Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 3

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das gerade etwas, wonach die Menschheit immer dürstet?
Die Kirche baute ein Netzwerk auf, basierend auf Wahrheit, naja oder sagen wir mal der Wahrheit, von der sie selbst überzeugt ist, dass es absolut ist. Das hoffe ich jedenfalls, ohne der Kirche was unterstellen zu wollen doch nichts desto trotz wollen wir fortfahren.
Alles was die Kirche an Information rausgab hatte einen Absolutheitsanspruch. Sie duldete keine Kritik. Eine andere Meinung gab es nicht. Was für uns heute in einer modernen Gesellschaft als der reinste Horror klingt, war vielleicht für die meisten Menschen der damaligen Zeit ein Segen.
Stellen sie sich vor, es gibt ein Medium, dass ihnen den Zugang zur absoluten Wahrheit verschaffen kann? Was bleibt da noch Raum für Angst? Zweifel? Entscheidungsunfähigkeit?
Doch mit der Zeit, als die Kirche anfing all ihr Handeln und Entscheidungen auf der Grundlage dieser Tatsache aufzubauen, wurden die Zweifel immer größer. Bis es endgültig zum Zerfall des Kartenhauses kam.
Aber stellen sie sich nur vor, die Kirche ist nicht fehlgeschlagen, weil der Glaube der Menschen an eine Wahrheit, an das Absolute mit der Zeit nachgelassen hat, sondern eher an der Hab- und Machtgier der Kirche selbst.
Fast gleichzeitig tauchte der Buchdruck auf und Informationen konnten in windseile gedruckt und in alle Himmelsrichtungen gestreut werden. Nahezu unkontrolliert. Überlegen sie sich mal, die ersten Drücke in Europa waren nichts als Kritik. Sozusagen eine Gegenmeinung wie etwa die Lutherbibel in der deutschen Sprache. Die Geburtsstunde der Medien und der Ursprung unseres Berufes.
Doch das Vakuum, welches die Kirche nach und nach hinterließ wurde nun von den Medien gefüllt. Sie produzierten nun Nachrichten, Botschaften und Literatur in solchen Mengen wie es die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit nicht zuvor gesehen hatte.
Und dann kam der Journalismus dazu. Wir. Unsere Väter versprachen den Lesern Einblicke in eine Welt zu geben, die nicht mittelbar wahrgenommen werden kann. Sie hatten den Ehrenkodex der getreuen Wiedergabe. Und wir ersetzten die Kirche.
Die Leser heute wollen von uns Wahrheiten, Informationen lesen. Sie dürsten danach und sind verunsichert. Sie zwingen uns förmlich in diese Gussform, die des allwissenden und verlässlichen Boten, und dulden keine Fehler. Wir bereichern die Leser mit Informationen und geben ihnen dadurch einen Halt, eine Sicherheit. Das Gefühl, die Welt zu verstehen und mit ihr klarzukommen. Die Medien sind die Kirche moderner Gesellschaften und wir Journalisten sozusagen die Priester einer gewaltigen Kirche“.

Während sie sprach bewegten sich ihre Hände in der Luft. Sie erinnerten mich an die Flügelschläge weißer Tauben. Hin und wieder, durch den Zigarettenrauch, betäubte mich der süße Duft von Yasmin. So ernst auch ihre Gesichtszüge waren, sie war eine wunderschöne Frau die innerlich brannte wie ein Vulkan und nur auf eine Gelegenheit wartete auszubrechen. Ein flammendes Inferno, dass alles Leben und Hoffnung verschlang verhießen ihre Worte.
Sie hörte auf zu reden, stand mit einer schnellen und bedachten Bewegung auf, zog sich ihren Mantel an ihrem eleganten Körper zurecht und winkte kurz zu der Kellnerin. Diese eilte zum Tisch. Als ich sie bat die Rechnung zu übernehmen reagierte sie nicht auf meine Bitte und legte einen zwei Dollarschein auf den Tisch. Bevor sie sich den Koffer greifen konnte stand ich auf und klammerte mich fest um dessen Griff.
„Ich möchte die Redaktion sehen“. Zögerlich nickte ich ihr zu da ich begriffen hatte, dass diese Frau, sich etwas vorgenommen, nicht leicht von diesem Vorhaben abzubringen war.
Sie wartete bis ich vorauslief und folgte mir. Wir überquerten die große Kreuzung und liefen an der Kirche vorbei. Die Kirchenglocken läuteten.
Ich bin ein Priester mit einer heiligen Aufgabe.

Als wir durch die engen Gassen unseren Weg durch den Nebel bahnten, hoffte ich insgeheim sie würde in dem Labyrinth aus Häusern und Pflastersteinen die Orientierung verlieren. Ich wollte, dass sie sich um mich klammert gleich im Dunkeln um eine lichtspendende Fackel ohne sie sie für immer und ewig verloren wäre.
Als wir endlich aus den engen Gassen, ich pflegte immer diese Abkürzung zu nehmen, endlich an der Straße ankamen sahen wir schon das Redaktionsgebäude. Früher wurde hier Baumwolle gelagert um für die Verarbeitung in die Stadt weiter verfrachtet zu werden. Das Gebäude war aus massivem Stein und trotzte den Jahren, auch wenn diese ihre Spuren sichtbar an dem Haus verewigt hatten. Immer noch konnte man die Aufschrift auf der Tür lesen „ National Cotton Company“. Die Fenster zur Straßenseite waren groß und der Eingang, eine große Tür aus massiv Holz war komplett geschnitzt, als wollte der Handwerker die komplette Kulturgeschichte an ihr verewigen.
Sie eilte voraus und öffnete die schwere Tür und wir betraten die Eingangshalle. Es roch nach Zigarettenrauch in der Halle und ein geschäftiges Treiben war über beide Stockwerke die sich der Halle öffneten zu sehen und zu hören. Die Schreibmaschinen verstummten in diesem Gebäude nur bei Nacht. Mein Boss sagte mir mal, dass das sein Orchestra sein.
Wir stiegen die Marmortreppen bis zur zweiten Etage hinauf. Müde von einer durchgemachten Nacht, da ich zu der Zeit an Schlaflosigkeit litt und den schweren Koffer schleppend kam ich am Treppenende an und sie wartete bereits auf mich und versuchte herauszufinden wo sich das Büro meines Bosses befand. Ich setzte den schweren Koffer ab und zeigte auf eine Tür mit einem Glasfenster. Darauf stand in goldenen Buchstaben Dr. J. Becker, Chefredakteur.
„Ich bedanke mich bei ihnen herzlichst für ihre Mühen“ hörte ich ihre Stimme über meinem Kopf. Die Worte fielen auf mein Haupt so schwer wie der Globus, den der heilige Christophorus tragen musste. Ich dachte, dass meine Aufgabe hier endete und ich sie loslassen musste. Ich will nicht lügen wenn ich schreibe, dass es mir schmerzte.
Sie nahm ihren Koffer mit einer Leichtigkeit und schritt zum Büro des Chefredakteurs mit einer ziemlich geraden Haltung. In ihrem Gang war ihr ganzer Stolz verborgen.

2.

Sie musterte mit einem leicht überheblichen Blick das Büro. Sie stand vor dem mit Aktenstapel und losen Blättern zu Türmen aufeinandergestapelten Schreibtisch. Die Luft war frisch, Mr. Becker hat vor ihrer Ankunft sein Büro durchgelüftet um nicht in Verlegenheit zu geraten.
Obwohl Mr. Becker sich Mühe gab seine Aufregung nicht zu zeigen und eine sommerliche Leichtigkeit vor zu spielen, war dennoch eine Spannung im Raum. Sie glich der angespannten

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