschlüsseln ich nicht fähig, und das von ihr zu erfahren ich wohl nicht vertraut genug war. Nun ja, welcher Mann kann schon behaupten, seine Frau wirklich zu verstehen, and the other way round?

Eigentlich endete die kriechende Trauer, um das was wir damals hatten, und wonach wir uns alle drei sehr sehnten, bis heute nicht gänzlich. Eine kleine Familie. Unsere kleine Familie. Hartnäckig biss sich die Trauer in den folgenden Monaten in meinem Nacken fest und hielt mich umklammert. Zwar ließ der Druck allmählich nach und schaffte es nicht mehr, mich nieder zu ringen. Doch schleppe ich diese Trauer bis heute auch weiter mit mir herum. Noch immer am Hosenzipfel festgekrallt, konnte ich sie nie vollends aus dem Herzen schütteln. Die Trauer rührt von früheren Tagen, und konnte durch den Verlust von ihr und ihrem Kleinen wieder aufleben.

Und jetzt, ist sie mit einem Mal wieder da. Nicht die Trauer. Die ist auch wieder präsenter. Aber nein, sie, sie ist wieder da. Am heutigen Tage okkupiert sie wieder meine Gedanken. Und dem Valentinstage gewidmet, bin ich gewillt, es nochmal zuzulassen.

In Gedanken bin ich ihr für diesen einen Tag noch einmal ganz Nah.

© Beno Bavari

© Beno Bavari (2015)
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