Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 7

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hier nicht so oft vor, dass eine Bürgerversammlung angekündigt wird. Wird sicherlich sehr spannend“ antwortete ich mit einem leichten Grinsen im Gesicht.

Am Rande unserer Stadt, im Dickicht von Tannen und Birken betrieb die Familie Richards eine Gießerei mit etwa 400 Arbeitern. Die Gießerei existierte bereits seit fast 120 Jahren und wurde vom Urgroßvater Mr. Richards gegründet und ist bis heute noch im Familienbesitz.
Letzten Juni, an einem heißen Sommertag, ließ Mr. Richards eine Anzeige bei uns aufgeben, in der er eine Stelle angeboten hatte, für die Produktionswerkstadt seines Unternehmens. Er suchte nach einem erfahrenen Schlosser.
Da wir in einer Kleinstadt lebten und die Nachbarorte überwiegend von Landwirtschaft und Viehzucht geprägt waren, hatte sich für diese Stelle lange Zeit kein geeigneter Bewerber finden lassen.
Bis eines Tages Susan Brooks auftauchte. Susan kannte ich seit meiner Kindheit und wir gingen in die gleiche Schule. Sie war schon immer, als junges Mädchen, begeistert von Motoren und Maschinen. In der kleinen Werkstadt ihres Vaters am Ende der Stadt an einem kleinen Bach gelegen, verbrachte sie die ganzen Nachmittage und half ihrem Vater bei den Arbeiten.
Ob ihre Interesse und Leidenschaft für Mechanik wirklich so groß ist oder dem Umstand zu danken war, dass ihr Vater sich nichts auf der Welt mehr als einen Sohn wünschte den seine Frau aber nie auf die Welt bringen konnte da sie bei der Geburt von Susan, ihrer dritten Tochter, im Wochenbett verstarb, bleibt uns verborgen.
Susan wuchs wie ein Junge auf. Ihr Vater kleidete sie wie einen Jungen, sie hatte einen Jungenhaarschnitt und er nahm sie stets bei seinen Aufträgen in der Stadt mit.
So kam es, dass Susan nie die Manieren einer Lady lernen konnte und sich stets im Beisein von Frauen unwohl fühlte. Die Männer akzeptierten sie ebenso wenig die Frauen, da sie trotz ihrem Aussehen immer noch eine Frau war. Das führte zu Verunsicherung, und wie Männer oft in solchen Situationen handeln, gingen sie diesem Problem schlicht aus dem Weg.
Als Susan heranwuchs und ihr Körper sich in die einer Frau zu verwandeln anfing, musste es ihr sehr zu schaffen gemacht haben. Sie trug nur noch einige Nummern zu großgeratene Latzhosen mit einer Weste aus Jeans.
Als eine Familie während einer Durchreise eine Autopanne hatte und die Werkstatt ihres Vaters aufsuchte, so wird erzählt, verliebte sich die Frau des Fahrers, Mutter von zwei Kindern, auf dem ersten Blick in Susan.
In einem chaotischen Augenblick, als der Ehemann und Susans Vater über den Schaden und die möglichen Kosten diskutierten und die Kinder auf der Wiese vor der Werkstatt einem Eichhorn lauerten, näherte sich die Ehefrau und Mutter des Fahrers Susan und berührte ihre Hand auf einer unsittlichen Art. Susan, erschrocken, riss ihre Hand zurück und lief aus der Werkstatt raus. Erst am Abend konnte ihr Vater sie finden. Sie saß unten am Fluss, hatte ein paar Fische geangelt, sich billigen Brandy gegönnt. Man konnte sehen, dass sie geweint hatte. Ihr Vater sprach sie nicht darauf an sondern setzte sich zu ihr und fragte nach dem Brandy, den sie beide den ganzen Abend am Fluss ohne einen einzigen verdammten Karpfen gefangen zu haben, verbrachten.
Susans Vater starb vor einem halben Jahr, ihre Schwestern heirateten alle und Susan blieb zurück. Die Werkstadt musste geschlossen und die Geräte verkauft werden um die schulden, die sich über die Jahre angesammelt haben auszugleichen und ihrem Vater eine anständige Beerdigung zu leisten.

So war Susan auf der Suche nach Arbeit und hatte von der Anzeige in der Zeitung gelesen. Sie stieg auf ihren alten Harley, ein Überbleibsel ihres alten Herrn, und fuhr gleich zu der Gießerei. Sie konnte durch ihr handwerkliches Können Mr. Richards und seine Vorarbeiter, die anfangs eher zurückhaltend waren, überzeugen, dass sie mehr als nur geeignet war diese Stelle zu besetzen.

Einige Wochen ging alles gut und Susan machte schnell Reden von sich. Ihr Geschick und Fleiß begeisterte alle aus der Gießerei. Doch da gab es Charles, einen Nichtsnutz der seine Stelle nur seinem Vater zu verdanken hat der seit über dreißig Jahren in der Gießerei schon unter dem Vater von Mr. Richards gearbeitet hatte und immer ein fleißiger und ehrlicher Mitarbeiter war.
Als nun Charles eine kindische Eifersucht entwickelte wandte er sich an den Oberbürgermeister Dr. Greek der Stadt und zeigte Mr. Richards unter einem Anonym an, er würde eine Frau unter nur Männern beschäftigen und ließe sie Männerarbeit verrichten. Zudem überspitzte er die Situation und schrieb über gemeinsame Umkleideräume und sanitäre Anlagen.

Das gleiche Schreiben wurde auch an den Pfarrer der Stadt, Pastor Wilson gesendet. Es ließ nicht lange auf sich warten, bis dieser sich empört an den Oberbürgermeister der Stadt wandte und ihn darum bat diesem schändlichen Zustand ein Ende zu setzen. Dies sei nicht mit den christlichen Werten der Stadt zu vereinbaren und würde ein schlechtes Beispiel für die Mitmenschen sein. Welch ein gottloses Treiben, so der Pfarrer.
Der Oberbürgermeister der Stadt reagierte ebenso entsetzt und bat Mr. Richards Susans Beschäftigung ein Ende zu setzen. Mr. Richards jedoch weigerte sich dies zu befolgen und reagierte nicht auf die Bitte, ja sogar Anordnung des Oberbürgermeisters.
Und so wurde ein Stein ins Rollen gebracht, dass eine ganze Lawine mit sich riss und auf dem Weg in den Abgrund an Geschwindigkeit zunahm.
Mr. Richards, der sich doch noch besann und nicht mit dem Pfarrer und dem Oberbürgermeister anlegen wollte, da dies nur ihm und seinem Unternehmen schaden würde, hatte eine einfache aber dennoch wirksame Idee. Er verlangte eine Bürgerversammlung und anschließend einen Bürgerentscheid, um diesen Fall endgültig und allgemeinverbindlich zu lösen. Dabei setzte er auf die Sympathisanten Susans in der Stadt, die bekannt und beliebt war, trotz ihrer ihrem Geschlecht nicht entsprechenden Kleidungstil und Art. Man könnte auch meinen das Mr. Richards unter dem Druck seiner Frau diesen Weg einzuschlagen sich gezwungen sah. Mrs. Richards war seit Jahren in der Kirche tätig und hatte viele soziale Einrichtungen der Stadt mit Spenden geholfen. Sie war, so kann man es ernsthaft sagen, eine gottesfürchtige Frau. Und ein Gespräch mit dem Pfarrer über diese unangenehme Sache war bereits gelaufen wonach sie dem Pfarrer selbstverständlich Recht gab.
So beauftragte Mr. Richards unser Zeitungshaus über die Frauenbewegungen in unserem

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