Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 4

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Luft vor der Entladung eines Blitzes am Himmel.

„Herzlich willkommen in unserer kleinen Redaktion. Ich werde sie gleich etwas rumführen und mit den Mitarbeitern bekannt machen. Bitte, erwarten sie nicht zu viel. Unsere Redaktion ist eines der ältesten im Land und unsere Mittel sind nicht gerade unendlich angelegt. So sind viele Schreibmaschinen, geschweige denn unser Druckgerät nicht gerade auf dem neuesten Stand. Aber ich habe gute Mitarbeiter, ehrliche Mitarbeiter die ihre Arbeit mit Herzenswillen erledigen. Sie sind verlässlich, belastbar und wissen wo ihre Grenzen sind. Mehr kann man nicht erwarten in diesen Zeiten.“
Die junge Frau schwieg einen Augenblick, strich mit ihrem Zeigefinger über einen Bilderrahmen auf dem Schreibtisch ganz vorne platziert und sah ihren mit Staub befleckten Zeigefinger. Dann blies sie ihre Backen auf und spitzte die Lippen, mit einem leichten Wind, der durch ihre Lippen wirbelartig sich durchpresste, pustete sie den Staub in die Luft von ihren Fingern.
„Für meine Arbeit brauche ich nicht die neuesten Maschinen. Wir sind keine Werbeagentur. Fleißige und ehrliche Mitarbeiter haben sie gesagt, dass klingt interessant. Ich habe meine eigene Schreibmaschine. Ich denke wir werden miteinander gut auskommen. Ich möchte sie jedoch bitten, mir ihr Büro zu übergeben. Ich sehe sie haben hier eine bequeme Couch und ein großes Fenster. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn wir ihr Büro gemeinsam benützen würden. Ich denke, dass sollte kein Problem für uns beide sein, da wir ja beide erwachsene und zivilisierte Kollegen sind.“

Mr. Becker spürte wie eine lodernde Flamme aus seinen Eingeweiden sich seinen Weg durch seinen Körper über seine Kehle bis in seine Ohren ausbreitete. Er strich sie die Haare von der Stirn bei Seite und nickte ausdruckslos zu.
„Ich kann ihnen für die Zeit die sie hier sind mein Büro überlassen. Ich Arbeite meistens von zu Hause aus oder in dem Zimmer neben dem großen Drucker im Druckhaus.“
Die junge Frau machte mit ihrer Hand eine dankende Geste und hob ihren Koffer auf den Schreibtisch, legte sie hin und verdrängte den Bilderrahmen und den Turm von losen Blättern und Akten bei Seite. Schweigend aber mit schnellen und hastigen Bewegungen räumte Mr. Becker sein Schreibtisch leer und stapelte die Blätter und Akten nach und nach in ein großes und verstaubtes Regal, welches in einer Ecke stand und lange nicht mehr benutzt wurde.
Unbeeindruckt oder in einer unfassbaren Ignoranz lief die junge Frau um den großen und massiven Schreibtisch herum, rückte sich den Stuhl zurecht und ließ ihren federleicht wirkenden Körper wie ein Stück Blei in den Stuhl fallen.
Als würde sie nach etwas bestimmten suchen bewegte sie ihren Kopf in langsamen Bewegungen hin und her. Dann holte sie ein weißes Tuch aus ihrer Manteltasche und wischte die inzwischen leergeräumte Arbeitsfläche frei von Staub.
Ein Lächeln machte sich über ihrem schönen Gesicht breit und es schien als würde gerade hinter dem Schreibtisch die Sonne aufgehen.
„Machen sie jetzt einen Rundgang durch ihr Haus mit mir?“
„Ich habe ganz vergessen, dass ich gleich eine Besprechung habe. Aber ich werde Pete mit dieser Aufgabe beauftragen“ erwiderte Mr. Becker. Er steckte seine Hände in die Taschen seiner Hose und schritt zur Tür. Dann verließ er den Raum und Mr. Hofmann begann auf den Stapel weißer Blätter, die Mr. Becker für sie hingelegt hatte Notizen zu machen.
Es dauerte nicht lange und Pete klopfte an.
„Ich komme“ rief Mrs. Hofmann und eilte mit einem ernsten Blick aus dem Zimmer.
„Ich brauche einen Schlüssel, bitte kümmern sie sich darum Mein Zimmer muss geschlossen bleiben und nur ich möchte Zutritt haben“
„Wir haben hier immer alle Türen geöffnet. Das ist bei uns im Haus so üblich“ erwiderte Pete aber merkte auch gleich, dass seine Worte an ihr abperlten wie Wassertropfen auf dem Federkleid einer Wasserente.
„Ich werde mich gleich nach der Führung darum kümmern“ fügte Pete seinen Worten hinzu.

In der ersten Etage befanden sich große Büroräume, in denen mehrere Schreibtische verteilt waren. Die Mitarbeiter schienen sehr beschäftigt zu sein und zeigten keinerlei Interesse an Pete und seiner Begleitung. Ständig läutete eines der Telefone und das Tippen an der Schreibmaschine untermalte das Gesamtbild und gab dem ganzen Geschehen einen seltsamen Rhythmus.
„Hier nehmen wir die ersten Nachrichten auf, die reinkommen. Leserbriefe und anstehende Veranstaltungen in der Stadt werden ebenfalls hier verarbeitet und an die zuständigen Personen in die zweite Etage weitergeleitet, Sozusagen befinden wir uns hier im Vorzimmer unseres Hauses.“
Schweigend musterte Mrs. Hofmann das Zimmer in dem sie sich gerade befanden. Die Wände waren mit kostbarem Mahagoni vertäfelt und die Decke schien sich durch den schweren Stuckrahmen in den Himmel zu öffnen. Wonnige Putten waren an den Ecken platziert, die verdammt waren für eine Ewigkeit ein erstarrtes Lächeln zu ertragen.
„Ich bitte kurz um ihre Aufmerksamkeit. Dies ist Mrs. Hofmann, sie ist bei uns“ Pete stockte eine kurze Zeit und man konnte seinem an seinem errötetes Gesicht erkennen, dass ihm die Situation in dem Augenblick ganz unangenehm war.
„Ich bin Mrs. Hofmann und werde hier bei ihnen als Journalistin anfangen. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit und wünsche ihnen einen angenehmen Tag“ führte Mrs. Hofmann das Gespräch zu Ende ohne aufgefordert worden zu sein. Pete fiel ein Stein vom Herzen und er bestätigte sie mit einem nicken.
Die Stille währte nicht lang und die Mitarbeiter wendeten sich wieder ihren Aufgaben ohne auf die Vorstellung zu reagieren.
Fertig in der ersten Etage liefen sie die schweren Holztreppen in die zweite Etage hinauf. Hier waren, anders als auf der ersten Etage, viele kleine Büros. An den Türen waren die verschiedenen Namen zu lesen. Auf dieser Etage waren die Journalisten. Hier herrschte eine bedrückende Stille, die durch die schweren Vorhänge aus teurem Brokat der Etage ein besonderes Flair verlieh. Demut und Unsicherheit machte sich bei Pete stets breit wenn er auf dieser Etage zu tun hatte, was eher selten der Fall war.
„Wo ist die Druckerei?“ fragte die Mrs. Hofmann mit einer sicheren Stimme und forderte Pete dadurch auf, sie da hinzuführen.
„Das habe ich mir zum Schluss aufgehoben, wir müssen wieder runter in die Eingangshalle und über den Verbindungsgang in das hintere Gebäude“ antwortete Peter und lief voraus.
„Folgen sie mir bitte“ sagte Pete beim Vorbeigehen an der jungen Frau und roch wieder den

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