Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 16

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unversehrt ein Glas Wasser und umfasste mit ihren feinen Fingern meine Hand und verhalf mir das Glas an die Lippen zu führen.
Als ich auf meinem Bett lag und wieder vom halbwachen Zustand in einen Traumzustand abzudriften drohte hörte ich Mrs. Hofmann laut und deutlich meinen Namen rufen.
Ich erschrak, setzte mich auf in meinem Bett und wie durch ein Wunder als wäre nichts geschehen setzte ich mich auf, streckte mich, nahm eine heiße Dusche und machte mich auf den Weg ins Krankenhaus.
Mit Gewalt wollte ich mir Zugang verschaffen wenn es sein musste.
Fest entschlossen stand ich, die Hände zu Fäusten geballt, vor dem Eingang des Krankenhauses. Eine aus Bronze gegossene Marienstatue begrüßte mich und schimmerte unter der Morgensonne.
Im Krankenhaus habe ich erfahren, dass Mrs. Hofmann auf Wunsch ihrer Angehörigen und ihr selbst frühzeitig entlassen wurde.

Ich eilte zu ihr nach Hause. Klopfte entschlossen an ihrer Tür und hoffte, so dumm es auch klingen mag, dass sie mir die Tür öffnete mit einem Lächeln und völlig unversehrt.
Ich lehnte mein Ohr an die Tür, konnte jedoch nichts hören. Also klopfte ich erneut, heftig an der Tür und wartete. Schon bald öffnete sich zaghaft die Tür und eine hagere, ältere Frauengestalt trat hervor.
Sie hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Mrs. Hofmann. Sie sprach mit einem seltsam grob klingenden ausländischen Akzent. Emotionen zeigte sie kaum und ihre Augen waren wie die eines Toten.
Ich stellte mich verlegen vor und bat um Einlas um Mrs. Hofmann zu sehen doch sie war, gleich dem Cheron, weder nachgiebig noch zu überzeugen.
Ich bat sie, Mrs. Hofmann meine tiefe Trauer zu übermitteln und das sie sich keine Sorgen um die Arbeiten machen müsste. Die Tante nickte und verschloss die Tür.

Enttäuscht, dennoch erleichtert das Mrs. Hofmann nicht mehr im Krankenhaus lag packte mich der Ehrgeiz und ich führte meine Arbeiten fort. Es vergingen mehrere Wochen und man hörte hin und wieder Neuigkeiten über Mrs. Hofmann die eher Gerüchte waren als das sie irgendeiner Wahrheit entsprachen.

An einem Freitag, an dem Tag wo ich für gewöhnlich den fertigen Text von Mrs. Hofmann zur Druckerei eilte war ich wieder vertieft in meine Arbeit.
„Sie ist da, sie ist da“ flüsterte eine Frauenstimme von der offen stehenden Tür zu mir herein.
Voller Freude ließ ich alles fallen was ich in der Hand hatte und schaffte Ordnung in unserem Arbeitszimmer. Sie sollte nicht denken ich sei nachgiebig in meiner Disziplin gewesen während ihrer Abwesenheit. Tatsächlich hatte sich an meinem Arbeitsrhythmus nichts geändert. Wie Sisyphus bereitete ich jeden Tag alles so vor als könnte sie jeden Moment erscheinen. Und jeden Abend war ich traurig, dass sie nicht kam. Doch ich hatte jeden Tag eine für mich sinnvolle Aufgabe und schaffte mir somit ein Hauch von Glück. Man bot mir an die Abteilung zu wechseln oder für den Sportteil der Wochenzeitung zu schreiben aber ich lehnte strikt ab und wollte warten. Schließlich gab es noch unser Arbeitszimmer und somit bestand noch ein Funken Hoffnung auf eine Wiederkehr.
Nun kam dieser Tag und ich stand wie ein kleiner Junge mit großen Augen am Heiligabend und wartete.

Zwei starke Männer mit gefährlichen Blicken öffneten die schwere Eingangstür zur unserer Redaktion. Die Sonne drang in das Foyer. Es dauerte einige Sekunden bis eine Gestalt aus dem Sonnenbad entsprang und mit langsamen Schritten das Gebäude betrat.
Sie trug ein langes schwarzes Kleid und versteckte ihre zierlichen Hände unter feinen schwarzen Handschuhen aus Seide. Auf ihrem Kopf trug sie ein Trauerhut mit einem langen und ebenfalls schwarzen Tüll, welches ihr schönes Antlitz verbergen sollte.
Alle Mitarbeiter hatten von ihrem Erscheinen gehört und eilten zur Treppe. Erstarrt blickten sie zu ihr hinunter, keiner traute sich ein Wort zu sagen.
Mrs. Hofmann lief langsam und humpelte leicht auf ihrem rechten Bein. Doch sie hielt Fassung und versuchte mit einer stolzen geraden Haltung der Welt zu zeigen, dass sie noch am Leben sei.
Sie gab den Männern an der Tür ein Handzeichen und machte ihnen verständlich, dass sie auf sie warten sollten.
Ich wartete im Zimmer auf sie. Mir kam die Zeit vor wie eine Ewigkeit. Doch dann erschien sie und betrat das Zimmer. Sie schein sich über mein Anwesen zu freuen, dass konnte ich an ihrer Stimme hören.
So sehr hatte ich mir gewünscht, sie hätte ihr Schleier abgenommen damit ich ihr lang ersehntes Gesicht wieder zu sehen bekam. Doch sie tat es nicht und ich wollte die unangenehme Situation entschärfen in dem ich so tat als sei alles wieder beim alten. Ich fing auch sofort an ihr Bericht über die letzten Wochen zu erstatten doch dann unterbrach sie mich. Sie kam lediglich um ein paar private Gegenstände abzuholen die ihr wichtig waren und sich von mir zu verabschieden. Sie bedankte sich bei mir für die gute Zusammenarbeit und wünschte mir viel Glück für meine weitere berufliche Karriere. Ihre tiefblauen Augen schimmerten durch den schwarzen Tüll wenn man genau hinschaute doch ich wagte es nicht.
Sie streckte mir ihre Hand entgegen verabschiedete sich von mir.
Ich hätte mir gewünscht sie würde mich mitnehmen wo auch immer sie hingehen wollte.

Als sie die Treppen hinabstieg fing eine der Mitarbeiter unter Tränen zu klatschen. Erst schloss sich ihr ein weiterer Mitarbeiter an, doch dann wurden alle von dem Schub motiviert und fingen an zu klatschen.
Auch wenn Mrs. Hofmann mit vielen aus dem Verlag keine Gespräche führte oder sie sogar grüßte, auch wenn sie mit den anfänglichen Streitigkeiten mit der Leitung der Redaktion die Missgunst vieler Mitarbeiter erntete, war sie dennoch ein Teil unseres Hauses.
So unangenehm sie und ihre Ideen vielleicht waren, Verdienste sie eine grenzenlose Solidarität. Selbst Mrs. Brown war so gerührt von dem Bild einer verkrüppelten Frau das ihm die Worte wie Schleim im Rachen festsaßen und tränen in sein Auge jagten.
Als sie das Foyer zur Treppe durchquerte herrschte wieder völlige Stille im Haus. Nur das metallisch mechanische Treiben des Druckers war laut und deutlich zu hören. Da ging sie davon. Mrs. Hofmann, die erste Frau auf dem Mond. Eine Frau, die verdammt war immer alleine rastlos durch die Welt zu ziehen. Eine Frau mit der Begabung die Welt anders zu sehen als die

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