Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 6

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man ihrer Sucht und das Schöne Niste sich in das Herz eines jeden Mannes und ließe nicht mehr ab bis der Durst, gleich dem Durst unseres Herrn auf seiner Reise durch die Wüste oder gehängt am Kreuz unter der sengenden Wüstensonne, gestillt wäre.
Sie war eines dieser Frauen. Eine Frau für die ein Mann ganz Rom in Brand gesetzt hätte und dennoch das Inferno nicht größer wäre als das was in seinem kleinen Herzen in seiner Brust lodert. Eine Frau für die man sich dem Minotaurus entgegenstellt und im dunklen Tartaros umherirrt gleich einem Kind, aufgewacht aus einem Albtraum die schützende Hand der Mutter suchend, schlafbetrunken.

„Holen sie sich bitte was zum Schreiben und kommen sie zu mir. Wir haben einiges zu besprechen“ sagte sie zu mir und senkte ihren Kopf auf die Zeitungen die vor ihr auf ihrem Tisch lagen.
Ich befolgte ihre Anweisung und stand wieder vor ihrer Tür.
„Kommen sie nur rein. In Zukunft warten sie bitte nicht bis ich sie auffordere, schließlich ist die Tür ja offen.“
Ohne ein Wort zu sagen eilte ich wie ein kleines Schulkind auf meinen Platz zurück und hielt aufmerksam den Bleistift in der Hand mit einem Notizbuch. Bereit alles aufzuschreiben, was sie mir mitzuteilen hatte. Doch sie schwieg. Die Stille im Raum erzeugt in mir Unbehagen.
„Ich gratuliere ihnen für ihre Stelle Mrs. Hofmann und wünsche ihnen viel Erfolg in der Führung unseres Zeitungshauses“. Beim Aussprechen des letzten Wortes bemerkte ich die Dummheit meiner Aussage doch ich konnte sie nicht mehr rückgängig machen.
„Ich danke ihnen Peter aber ich fürchte sie haben falsche Informationen erhalten. Ich bin hier als Journalistin angestellt und werde für den Bereich Politik und Gesellschaft schreiben. Mr. Becker ist nach wie vor ihr und auch mein Vorgesetzter. Er leistet gute Arbeit.“ Und wieder diese unendliche Stille, die wie ein Wolf auf seine Beute wartete und immer wieder seine Klauen in den Raum setzte. Unerträglich, vielleicht sogar etwas bedrohlich. Ich stammelte eine Entschuldigung doch sie ignorierte meine Bemühung und fuhr ohne aufzublicken fort:
„ Peter, Mr. Becker hat sie mir zugewiesen. Wir werden in Zukunft zusammen arbeiten. Sie sind mein Assistent. Bevor wir anfangen miteinander zu arbeiten möchte ich einiges mit ihnen klären.
Alles was sie von mir erfahren in diesem Büro bleibt auch hier. Ich verlange absolute Loyalität. Sie werden hier arbeiten, hier essen und trinken. Ich weiß, dass gerade diese Tatsache viele Gerüchte entstehen lassen wird aber die wird es so oder so geben.
Ich möchte, dass sie immer für ausreichende Mengen Zigaretten sorgen. Täglich frisches Wasser und mittags Eistee. Arbeitsmaterial darf nie fehlen. Jeden Morgen möchte ich alle Zeitungen die es in dieser Stadt zu kaufen gibt auf meinem Tisch liegen haben, alphabetisch geordnet. Sie müssen alles was ich sage und wann ich es sage genauestens dokumentieren und archivieren. Das beinhaltet sämtliche unsere Gespräche. Haben wir uns verstanden? Fühlen sie sich in der Lage diese Anweisungen zu befolgen?“
Ich nickte eifrig wie eine Taube die Körner vom Boden pickte.
„Im Laufe des Tages wird man ihnen ihren Arbeitstisch und Stuhl in das Zimmer hier in diesem Zimmer unterbringen. Ich will, dass sie mit Blick zum Fenster hinaus sitzen. Ich mag es nicht wie Tiere im Zoo gegenüber zu sitzen. Gehen sie bitte in die Stadt, jetzt gleich, und besorgen sie mir zudem eine warme Decke aus Daunen und einen Kissen, natürlich mit Bezügen. Ich denke wir werden zusammen eine gute Arbeit leisten. Ich danke ihnen. Machen sie sich bitte auf den Weg und verschwenden sie keine Zeit. Wir haben keine Zeit, die Geschichte läuft uns davon.“

Ich nickte einmal und machte mich auf den Weg um die Einkäufe zu betätigen. Als ich am Türrahmen stand blieb ich stehen und drehte mich um:
„Was ist mit meiner Arbeit in der unteren Etage?“
„Machen sie sich darüber keine Sorgen. Ihre Stelle wird bald neu besetzt werden. Bis dahin wird Mr. Becker ihre Aufgaben übernehmen. Ich habe mit Mr. Becker auch bereits über ihren Lohn gesprochen. Sie werden ab dem Ende des Monats einen angemessenen Gehalt für ihren neuen Tätigkeitsbereich erhalten.“

Als ich zurückkam und die Einkäufe im Arm trug sah ich im Zimmer meinen Arbeitstisch und mein Stuhl. Ich legte alles auf meinem Tisch ab und fing an, alles wegzuräumen.
Als ich noch einmal in die erste Etage ging um meine Akten aus dem Regal zu holen sahen mich alle erwartungsvoll an doch ich tat beschäftigt und eilte so schnell ich nur konnte wieder aus dem Zimmer hinaus um zu vermeiden in ein Gespräch verwickelt zu werden.

Den ganzen Tag verbrachten wir in ihrem Büro. Ich habe mich nicht getraut das Zimmer zu verlassen. Ich kann aber heute nicht mehr genau sagen ob ich Angst hatte mich in Gerüchte zu verwickeln oder ich eher fürchtete die Gemeinsamkeit könnte ein Ende annehmen.

4.
Mrs. Smith von der Personalabteilung verabschiedete sich mit einer kleinen Feier vom Verlagshaus und ging in Rente, der Stadtpfarrer verließ sein Amt und ein neuer an seiner Stelle wurde binnen einer Woche eingesetzt, das Feuerwehrhaus wurde renoviert, die Polizei wurde um einen weiteren Polizeibeamten aufgestockt. Mr. Becker richtete sich in seinem neuen Büro ein und versank im rauch seiner Zigaretten die er darin rauchte, der Schneider der Stadt, Mr. Wood schloss seinen Laden um mit seiner Familie Urlaub zu machen, die Kellnerin im Diner brannte mit einem Vater von 4 Kindern aus der Nachbarortschaft durch. Die Zeitungen berichteten von einen eisigen Winter der uns bevorstehe und Mrs. Green, die Ehefrau des Arztes in unserer Stadt bekam ihr fünftes Kind, ein wunderschönes Mädchen namens Sally.
Der Sohn von Mr. Und Mrs. Bloom bekam endlich nach langem Warten einen Medizinstudienplatz und bereitete sich auf seinen Umzug in die große Stadt vor und die Lehrerin der Stadt. Mrs. Rouge legte beim Bürgermeister der Stadt eine Beschwerde ein, da viel zu wenig Lehrkräfte an der Schule seien, um all den Aufgaben einer guten Schule gerecht zu werden.

Während dieser ganzen Zeit lasen wir Zeitungen, ich erledigte ab und an Aufgaben für Mrs. Hofmann und führte Protokoll über sämtliche Gespräche und Einkäufe.

„Haben sie von der Versammlung Samstagabend in der Stadthalle gehört?“
„Ja. Ist in aller Munde. Das kommt

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