Mrs. Hofmann Die erste Frau auf dem Mond - Page 8

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Land und ihre Ziele zu schreiben mit der Hoffnung mehr stimmen für sich zu gewinnen.

Mrs. Hofmann nahm diese Bitte entgegen und erklärte sich bereit, einen Artikel über die aktuelle Lage zu verfassen.

„ Ist das nicht bemerkenswert was Mr. Richards für die Rechte der Frauen alles auf sich nimmt? Ich meine, er setzt sich für seine Mitarbeiterin ein und möchte sie weiterhin beschäftigen. Bei ihm zählt nur die Arbeit, was am Ende des Tages geleistet wurde. Es spielt keine Rolle wer daran beteiligt war“.
Als ich Mrs. Hofmann schweigend an ihrem Tisch sah, wusste ich, dass sie eine andere Meinung als ich hatte und kam versuchte einen kritischen Blick anzunehmen, in der Hoffnung sie würde mir eine differenzierte Anschauung unterstellen und meine gemachte Aussage nicht als absolut betrachten. Sie legte ihren Stift auf die Arbeitsfläche, lehnte sich zurück in ihren Stuhl und sah mich an. Ein Blitz schoss mir vom Nacken abwärts über die Schulter bis in die Finger.
„ Kennen sie die zwei größten Feinde und zugleich Freunde der Frau in unserer Zeit?“
Ich wartete ihre Antwort ab.
„Krieg und Kapitalismus Peter. Krieg und Kapitalismus“.
Es klang einleuchtend aber dennoch konnte ich mir nicht vorstellen worin Zusammenhang bestand.

„August Bebel, ein deutscher Sozialdemokrat schrieb mal, die Frau sei die älteste Sklavin der Welt. Jetzt befreien der Kapitalismus und der Krieg die Frau aus ihren Fesseln, aber nicht um ihr die ersehnte Freiheit und Gleichberechtigung zu bringen. Nein, um sie weiter zu versklaven in einer Welt, die zerstört wurde und in einer Welt, die gleichzeitig im Aufbau ist. In einem anabolen Zustand.
Die Frau wird in den meisten patriarchischen Ländern an der Front als Heldin gefeiert. Sei es in Griechenland oder in der Türkei, stehen in vielen kleinen Städten Statuen von tapferen Frauen als Kämpferinnen. Haben Frauen in diesen Ländern die gleichen Rechte wie die Männer?
Der Kapitalismus braucht Menschen, die Arbeiten verrichten, die Produktionsketten aufrechthalten. Der Krieg braucht sie, um sich selbst zu nähren. Wenn die Männer nicht mehr genügen, warum auch immer, bleibt nichts anderes übrig als die Frau von ihrem Zuhause, hinter dem Herd raus zu locken und an den Fließband und an die Front zu stellen. Nicht aus christlicher Nächstenliebe sondern aus einer Berechnung heraus.
Und die Heuchler, nichts verachte ich mehr als diese einfältigen Heuchler, die behaupten es sei eine Errungenschaft moderner Gesellschaften, dass die Frau nun gleich einem Mann ist. Es seien ja die Werte unserer Nation, dass jeder gleichberechtigt sei und nur die Fähigkeiten oder Begabungen würden einem alle Tore öffnen.
So wurden die Familien zerbröselt, die Mütter aus den Häusern geholt und eine schein Welt künstlich hergestellt, die eine faire Welt vortäuscht.“
„Aber sind den oft die Wege nicht beschwerlich aber das Ergebnis lässt alle Mühen und Stolpersteine in ihrem Glanz vergessen? Ich meine das sie ja sicherlich Recht haben mögen, doch sehen sie doch, sie sitzen als eine Frau hier, Susan hat eine Arbeit in der Gießerei, für die sie nun kämpfen möchte? All das wäre doch früher nicht möglich gewesen?“
„ Die Befreiung der Frau muss zuerst in den Köpfen beginnen. Die Uhr der Kultur läuft langsam und eigenwillig. Der Kapitalismus oder der Krieg ringen um die Zeit. Die Zeit ist eine wichtige Triebfeder ihrer Existenz. Entscheidungen oder Veränderungen werden in einer rasanten Geschwindigkeit durchgesetzt. Doch die Seele der Gesellschaft, die wird dem ganzen immer im Rückschritt sein. Das wird zu einer Spannung in der Gesellschaft führen und zur weiteren Ausbeute der Frau. Sie wissen doch, dass in den europäischen Kohleminen Frauen und Kinder den gleichen Lohn bekamen? Sehen sie sich in ihrem Umfeld doch nur um Pete, die meisten höheren Posten, wie die des Pfarrers, Oberbürgermeisters oder Arztes sind von Männern besetzt. Wie viele Polizistinnen kennen sie in ihrer Stadt?“
Ohne auf eine Antwort meinerseits abzuwarten fuhr sie fort:
„Ich möchte sie bitten morgen in die Gießerei zu gehen und mit Mr. Richards zu sprechen. Anschließend möchte ich, dass sie mit Susan und einigen Arbeitskollegen ein Gespräch führen. Bringen sie mir bitte die Protokolle aller Gespräche bis zum Abend. Ich danke ihnen.“
„Was soll ich in den Gesprächen Fragen?“
„Ich denke wir haben gerade ein ausführliches Gespräch über das Thema geführt. Vorort werden sie wissen, was sie zu fragen haben.“

Ich setzte mich an meinen Tisch mit Fensterblick und nahm den Hörer in die Hand und betätigte einen Anruf in der Gießerei. Eine Mrs. Weller, die Sekretärin von Mrs. Richards, bat mich mit einer piepsigen Stimme pünktlich um neun Uhr am Morgen vor der Gießerei zu sein. Mrs. Richards lege sehr großen Wert auf Pünktlichkeit, so die Vorwarnung am anderen Ende der Leitung.

Am nächsten Morgen machte ich mich zu Fuß auf den Weg zur Gießerei.
Der Herbst hatte den Bäumen alles Leben aus den Häuptern entrissen. Kahl und leblos ragten sie in die Höhe. Der Nebel lag auch an diesem Morgen wie eine Decke aus Watte über der Stadt. So schritt ich, den Kaffeegeschmack noch im Mund, mit eiligen Schritten voran.
Als ich am Rande der Stadt mich der Gießerei näherte, sah ich bereits eine junge und kleine Frau stehen, die freundlich zu mir winkte und sich in einem Galoppschritt näherte. Sie hatte ein blaues Kleid, wie man es aus den Katalogen aus der Stadt kannte und eine braune Strickjacke um die Schultern geworfen.
„ Pete Levis?“ fragte die piepsige Stimme in einer dem männlichen Ohr unangenehm klingenden Tonlage. Ich glaube, dass Männerohren anders wahrnehmen als die der Frauen. Deswegen können wir glaube ich die sich über den Gehörgang direkt in den Gehirn rein fressenden hohen Töne nicht ertragen. Ich streckte ihr meine Hand entgegen und bestätigte ihre Frage mit einem freundlichen Nicken und erwiderte:
„Mrs. Weller?“
„Bitte folgen sie mir. Mrs. Richards hat nicht so viel Zeit. Er erwartet sie schon in seinem Büro“.

Wir liefen durch die produktionshalle. Der Lärm der Maschinen war nahezu unerträglich. Ein Gefühl von Unsicherheit überkam mich. Die Maschinen schienen einem Rhythmus zu folgen. Nicht gerade musikalisch aber doch konnte man beim längeren hinhören eine gewisse Ordnung vernehmen. Ich erinnerte mich an Super-Albert, welcher in unserer Druckerei stand.
Dann nahmen wir eine Stahlwangentreppe und schritten einer geschlossenen Tür aus Metall

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