Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 5

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leichten Duft von Yasmin an der Luft in ihrer Nähe.
Als sie über einen kahlen und veralteten Gang in das hintere Gebäude liefen, ertönten bereits am Anfang des Ganges die Druckermaschinen.
Sie betraten beide eine große Halle. Hier stand ein großer Drucker, welcher den ganzen Raum mit Lärm erfüllte.
„Das ist unser größter Stolz. Der Super-Albert. Man sagt, sie könne bis zu 60.000 Exemplare in der Stunde rauswerfen und ist zudem die schnellste Maschine unserer Zeit. Stellen sie sich das nur vor! Die Seitenwände wie sie sehen können sind aus Stahlguss. Kegelradgetriebe anstatt die bis dahin üblichen schräg verzahnten Stirnradzüge. Man sagt, dass auf der Welt nur drei dieser Drucker existieren. In Berlin, Stuttgart und in einem Zeitungshaus in Prag. Was aber keiner weiß ist, dass Mr. White auf seiner Reise in Europa in einem Hotellobby bei einem Scotch mit dem Sohn des Unternehmensführers von dieser Zeitungsrotationsdruckmaschine gehört hatte und bevor überhaupt die Maschine auf internationalen Messen vorgestellt wurde eins bestellte. So kam diese wundervolle und beeindruckende Maschine hierher zu uns.
War ein Geschenk des ehemaligen Besitzers, Mr. White, zusammen mit dem gesamten Haus. Früher war das hier ein Handelshaus. Hier wurde Baumwolle von den Bauern gekauft, klassifiziert und in die ganze Welt verkauft. Als der Besitzer, ein Freund der europäischen Aufklärung, gegen Ende seines Lebens schwer erkrankte und keine Erben hinterließ, wollte er seiner Stadt eine große Ehre beweisen und gründete unser heutiges Zeitungshaus. Der Spruch in der Eingangshalle, in goldenen Buchstaben zu sehen, ist ein Spruch von Mr. White. Zwischen der absoluten Dunkelheit und dem absoluten Licht ist kein Unterschied.“

„Wissen sie wann die Moderne beginnt?“
Pete antwortete mit einer selbstsicheren Leichtigkeit: „ Einige sagen mit dem Fall Konstantinopels 1453, andere jedoch beziffern den Beginn der Moderne auf das Jahr 1492 was somit die Entdeckung von Amerika wäre“.
„Es gibt auch Quellen die von der Erfindung des Buchdrucks als den Beginn der Moderne ausgehen. Sehen sie sich diese kolossale Maschine an. Sie ist wie eine Lokomotive, die Lokomotive des Fortschritts, die unaufhaltsam voranschreitet und die Welt und uns unwiderruflich und ständig verändert. Einmal angefangen zu schlagen wir das Herz dieser Maschine bis zum Untergang unserer Zivilisation nie mehr aufhören. Sie hat keine Seele, nur einen Rhythmus.“.
Da standen nun beide, erstarrt und volle Ehrfurcht vor dem Koloss aus Gusseisen.

3.

Als ich von der Arbeit mich auf den Weg nach Hause machte bog ich auf dem Weg an der großen Kreuzung im Zentrum der Stadt und ging in die Apotheke. Ich hatte Glück, sie hatte noch geöffnet. Mr. Miller führte die Apotheke, welches seit vielen Generationen von seinen Vorfahren geführt wurde. In jeder Generation studierte mindestens ein Mitglied Pharmazie und übernahm das Geschäft. Sein Sohn studiert auch derzeit Pharmazie in Harvard. Ob er die Apotheke übernehmen wird ist jedoch eher fraglich.

Wie überall in der Stadt ist auch hier die Zeit wortwörtlich stehen geblieben. Nicht nur das Inventar und die großen dunkelbraunen Glasgefäße mit Etiketten beklebt, sondern auch die große Verzinnte Uhr hinter dem Dresen ist um genau 10:55 stehengeblieben. Und das seit fast 18 Jahren, als die Ehefrau von Mr. Miller an einer Fieberkrankheit ihr Leben verlor.
Seit jener Zeit hat Mr. Miller sämtliche Änderungen in seinem Leben abgeschworen. Den Wünschen seiner Kinder das Haus zu renovieren oder die Apotheke etwas moderner einzurichten kam er nie nach. Er war ein alter und sturer Apotheker alten Schlags. Aber er war gut, so gut dass viele aus der Umgebung zu ihm kamen um sich Rat einzuholen und Medikamente wie vor 100 Jahren auch zusammenmischen zu lassen.
Als ich die Apotheke betrat lag ein schwerer Duft von Schwefel in der Luft, warum auch immer. Ich schenkte dem jedoch keine Aufmerksamkeit und schritt eilig zum Verkaufstisch und bat Mr. Miller um Haaröl und einen frisch riechenden Rasierwasser. Verwundert und zögernd schaute dieser mich an, lächelte und ging mit einem leicht schlürfenden Gang in sein Arbeitszimmer im hinteren Bereich und brachte zwei Flaschen mit. Die braune Flasche war mit einer Ringelölmischung gefüllt und die durchsichtige Flasche war Zitronenwasser.
„Haben sie endlich eine hübsche junge Frau gefunden die sie ausführen möchten?“ fragte er mit einem abstoßenden Blick. Ich habe ihn nicht beachtet, fragte nach dem Preis, legte ihm das Geld auf den Verkaufstisch und verließ den Laden.

Am nächsten Morgen nach dem Aufstehen habe ich meine Haare nach hinten gekämmt, ein weißes Hemd angezogen und mich mit reichlich viel Zitronenwasser eingesprengt.
Ich fühlte mich an diesem Morgen so frisch und leicht wie bis dahin kaum an einem Tag in meinem Leben.
Als ich im zeitungshaus ankam und zu meinem Schreibtisch wollte kam schon Mrs. Brown mir entgegen. Sie fasste mich am Oberarm und zog mich in eines der Büroräume und drückte mich in die Ecke.
„Sie hat das Büro von Mr. Becker besetzt. Mr. Becker, der arme, der ist jetzt hinten in der Druckerei in dem dunklen Zimmer. Du weißt schon, das Zimmer wo wir unerwünschte Mitarbeiter untergebracht haben um sie loszuwerden“.
Ein kaltes Schaudern lief mir den Rücken hinunter. Der Gedanke, sie könnte hier unser Zeitungshaus übernehmen und Mr. Becker, eine Person ohne die unser Haus nicht überlebensfähig wäre, wäre nicht mehr da. Die Vorstellung war nicht zu ertragen.

Ich bedankte mich bei Mrs. Brown und lief schnell aus dem Büro raus um nicht mit ihr gesehen zu werden. Auch wenn sie mich bat diese Information für mich zu behalten wusste ich doch, dass sicherlich ich einer der letzten Personen war eingeweiht in diese Neuigkeit.
Als ich zu meinem Arbeitsplatz wollte rief mich Mr. Hofmann an und bat mich zu sich. Sie erwähnte nicht wo sie sei, anscheinend hatte auch sie von Mrs. Brown die Neuigkeit gehört.
Ich eilte zu ihr in die oberste Etage hinauf lief zu ihrer Tür. Ich konnte sie durch die Türscheibe ganz deutlich erkennen. Die Sonne schien in ihr Zimmer und tauchte den ganzen Raum in eine Lichtflut. Herbstfarben in allen ihren Facetten strahlten aus dem Raum und da saß sie.
Man sagt, die Athener hätten Troja nur für eine Frau zerstört und Romeo hätte sich für Julia in den Tod gestürzt. Es heißt, wenn man die Liebe einmal gekostet hat, verfalle

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