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Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 15

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sich mein Magen zusammenzog und fürchterliche Krämpfe mich plagten, ausgelöst durch die Wut über meine eigene Dummheit in diesem Moment. Auch heute, wenn ich an diesen Abend denke mache ich mir vorwürfe. Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, hätte ich sie begleitet. Vielleicht säße ich heute immer noch mit dieser wunderschönen Frau in diesem Arbeitszimmer und hätte zusammen mit ihr eine in sich verschlossene, monoton laufende aber außerhalb ihrer Türschwelle explosive Welt weiter am Laufenden gehalten.

Es hatte keinen Sinn mehr weiter zu machen, ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. So packte ich meine Sachen ein und machte mich kurz danach auch auf den Weg nach Hause. Die ganze Nacht sollte ich vor Wut nicht schlafen und Pläne schmieden wie ich das nächste Mal auf solch eine Anfrage reagieren würde.
Müde und wie von einer Grippe befallen, abgeschlagen und antriebslos zwang ich mich am nächsten Tag aus dem Bett. Ich machte mich früh auf den Weg zur Arbeit, nahm die Abkürzungen durch die engen Gassen. Die Morgensonne durchbrach wie ein Fächer die Dunkelheit in den Gassen und verhieß einen wundervollen Frühlingsmorgen.
Angekommen in unserem Verlagshaus wurde ich von einer seltsamen Stimmung bereits beim Betreten des Hauses erdrückt. Ich konnte nicht sagen was es war, aber es lag eine gewisse Spannung in der Luft. Eine Spannung, die eine Luftblase an der Wasseroberfläche erdulden musste bis sie endlich zerplatzte und den Druck entlud.
Misstrauisch eilte ich in mein Arbeitszimmer. Ich stieg die prächtigen Treppenstufen langsam empor und tastete mit meinen Fingerspitzen das Gelände. Hin und wieder blieb ich stehen und blickte hinunter in das Foyer. Es war nicht auszuhalten.
Dann begegnete ich endlich Kollegen aus den anderen Abteilungen. Ernste Minen offenbarten sich mir und ich erwiderte mit einer fragen Mine zurück. Kein Ton fiel in den Gängen und aus den Räumen hallten keine Gespräche oder Gelächter wie es oftmals der Fall war.
Die Tür unseres Arbeitszimmers war verschlossen. Ich suchte aufgeregt nach dem Schlüssel und hoffte sie nicht vergessen zu haben.
Doch dann fand ich sie tief in meiner Jackentasche. Eine etwas verrostete, mit arabesken Schnörkeln verzierter alter Schlüssel. Ich steckte den Schlüssel in das Schloss und öffnete die Tür. Ich blieb vor der Tür stehen und horchte in den langen Gang rechts und links von mir sich erstreckend. Kein Ton drang in mein Ohr und strich wie eine Harfenspielerin an meinen Haarzellen in meinem Innenohr.
Ich nahm meine Arbeit wieder auf und begann die verschiedenen Texte miteinander zu vergleichen. Kaum war ich in meine Arbeit vertieft öffnete Mr. Smith die Tür ohne vorher anzuklopfen. Das war sehr unüblich für ihn und schien sehr gewagt zu sein da solch ein verhalten Mrs. Hofmann nie geduldet hätte. Und bekanntlich standen sich beide nicht sehr nahe.
„Mrs. Hofmann ist noch nicht erschienen. Wie kann ich ihnen helfen?“
„Haben sie nicht gehört was passiert ist? Junge, das tut mir leid. Ich hatte kein besonderes Verhältnis zu Mrs. Hofmann aber als eine Kollegin habe ich sie dennoch sehr zu schätzen gelernt. Ich hoffe sie wird bald wieder gesund und kann ihre gewohnte Arbeit aufnehmen. Das ist fürchterlich. In unserer Stadt. Das so etwas hier passieren könnte hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht gewagt auszumalen. Dann noch einer Frau so etwas anzutun.“
Mein Herz erstarrte in diesem Augenblick in meiner Brust und meine Beine wollten unter dem Gewicht meines Körpers zusammenklappen wie ein Taschenmesser.
Als Mr. Smith merkte, dass ich die Neuigkeit nicht wusste entschuldigte er sich bei mir. Man konnte wohl mir meine Betroffenheit ansehen. Besorgt eilte er zu mir und packte mich am Arm und verhalf mir mich auf meinen Stuhl zu setzen. Er brachte mir ein Glas Wasser und sprach beruhigend auf mich ein. Ich war aber nicht da. Ich sah die Welt gleich durch ein Milchglas und die Wörter prasselten wie aus der Ferne auf mich ein. Man hätte in diesem Augenblick in jeder Sprache mit mir sprechen können den Unterschied zur meiner Muttersprache hätte ich nicht erkennen können.
„Wo ist sie? Ist sie noch...“
„Sie ist im städtischen Krankenhaus. Eine Tante war so eben hier und hat mir von dem Angriff berichtet. Die Familie wünscht keine Kontakte oder Krankenbesuche. Die Ärzte sagen, dass sie in einigen Monaten wieder zu sich kommen wird. Meine Schwägerin arbeitet als Krankenschwester im gleichen Haus, von der habe ich die Information über ihren Zustand erhalten. Man hat das junge Ding wohl übel zugerichtet. Die Polizei geht von einem politisch motivierten Übergriff aus. Ihre Wertsachen wurden nicht entwendet. Den Spuren im feuchten Boden nach müssen es drei bis vier Männer gewesen sein. Sie kann nur vom Glück reden, dass man sie recht früh am Morgen am Straßenrand auffand und sie ins Krankenhaus brachte. Die Tante war eher nicht so gesprächig. Ich glaube es herrschte zwischen uns beiden eine gewisse Sympathie aber auch sprachliche Barrieren“.
Ich versuchte zu mir zu kommen. Am liebsten hätte ich weinend und ihren Namen ausrufend durch die Straßen dieser plötzlich mir fremd gewordenen und verhassten Stadt geeilt. Vor ihrem Krankenbett auf die Knie gefallen und bitterlich geweint. Aber ich konnte all das nicht machen. Mr. Smith schickte mich nach Hause. Er bat einen Mitarbeiter aus der Hausverwaltung mich bis nach Hause zu begleiten. Ich weiß bis heute nicht, wer die Person war und ob er mich bis zu meiner Tür begleitet hatte oder mich sogar ins Bett brachte. Es vergingen einige Tage, geplagt von Albträumen. Mein Körper war wie aus Blei und jede Bewegung löste einen ziehenden Schmerz in meinen Körperteilen, welches sich wie ein unsichtbarer Faden durch meine Glieder, an meinem Rumpf entlang bis zu meinem Nacken spannte.
Ich habe die ersten Tage überwiegend schlafend verbracht und glich einem Wal, welches an der Oberfläche des Meeres immer auftauchte um Luft zum Überleben zu schnappen um wieder in den Tiefen des Meeres zu verschwinden. Ich öffnete meine Augen unter größten Anstrengungen. Die Lider hochzuhalten war ein einziger Kraftakt. Was Traum und was Wirklichkeit war konnte ich nicht mehr unterscheiden. Mal stand Mr. Smith in meinem Schlafzimmer mit einem auf mich gerichteten besorgten Blick. Ein Anderes mal gab mir Mrs. Hofmann, wunderschön und völlig

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